Wenn du Vinyl kaufst, unterstützt du das Label wirklich
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 115


Als sich Tech-House in UK immer mehr zu großraumravigem Effektgeboller verstieg, streckten die Londoner David Brown und James Taylor die Fühler gen Kontinent aus und glichen ihre dubbigen Tracks ab 2002 mit dem Pop-Minimal von Perlon oder Kompakt ab. Ihre Koops mit Sängern wie Richard Davis und Clair Dietrich avancierten zu Radiohits, die jeder auf dem Dancefloor mitsingen wollte. Ihr neues Album spinnt den Faden weiter. Nachtarbeiter David Brown bleibt bei unserem Blind Date ganz entspannt.

Deep Chord – Electromagnetic Dowsing (Mike Huckaby Remix) (Synth)

David: Oh, großartig. Das mag ich. Sehr klassisch. Erinnert mich an die Deep-Chord-Platten, die gerade herausgekommen sind. Könnte aber auch etwas ganz anderes sein.

De:Bug: Es ist Deep Chord. In einem Mike-Huckaby-Remix …

David: Ach, echt? Schön, dass wieder mehr solche Platten gemacht werden. Es ist zwar nicht immer einfach, sie auch zu spielen, aber ich liebe diesen Sound nach wie vor. Als ich das erste Mal einen Track von Maurizio gehört habe, hat das meine Wahrnehmung von Techno komplett verändert. Ich war absolut kein Fan vorher. Wir haben damals eher an dubbigen HipHop-Tracks gebastelt. Heutzutage würde man dazu wohl TripHop sagen. Diese Tiefe und Wärme, die die Maurizio-Platten verströmt haben, hat mich sofort gefesselt. Ich komme aus Glasgow und da mag man es traditionell eher etwas härter. Für mich war Techno Synonym für Aggressivität. Klar gab es viele wunderbare House-Platten, aber die habe ich erst später entdeckt.

Burial – Ghost Hardware (Hyperdub)

David: Das ist etwas für die Chill-Out-Area. (lacht) Vom wem ist das Stück?

De:Bug: Burial. Die neue EP.

David: Tatsächlich? Sein Sound scheint auch immer eindeutiger in die Dubstep-Richtung zu gehen. Das Album hat mich nicht so angemacht. Ich muss aber zugeben, dass ich es auch nur kurz im Plattenladen gehört habe. Ich hatte irgendwie etwas anderes erwartet. Aber wahrscheinlich sollte ich das Album erst mal in Ruhe hören, bevor ich daran herummäkle. Ich mag einige der Shackleton- und Appleblim-Sachen auf Skull Disco sehr gerne. Wirklich darker Kram. Großartig. Auch der Ricardo-Mix für Shackleton war der Wahnsinn. Als ich den das erste Mal gehört habe, war ich total platt. It blew me away!

De:Bug: Verfolgst du, was es da an Austausch zwischen Techno und Dubstep gibt?

David: Ja, ein bisschen. Diese Entwicklung ist schon interessant. Ich wusste gar nicht, was Dubstep ist, bis ich im Plattenladen mal eine 10” von Andy Stott gehört habe. Ich mag seine Techno-Tracks sehr gerne, aber auf der Platte waren nur Dubstep-Stücke von ihm. Fand ich sehr gut. Allerdings finde ich, dass man Dubstep meist schwer in einem Techno-Set spielen kann.

Andy Stott – Fear Of Heights (Modern Love)

David: Ein großer Moment, wenn die HiHat da so reinkommt. Dieser dubbige Techno bewegt sich wirklich in einem eigenen Universum.

De:Bug: Das ist die neue Andy-Stott-Maxi.

David: Finde ich super. Aber viel softer und deeper als andere Sachen von ihm. Das ist die zweite Platte, die ich mir kaufen muss.

De:Bug: Welche war die erste, die Burial?

David: Nein, dieser Mike-Huckaby-Remix. Nach dem muss ich suchen.

