Im House mit Ali und Basti Schwarz aus De:Bug 113


Die Brüder Ali und Basti Schwarz sind dicht auf den Versen von Paul van Dyk – zumindest was den Elitestatus bei der Lufthansa angeht. Die ständig jettenden DJs feiern ihr 10-jähriges Dienstjubiläum, setzen weiterhin rigoros auf House und freuen sich über die Widerkehr von Strictly Rhythm.

Doobie Brothers – What a fool believes (Warner)

Basti: Oh, passend zum Wetter.

Ali: Wunderschönes Stück. Aber ich komme nicht darauf, was es ist. Ich würde mal sagen … Mitte Achtziger.

Debug: Das sind die Doobie Brothers. Ende der Siebziger kam das raus.

Basti: Sommer, Sonne, Sonnenschein.

Ali: So was sollte man viel öfter hören. Das ist gut fürs Gemüt.

Konk – Your life (Sleeping Bag)

Ali: Das kenne ich doch auch. Dieses Sample. Das kenne ich aus alten HipHop-Tracks.

Basti: Das animiert zum Ausdruckstanz … so langhaarige Zottler … (lacht)

Ali: Ich hab keine Ahnung, was das ist.

Debug: Das sind Konk.

Ali: Echt? Von denen habe ich auch eine Platte zu Hause. Aber erkannt hätte ich das niemals. Sehr discomäßig. Das hat doch bestimmt der Headman schon in den Fingern gehabt. Das passt total gut zu seinem Label Relish. Könnte mir vorstellen, dass das genau sein Ding ist.

Debug: Seit ihr eigentlich in England mal mit der New-Rave-Szene in Berührung gekommen?

Ali: Einmal. An Sylvester. Da hab ich mit den Klaxsons zusammen aufgelegt. Allerdings waren die schon weg, als ich ankam. Das war de einzige Berührung, die wir hatten und die wir auch wollten. Mit New Rave kannst du mich jagen. Ich find die Idee gut, weil es einfach aus der Kunst kommt, speziell die Klaxsons sind ja ein reines Kunstprodukt. Was brauchen wir für ein Genre? Ach ja, nehmen wir mal ein bisschen Rave und blasen das auf. Auch mit den Klamotten funktioniert das ganz gut. Als künstlerischer Ansatz. Aber mit der Musik kannst du mich jagen. Das ist mir zu krachig, zu laut, zu übersteuert. Justice, Digitalism, eigentlich hätte das doch schon vor drei Jahren kommen müssen …, aber das ist ja alles Geschmackssache. Das ist wohl der Rock’n’Roll der Teenager. Als Neunzehnjähriger wäre ich da vielleicht auch Fan von. Die Modeaspekte, die da dranhängen, finde ich allerdings spannend.

Debug: Aber krachig und übersteuert seid ihr doch auch manchmal. Oder was spielt ihr zur Zeit?

Basti: House. Von Minimal bis klassischen Deep House. Da kann dann auch mal eine Plus-8-Platte mit reinrutschen. Als wir die 10-Jahre-Compilation zusammengestellt haben, sind wir auch wieder über einige fast vergessene Klassiker gestolpert. Ralphie Rosario zum Beispiel.

Ali: Den haben wir dann über Myspace kontaktiert, um einen Track zu lizenzieren. Der hat früher mal in Stuttgart bei einer unserer Mad-Dog-Partys aufgelegt und konnte sich noch an uns erinnern. Macht mal, meinte er. Das Label, auf dem die Platte erschienen ist, gibt es gar nicht mehr. Und die ganzen Verlagsangaben sind auch alle verschollen. Tempest hieß das Label. House ist für uns die Basis. Mehr denn je. Kein Electro, kein New Rave, kein gar nichts. Wir haben jetzt auch gerade einen Strictly-Rhythm-Mix gemacht. Aus der Anfangsphase von 1991 bis 1993.

Basti: Nee, umgekehrt, von 1989 bis 1991.

Ali: 1989 gab es noch gar kein Strictly Rhythm.

Bast: Echt, ich meine, ich hätte da ein paar Platten, auf denen 1990 steht. Aber ist ja auch egal. Wir haben auf jeden Fall einen Mix gemacht. Und die Masters At Work auch. Deren Mix kommt als erstes, und danach dann unserer.

Ali: Der Mark Finkelstein von Strictly Rhythm kommt im Zuge des Relaunches des Labels nach Deutschland. Eigentlich ist der ja Weltraumforscher. Oder Astrologe. Strictly war sein Hobby nebenbei. (lacht).

Debug: Er arbeitete an einem NASA-Projekt mit.

Convextion -Translucent Blue Display (AW Recordings)

Ali: Geht es jetzt nach Detroit? Das klingt sehr schön oldschoolig.

Basti: Das könnte auch auf Warp sein. Original 1989. Ich stehe auf so was, super Strahler. Morgens, wenn die Sonne aufgeht, die Leute noch mal ein bisschen fliegen lassen.

