"Das klingt viel zu glücklich" aus De:Bug 109


Der italo-kanadische Neu-Berliner Bruno Pronsato hat gerade fulminante Remixe für Baby Ford und Benno Blome gemacht. Im Blind Date zeigt er, dass er sich von guter Produktion alleine noch lange nicht bestechen lässt.

Laszlo Beckett – Plowtrax Vol. 1 (Hand On The Plow / 006)

Bruno Pronsato: Ich mag diese sehr tief stehende Bassline. Aber die Drumsounds klingen so nach Plastik. Die Gitarren sind allerdings sehr cool. Und werden auch immer besser. Aber die Drums?

Debug: Es ist auch ein Livemix.

Bruno Pronsato: Vielleicht deshalb. Ein paar mehr Vocals währen sehr gut. Einige Minuten würde ich den Track mögen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, das sechs Minuten lang anzuhören.

Debug: Und dabei ist es glatt zehn Minuten. Es heißt “Guitar-Beat Part 1”.

Bruno Pronsato: Für Millisekunden erinnert mich das ein wenig an Gang Of Four. Aber dann ist es schon wieder woanders. Das kommt bestimmt aus England.

Debug: Der nächste Track heißt “Bleep Me Deadly”. Das muss aus England kommen.

Bruno Pronsato: Das muss Jamie Lidell sein.

Debug: Niemals.

Bruno Pronsato: Es ist groß. Das ist technisch alles sehr interessant. Aber irgendwie nicht so wirklich sexy.

Debug: Es ist Laszlo Beckett auf Hands On The Plow.

Bruno Pronsato: Ah. Die Hands-On-The-Plow-Leute. Groß. Die haben einen tollen Remix für Caro gemacht.

Portable – Speak Out (Süd Electronic / 009)

Bruno Pronsato: Das ist cool. Groß. Sehr deep. Und dieser metallische Shaker …

Debug: Es wird schwer sein zu raten, was es ist, weil es für ihn ungewöhnlich oldschool klingt.

Bruno Pronsato: Die Vocals sind auch sehr gut. Meist stört es mich, wenn man Vocalsamples immer und immer wieder benutzt, aber hier sind sie so Teil des Grooves, dass es perfekt passt. Das ist selten. Das ist so ein Track, der ruhig ewig dauern darf.

Debug: Er heißt “Bubble World”.

Bruno Pronsato: Diese Modulationen sind auch toll. Ich hätte gerne noch ein paar Handclaps. Das sind definitiv neun Minuten, die sich lohnen.

Debug: Jetzt mal zur Rückseite.

Bruno Pronsato: Das klingt wesentlich moderner als die andere Seite. Darker, aber cool. Diese 808-Grooves bringen einen gut durch die Nacht. Eine perfekte 12″.

Debug: Das ist die neue Portable.

Bruno Pronsato: Das freut mich. Er ist ein Freund von mir. Ich mag auch die Vocals. Die passen gut zum Vibe des Tracks.

Tractile – Silent Movie (Minus)

Debug: Jetzt kommt was auf einem sehr sehr bekannten Label.

Bruno Pronsato: Und ich mag es. Bis jetzt. Es hat dieses Dan-Bell-Gefühl. Dieser Sound wird grade wieder sehr populär. Es ist minimal, aber sehr interessant. Man wartet immer auf den nächsten Sound und hofft, dass er so spannend sein wird, dass er die Erwartungen erfüllt. Das muss auf dem Dancefloor sehr populär sein.

Debug: Kannst du das Label raten.

Bruno Pronsato: Das ist schwer. Es gibt zur Zeit so viele Label, die so etwas rausbringen würden. Vielleicht Spectral? Aber ich kaufe nicht so viele Platten, dass ich das wirklich wissen könnte. Und es ist ja auch wirklich ein Track für DJs. Denn zu Hause könnte das vielen auch zu langweilig werden. Ich mag so was zwar auch zu Hause, aber auf dem Dancefloor ist es einfach passender. Die ganzen Tracks klingen wirklich heiß.

Debug: Es ist auf Minus.

Bruno Pronsato: Das hätte ich nie geraten. Das klingt viel zu glücklich. So quietschig. Das bin ich von denen nicht gewöhnt. Aber um so besser.

Theodor Zox (Trenton / 017)

Debug: Das hier ist von einem der neuen dänischen Produzenten.

