Akai mach das Trio voll. Die MPC 2500 ist das neue Mittelklasse-Modell des Sampler-Klassikers. Grandmaster General Benjamin Weiss berichtet von unter der Haube.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 99


4000 + 1000 : 2 = MPC 2500

Weit aufgemacht wurde die Preisschere bei Akai zwischen dem kleinsten MPC Modell 1000 (ca. 800 Euro) und dem Flaggschiff 4000 (ca. 2300) Euro. Eine leicht aufgerüstete und aktualisierte MPC 2000 XL konnte darüber nicht wirklich hinwegtäuschen und so entschloss man sich, die MPC 2500 rauszubringen.

Übersicht
Die neue MPC 2500 leitet das neue Design für die MPC-Reihe ein. Zukünftig sollen alle MPCs in schwarz ausgeliefert werden. Von der Größe her etwa so groß wie die MPC 2000 XL, kommt sie mit einem Klapp-LCD-Bildschirm, zwei Q-Link-Drehreglern und zwei Q-Link-Fadern. Auch anschlussseitig bietet die 2500er mehr als bisher in dieser Preisklasse: 2 x MIDI In, 4 x MIDI Out, acht Einzelausgänge und ein Stereoausgang, dazu je ein SPDIF In und Out sowie zwei Fußpedal- und einen Kopfhöreranschluss und die von der MPC 1000 bekannten CF-Card-Reader und USB-1.0-Anschlüsse zur Verbindung mit dem Rechner.

Neuigkeiten
Das hört sich doch schon mal sehr umfangreich an, aber es kommt noch besser: Ein Einbaukit für die optionale Festplatte ist gleich mit dabei (der Einbau ist auch ziemlich unkompliziert, unterstützt werden Festplatten bis 80 Gigabyte), man kann aber auch ein CD/RW-Laufwerk einbauen. Ein wenig enttäuscht war ich von der maximalen Arbeitsspeichergröße: Mit 128 MB RAM ist sie genauso groß, wie bei der kleinen MPC 1000. Ein paar weitere Ähnlichkeiten gibt es außerdem: exakt die gleichen RAM-Bausteine, Festplatten und CF-Karten funktionieren bei der MPC 1000, was den Verdacht nahe legt, dass die beiden Maschinen intern sehr viel gemeinsame Hardware nutzen.
Generell hat man für das Betriebssystem einiges in Sachen Bedienerfreundlichkeit getan: Mit Grid Edit hat der Pianorolleneditor Einzug gehalten und mit den Q-Link-Fadern kann man jetzt auch den Mixer automatisieren (Lautstärke und Panning). Die Note-Repeat-Funktion wurde dadurch verbessert, dass man die Repeatauflösung (1/8, 1/8 triolisch usw.) direkt über die F-Tasten wechseln kann.

Patch Phrase/Chop Shop
Die MPC 2500 kann vieles, was bisher noch keine MPC konnte: So lassen sich Loops zum Beispiel endlich vernünftig slicen, so dass man sie tempounabhängig spielen kann. Dafür wird der Loop zunächst unter Angabe der Originalgeschwindigkeit zerschnitten, wonach man die einzelnen Teile auf Knackser untersuchen und gegebenenfalls korrigieren kann. Dann kann man daraus eine Patchphrase erzeugen, die sowohl die Sampledaten, als auch das korrekte Timing beinhaltet, sich aber ansonsten wie ein normales Sample setzen lässt. Wahlweise ist es aber auch möglich, sich den Loop als Sliced Samples abzuspeichern, so dass die einzelnen Slices in einem Programm abgespeichert werden. Nicht möglich ist die Patch-Phrase-Funktion mit Stereosamples, aber vielleicht wird das ja in einem Systemupdate nachgeholt.

Direct Recording/Continuous Sample Track
Diese Funktion der MPC 2500 erlaubt das Sampeln, während andere Sequenzen gespielt werden. Da die Daten dann aber in den Arbeitsspeicher gesampelt werden, muss dieser dafür groß genug sein. Praktisches Feature, wenn man Instrumentalisten oder Vocals aufnimmt.

Effekte & Modulation
Input Thru macht die neue MPC bei Bedarf auch zur Filterbank: Jetzt können Signale über den Input (analog oder auch digital) durchgeschleift und mit dem internen Filter bearbeitet werden.
Die zwei weitreichendsten Neuerungen im Effektbereich sind ansonsten das Delay und die neuen LFOs. Das Delay lässt sich in Abhängigkeit vom Tempo synchronisieren oder auch frei einstellen, kann mono oder stereo genutzt (wobei sich im Stereobetrieb das Pannen ebenfalls synchronisieren lässt oder freilaufen kann) und mit Feedback versehen werden, darüber hinaus gibt es noch einen Dämpfungsparameter. Das Delay klingt gut, ist aber leider nicht ganz so laut einzustellen, wie man es manchmal gerne hätte. Jedem Pad/Sample lässt sich ein LFO zuweisen, der die folgenden Wellenformen bietet: Triangle, Sine, Square, Saw, Saw Down und Random. Der LFO orientiert sich immer am Sequenzer, so dass seine Bewegungen gezwungenermaßen immer synchron zum Tempo laufen. Per Rate lässt sich die Geschwindigkeit einstellen, mit Delay kann man den Start des LFOs verzögern. Als LFO-Ziele stehen Tonhöhe, Filter, Lautstärke und Pan zur Verfügung, auf Wunsch auch gleichzeitig. Schön wäre noch die Möglichkeit gewesen, den LFO frei laufen lassen zu können.

Fazit
Alles in allem ist die MPC 2500 ein solides und praktisches Produktions- und Livetool, auch wenn mir der Preis von 1799 Euro nicht ganz einleuchtet, zumal die kleinere MPC 1000 mit 879 Euro ziemlich genau die Hälfte kostet, per Systemupdate demnächst (wahrscheinlich noch im Dezember) aber fast alle Softwarefeatures der MPC 2500 haben wird. Für die MPC 2500 exklusiv bleiben Grid Edit und Direct Recording sowie Continuous Sample Track, alles andere wird die kleine MPC dann wohl auch können. Für den Preis gibt es zudem nur die Grundausstattung mit 16 MB RAM ohne Festplatte, was meiner Meinung nach irgendwie nicht mehr zeitgemäß ist. Andererseits gibt es mehr Einzelausgänge, mehr MIDI und einen größeren, übersichtlicheren Bildschirm. Insgesamt wurde einiges an Userkritik ernst genommen und zu großen Teilen (PatchPhrase, GridEdit, endlich ein Delay als Effekt, Note Repeat im Direktzugriff usw.) auch integriert sowie die generelle Bedienerfreundlichkeit verbessert, anderes als die Effekte, die nach wie vor nur über den Stereoausgang laufen, wurde aus mir unerfindlichen Gründen nicht geändert.

Was bleibt, ist angesichts des Preises und der Grundausstattung ein leicht zwiespältiger Gesamteindruck. Aber vielleicht geschieht ja da demnächst ein kleines Wunder, wie beim Softwareupdate der MPC1000, und man kann plötzlich auch von der Festplatte Tracks streamen, alle Effekte laufen über alle Ausgänge oder der Preis wird gesenkt …Wer weiß.

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Elektronische Lebensaspekte.