Ali: Sehr schönes Stück. Wer ist das?

Debug: Convextion.

Ali: Das ist eine von den Platten, die du nur erkennst, wenn du sie selber hast. Das könnte so wahnsinnig viel sein. So etwas könnte auch von Åme kommen, falls sie sich gerade in den Kopf gesetzt haben, einen bleepigen Techno-Track zu machen.

Debug: Die Flächen sind euch nicht zu plakativ?

Ali: Nein, die finde ich gut. Und plakativ kann ja auch hilfreich sein. Abgesehen davon gibt es ja auch kaum noch Stücke mit Melodien, sondern meistens nur mit ein, zwei Riffs, und da finde ich es dann ganz schön, wenn da mal ein paar Melodien rausdrängen.

Eddie Flashin Fowlkes – August 13th (Submerge)

Ali: Das könnte auch alles sein. Klassische House-Architektur. Die Strings, die Chords …

Basti: Ist das Aril Brikha?

Debug: Nein, dann wäre es wahrscheinlich um einiges tranciger. Aber es ist ein alter Recke mit neuem Album.

Ali: (lugt auf das Cover) Eddie Flashin Fowlkes!

Basti. Nee, echt?

Ali: Der macht auch einfach da weiter, wo er aufgehört hat. Es ist total spannend zu sehen, wie dieser Sound wieder an Aktualität gewinnt. Ich warte schon darauf, dass die Buffalos und die Schlaghosen wieder zurückkommen. (lacht)

Basti. Hoffentlich kommt das wieder (lacht). Das Rad dreht sich.

Booka Shade – Vertigo (Henrik Schwarz Mix) (Get Physical)

Ali. Sehr schön. Da könnte man jetzt auch mal gewagt behaupten, dass das von Ricardo ist. Das würde ich ihm auch noch zutrauen.

Basti: Finde ich auch sehr gut.

Debug: Das ist Henrik Schwarz.

Ali: Aber das ist nicht die ”Walk Music“, oder? Die ist nämlich auch ganz großartig.

Debug: Nein, es ist ein Remix von ihm für Booka Shade, der auf der “5 Jahre Get Physical”-Compilation ist. Was war eigentlich euer erster großer Remix? Wisst ihr das noch?

Ali: Meinst du den ersten erfolgreichen?

Debug: Der erste Remix, mit dem ihr sozusagen in die Oberliga aufgestiegen seid.

Basti: Das ging gleich von Null auf Hundert mit unserem Remix für Ultra Natés ”Free“.

Ali: Das haben wir damals, 1995 war das glaube ich, in Miami auf der Winter Music Conference auf der Masters-At-Work-Party gehört und waren total geflasht. Was ist das, was ist das?
Als wir dann wieder in Stuttgart waren, bekamen wir einen Anruf von Motor, die uns fragten, ob wir die neue Single von Ultra Naté remixen wollen. “Was, die Nummer aus Miami?”, haben wir geschrien. Das war total irre. Der Remix kam dann allerdings nur in Deutschland in die Läden, aber es war ein guter Einstieg.

Basti: Der erfolgreichste Remix war auf jeden Fall der für Spektrum auf Playhouse. Weltweit. Das war ein Hit. Das war für uns noch mal ein Startschuss.

Ali: Spektrum sind durch den Mix bekannt geworden. Sehr nette Band übrigens. Uns hat es auch was gebracht, aber es war ein bisschen das Phänomen wie bei Todd Terry und Everything But The Girl. Ein Hit, mit dem niemand so gerechnet hat und von dem dann vor allem die Band was hat.

Debug: Ihr habt jetzt ja auch euer eigenes Label gestartet.

Ali: Ja. Wir haben uns komplett von Four Music verabschiedet und machen jetzt alles zu dritt in Eigenregie. Das war uns auch ein Anliegen. Die 10-Jahre-Compilation ist jetzt unser erster Versuch auf dem CD-Markt. Wenn das klappt, dann wissen wir, dass wir es da auch alleine schaffen können. Denn nur Dance-Maxis für den Underground, davon kann man heutzutage auch nicht mehr leben. Das ist dann entweder reines Privatvergnügen, Networking oder ein Promotool, um Gigs zu bekommen. Geld verdienen kann man damit kaum noch. Die Wertigkeit von Musik hat sich total verändert in den letzten Jahren. Und da ist ja noch kein Ende der Fahnenstange abzusehen. Die Wertigkeit von einem Track ist ja heutzutage gleich null. Das ist fast tragisch. Da haben wir Glück gehabt, dass wir unser Standing zu einer Zeit gefestigt haben, als die alten Regeln noch gegolten haben. Wenn du heute als DJ oder Produzent anfängst, brauchst du einen mächtig langen Atem. Geld verdienen ist da erst mal nicht angesagt. Bin gespannt, wie das weitergeht.

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Elektronische Lebensaspekte.