Robert Hood – Realm (M-Plant)

Wo wohnt dein Partner James noch mal, in Südfrankreich?

David: Ja, in Montpellier. Sehr angenehmes Leben da. Wir haben das neue Album quasi in getrennten Studios gemacht und uns immer wieder Files mit neuen und überarbeiteten Entwürfen zugeschickt. Gegen Ende bin ich dann nach Montpellier gefahren, um mit ihm zusammen die Tracks für das Album auszusuchen. Wir hatten dreißig Stücke und haben fünfzehn davon genommen. Wir haben also eigentlich noch ein weiteres Album fertig. Die Idee ist, dass wir wieder einige Maxis herausbringen. Nur auf Vinyl. Heutzutage veröffentlicht ja fast jedes Label seine Sachen auch digital. Deswegen mag ich die Idee, nur Vinyl herauszubringen. Mich nervt es, wenn ich sehe, dass auf Beatport Tracks für einen Dollar verkauft werden. Das ist nicht cool. Wenn du Vinyl kaufst und neun Euro für die Platte hinlegst, dann unterstützt du das Label wirklich. Wenn du nur ein MP3-File kaufst, dann ist das nur ein File, das niemandem wirklich etwas bedeutet. Ich brauche den physischen Tonträger. Mir werden ständig MP3s geschickt, aber ich höre mir die nie an. Ich frage dann immer, ob sie mir eine Platte schicken können. Ich kann die Entwicklung ja verstehen. Vertriebstechnisch macht es Sinn, man spart Geld. Aber es macht mich traurig, wenn ich einen DJ nur mit CDs rumhantieren sehe. Die Platte, die gerade läuft, finde ich sehr gut. Was ist das?

De:Bug: Robert Hood. Schon ein paar Jahre alt.

David: Rob Hood?! Sehr cool.

De:Bug: Die Vinyl-only-Maxis, die ihr veröffentlichen wollt, kommen dann auf eurem eigenen Label oder auf K7?

David: Auf unserem eigenen. Es war ja eine ganze Weile recht still um Swayzak Recordings. Wir hatten zu viel zu tun und die Labelarbeit nahm auch immer mehr zu. Wir haben zwischenzeitlich irgendwie den Drive verloren und uns entschieden, das Label eine Weile einschlafen zu lassen. Jetzt geht es wieder los.

Patric Scott – Do You Feel Me? (Sistrum Recordings)

David: Das klingt, als ob da jemand mit seinen Maschinen und ohne Midi losgejammt hat.

De:Bug: Das kann gut sein. Das ist ein neues Label aus Detroit, Sistrum Recordings.

David: Das Stück hat diesen Moodymann- und Theo-Parrish-Vibe. Die Sachen klingen oft nicht ausproduziert. Und manchmal muss man einfach trotzdem 18 Euro für eine einseitig bespielte Maxi, die grauenhaft klingt, ausgeben (lacht). Die arbeiten eben nicht mit Computern. Ich denke, sie sind immer mehr auf das Gefühl aus, den nicht reproduzierbaren Vibe einer Session. Darum geht es.

De:Bug: Wie sehr hat sich der Produktionsprozess für euch eigentlich verändert, seitdem ihr nicht mehr zusammen im Studio sitzt?

David: Es hat eine Weile gedauert, bis wir uns daran gewöhnt haben. Es gab einige Aspekte, bei denen ich auf ihn angewiesen war und umgekehrt einige, bei denen er auf mich angewiesen war. James war zum Beispiel immer sehr gut darin, Beats zu programmieren. Was das betrifft, war ich immer etwas faul, wenn wir zusammen gearbeitet haben. Dementsprechend war es eine Umstellung für mich, als ich jetzt alleine im Studio saß. Aber ich würde gerne mal wieder mit ihm zusammen ins Studio gehen. Ein Problem ist, dass er gerne tagsüber arbeitet, während ich lieber nachts im Studio sitze.
http://www.swayzak.com

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.