Spielen auf der PSP? Das war ja wohl gestern. Die kleine Playstation kann, Firmware-Hacks sei Dank, kann viel mehr als nur Games durchnudeln. Warum denn keine Musik auf der PSP machen? Benjamin Weiss hat sich reingestürzt.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 105

Musiktechnik

Audiotools für die PSP
Kicks, Sampeln, Los!

Neben den horrend teuren Spielen und Filmen auf UMD gibt’s eine Menge interessanter Free/Shareware für die PSP. Da Sony diese Art von Software nur ungern unterstützt und durch Firmware-Updates immer wieder versucht, die Entwicklung zu verhindern, werden kleine Tools wie Eloader benötigt, um diese so genannte Homebrew-Software auf der PSP installieren zu können. Eloader nutzt einen Exploit von GTA – Liberty City Stories (das man deswegen auch kaufen muss), um Homebrew-Software auf der neusten Firmware laufen zu lassen, alternativ kann man aber auch einfach die Firmware auf 1.5 downgraden oder sich eine Custom Firmware besorgen. Man braucht also ein kleines bischen DIY Approach, aber der lohnt sich durchaus, denn mittlerweile gibt es nicht nur FTP Tools, Remotes für PCs, Spiele, Kanji-Lernprogramme, Organizer und Flash Tools, sondern auch ein paar Audio-Programme für die PSP. Wir haben uns mal drei Sequenzer mit unterschiedlicher Klangerzeugung angesehen.

PSPKick 3.0
PSP Kick ist Sample-basiert und erlaubt das Zusammenstellen von Patterns mit bis zu 12 verschiedenen Samples. Die Steps werden alle gleichzeitig auf einer Matrix angezeigt und können in Panning, Tonhöhe, und Volume editiert werden. Anders als bei den weiter unten vorgestellten Tools lässt sich mit PSPKick auch komfortabel editieren, indem man Bereiche selektieren, verschieben oder auch einfügen kann. Neben dem Pattern-Mode steht auch ein Ein-Song-Mode zur Verfügung, der ebenso gut editierbar ist. Zum Weiterbearbeiten lässt sich der Song oder auch nur das Pattern als .Wav bouncen, aber auch als Midifile, was allerdings nur dann sinnvoll ist, wenn man ihn auf eine andere PSP übertragen will. Die Samples sind in Soundpacks organisiert, die man selbst erstellen kann, was auch für die Hintergrundgrafiken gilt.

PSPRhythm 3.0
Auch PSPRhythm arbeitet vollständig Sample-basiert, hat sich aber die klassischen Stepsequenzer mit Lauflichtprogrammierung zum Vorbild genommen. Nicht zufällig ist die Ähnlichkeit zur Machinedrum – die Programmierer sind große Fans. Pro Pattern (je 16 Steps) ist ein Kit benutzbar, das aus bis zu 16 Samples bestehen kann. An Parametern stehen pro Step Pitch, Volume, Balance sowie Start- und Endpunkt des Samples bereit, zusätzlich gibt es noch Swing (in Prozent), der patternweit eingestellt wird. Zusätzlich zum Patternmode gibt es auch hier den Song-Mode, mit dem man bis zu 256 Patterns aneinander hängen kann. Das Interface ist sehr übersichtlich und die Steuerung über die Buttons und das Analog-Pad ziemlich durchdacht, so dass man schnell was gebastelt bekommt, ohne sich groß mit den Feinheiten zu beschäftigen. Kits lassen sich aus 16 Samples im .Wav-Format relativ einfach selbst machen, ebenso die Hintergrundgrafik, die aus PNGs besteht. PSPRhythm 3.0 kann zwar nicht viel, macht aber trotzdem wegen der guten Bedienbarkeit schnell Spaß, außerdem lassen sich die Ergebnisse mal eben als .Wav in 16 Bit 44,1 kHz bouncen, falls man sie noch weiter benutzen möchte. Die neue Version, die just nach Fertigstellung dieses Artikels erschien, hat übrigens zusätzlich noch einen Basslinesynthesizer, Timestretch, einen Filter und Effekte.

PSPSeq 0.20
Bisher ist PSPSeq das einzige Programm für die PSP, das nicht auf Samples zurückgreift, sondern eine eigene Chiptune-Synthese nutzt, die auch einen recht speziellen, aber interessanten Sound hat. PSPSeq besitzt einen Sequenzer mit 64 Steps und kann bis zu 16 Sounds gleichzeitig erzeugen. Als Instrumente gib es eine Wavetable-Bassdrum, zwei verschiedene HiHat-Synths und ein Wavetable mit exponentiellem Decay. Dazu kommen noch die Effekte Genshfx (eine Art simples Sample & Hold) sowie PrevCurrFiltFX, der irgendwie zwei Steps per Filter zusammenmorpht, was ziemlich lustig klingen kann. Ein wenig eigenartig ist die Swingfunktion, die in BPM angegeben wird. Der Swing verzögert nämlich nicht die Steps zwischen den Vierteln, wie man das sonst so kennt, sondern immer gleich vier Steps auf einmal: So sind bei einem Swingwert von 10 bei einer Patterngeschwindigkeit von 120 BPM die ersten vier Steps 130 BPM schnell, die nächsten vier dafür 110. Ist auch ganz spannend, aber schon merkwürdig. In der nächsten Version soll man die Ergebnisse auch als .Wav abspeichern können, was bisher leider nur im proprietären PSPSeq-Format möglich ist. PSPSeq braucht noch ein wenig Feinabstimmung, da sich einerseits die Werte der Steps zu schnell mit dem Analog-Pad ändern (was recht fummelig sein kann, wenn man unbedingt den einen Pitch haben möchte) und das Navigieren zwischen den einzelnen Steps dann wieder ein wenig träge ist, aber der Sound ist schon überzeugend charaktervoll.

Eigentlich sind alle drei Freeware-Tools spannender als die meisten Spiele, die es für die PSP gibt, obwohl sie natürlich grafiktechnisch und auch (noch) in ihren Möglichkeiten etwas, na sagen wir mal, reduzierter und dezenter daherkommen. Der Sound ist ok bis gut und die daddelerprobte Haptik der PSP ist als Interface auf jeden Fall intuitiver als jede Maus/Tastatur-Kombination. Das sorgt bei allen drei Kandidaten sogleich für eine leichte Sogwirkung, auch wenn die Zuordnung der Interface-Elemente unterschiedlich gut gelungen ist. Vielleicht kommt ja noch jemand auf die eigentlich nahe liegende Idee, den USB-Anschluss für Midi zu nutzen? Dann könnte man prima diverse externe Geräte mit der PSP steuern …

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Elektronische Lebensaspekte.