Bruno Pronsato: Ich mag es irgendwie, weil es Musik ist, die ich nicht so oft höre. Das klingt modern. Es ist gut. Aber irgendwie fehlt was.

Debug: Lass uns den nächsten Track checken.

Bruno Pronsato: Das ist gut produziert. Aber es klingt so, als hätte ich den Track schon mal gehört. Naja. Das könnte man auch über meine Tracks sagen. Aber irgendwie ist es mir viel zu tight. Zu streng. Da ist nichts Lockeres dabei. Da fehlt Funk. Man kann da zwar nichts Schlechtes drüber sagen, weil alles gut klingt, aber wenn man seine Augen schließt, sieht man nur die Kästchen eines Musikprogramm-Interfaces.

Disco Devil (Disco Devil 001)

Debug: Das hier ist neue belgische Disco.

Bruno Pronsato: Diesen Arpeggiator-Sound mag ich überhaupt nicht, der ist scheiße. Aber die Kickdrum ist sympathisch und ich liebe diese Stabs. Wow. Die Strings sind toll. Das ist deep. Wenn man das Intro weglassen könnte …

Debug: Moroder. Das ist so ein Discotrauma. Das muss man machen. Aber jetzt kommt der Kitsch.

Bruno Pronsato: Oh ja. Aber er passt. Ich glaube, die nehmen das nicht so ernst. Ich glaube, das ist der Punkt, den sie machen wollen. Das hier ist zum Beispiel wirklich locker. Damit kriegt man mich immer. Solange es nicht so verdammt steif ist und nur nach Computermusik klingt. Das ist schon lächerliche Musik, aber da sie das wohl auch wollen, ist es völlig ok. Ist die alt?

Debug: Nein, völlig neu.

Bruno Pronsato: Sowas!

Fuckaponydelic – Switch The Lights (Cocoon Recordings)

Debug: Ich geb dir gleich einen Tipp. Das Label macht einer von Deutschlands allergrößten DJs.

Bruno Pronsato: Ah. Das ist Cocoon. Der Groove ist gut. Aber diese Preachervocals. Ich weiß nicht, was das soll. Die gehen mir auf die Nerven. Der singt aus der Bibel, oder was? Und wie oft hat man das schon gehört. Und die Effekte klangen erst mal cool, aber dann werden sie schnell richtig lästig. Das verspricht etwas, was es nicht halten kann.

Debug: Der Remix ist von Motorcitysoul.

Bruno Pronsato: Die geben allem immer das richtige Dancefloor-Treatment. Da stimmt alles. Auch die Vocals sind viel mehr kontrolliert. Ja. Das ist ein sehr properer Dancetrack.

Wighnomy Brothers – Okkasion EP (Freude Am Tanzen / 029)

Debug: Hey. Nicht auf das Label linsen, du sollst doch wenigstens eine Platte erraten.

Bruno Pronsato: Ok. Ich hab hingesehen, aber ich weiß es trotzdem nicht. Diese Vocals kenn ich. Das liebe ich. Moment, was ist das? Ich komm einfach nicht drauf!

Debug: Beim nächsten Track wird’s klarer.

Bruno Pronsato: Hm. Keine Ahnung.

Debug: Wighnomy Brothers. Und der Remix war von einem Gustav-Track.

Bruno Pronsato: Genau, das war’s. Gustav! Und Wighnomys. Das macht Sinn.

Fuckpony – It’s Only Music (Get Physical Music / 057)

Debug: Das ist deine letzte Chance.

Bruno Pronsato: Das ist Jay Haze! Auf jeden Fall.

Debug: Mission erfüllt. Genau. Auf Get Physical.

Bruno Pronsato: Ah, dann ist es Fuckpony. Er hat immer diesen Groove. Ich kenn ihn zwar nicht persönlich, aber sein Style ist unverkennbar. Der redet immer so einen peinlichen Kram. Manchmal übertreibt er das auch. Aber die Musik ist wirklich immer gut. Alles bewegt sich und moduliert, die Stimmen wechseln den Pitch und die Hihats faden da so rein. Das ist so albern. Oh Mann, diese schrägen Harmonien! (bricht aus in Lachen).

Debug: Man kann eben einfach keine ernste Platte machen und sich dann Fuckpony nennen.
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Elektronische Lebensaspekte.

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