Der Vibraphon-Fan Henrik Schwarz ist eine Ausnahmefigur. Mit seiner Mischung aus discofiziertem House und minimalem Soul-Techno steht er ziemlich allein da. Seine letzten Hits "Walk A Mile in My Shoes" und "Imagination Limitation" finden sich momentan in jeder Playlist wieder. Auf seiner gerade erschienenen DJ-Kicks lässt er sich in die Kiste gucken, welche Musik anderer Künstler ihm passt. Wir haben weitergebohrt.
Text: Sven von Thülen, Jan Joswig aus De:Bug 107

Sam Rivers – Tranquility (von: Crystals, Impulse 1974)

Debug: Geht dir so eine Flöte schon auf die Nerven?

Henrik Schwarz: Nein, das finde ich super. Die Platte würde ich sofort kaufen. Das könnte aus dieser Spiritual-Jazz-Szene in Chicago kommen. Allerdings ist das hier alles ein bisschen mehr unter Kontrolle. Deswegen würde es mich auch nicht wundern, wenn das Stück recht neu ist.

Debug: Das ist ein Ausnahmestück auf der Platte. Die anderen sind schon viel freier. Die Platte ist übrigens von 1974. Von Sam Rivers.

Henrik Schwarz: Finde ich super. Das ist genau das, was ich suche. Aber erstaunlich kontrolliert, das Ganze. Fast schon arrangiert. Was ja oft nicht so ist. Ich stell mir das immer so vor, dass die sich dann da mit einem Thema hinsetzen und umkreisen das dann, verdichten es oder lassen es für einen Moment wieder komplett zerfallen. Sehr spannend. Ich glaube, das Cover habe ich schon mal irgendwo gesehen. Das kommt mir bekannt vor. Ich bin ja eher visuell orientiert.

Debug: Wie läuft das eigentlich, wenn du mit dem Ethnic Heritage Orchestra aus Chicago zusammen spielst? Hast du vorbereitete Loops, die du dann aus dem Rechner abspielst?

Henrik Schwarz: Ja, zum Teil. Ich war selber sehr überrascht, wie gut das letztlich alles funktioniert hat. Als ich da hingefahren bin, hab ich mir auch Sorgen gemacht, dass die mich auslachen, wenn sie mein Powerbook sehen, und mich direkt wieder nach Hause schicken. Das war aber überhaupt nicht so. Ich hab denen dann gesagt, dass ich mit meinem Rechner tempomäßig nicht so flexibel bin und es wahnsinnig schwierig für mich ist, mich ihrem Tempo anzupassen. Da haben die mich nur ungläubig angeguckt und gesagt: ”Hey, wir sind Musiker. Wir hören das.“ (lacht) Und es hat super funktioniert. Wir haben auch zwei Konzerte zusammen gespielt, bei denen ich mich auch mal ganz ausgeklinkt habe und sie dann angefangen haben, ganz frei zu spielen. Dabei ging das Tempo nach oben. Und wenn ich irgendwann mit einer Hi-Hat wieder eingestiegen bin, haben die das sofort gehört und sich wieder auf mein Tempo eingegroovt. Das eierte vielleicht einen kurzen Moment, aber dann ging das wieder voll ab. Wie in einem Set von Jeff Mills. (lacht) Das hat echt Spaß gemacht.

Dollar Brand – Anthem for the new Nation (von: African Marketplace, Elektra 1980)

Henrik Schwarz: Die ganzen Hörner klingen so ein bisschen James-Brown-mäßig. Den Groove da im Hintergrund finde ich total spannend. Das Saxophon im Vordergrund ist auch okay, aber der Groove macht es hier für mich.

Debug: Konntest du mit dem Stück davor mehr anfangen als mit dem hier?

Henrik Schwarz: Das davor liegt mir mehr. Wobei ich solche Sachen vor allem immer unter der Fragestellung höre, ob ich dadurch eine Idee für etwas Eigenes bekomme. Aus der Platte davor könnte ich wahrscheinlich, sagen wir mal, zehn Ideen ziehen und aus der hier zwei. Ich finde das aber immer super, wenn ich aus einer Platte überhaupt etwas herausholen kann. Und die jetzt gehört auch dazu. Diese ganzen Groove-Parts finde ich total spannend. Und das Saxophon-Solo ist auch okay. Das ist ja nicht Kenny G. Oder etwa doch?

Debug: (lacht) Nein, nein, das ist Dollar Brand oder auch Abdullah Ibrahim. Ein Jazzer aus Südafrika, der in England im Exil diese Platte gemacht hat. 1980.

Dave Pike Set – Suspicious Child (von: Infra-Red, MPS Records 1970)

Debug: Wo fängt denn bei dir die Cheesy-Grenze bei Jazz an?

Henrik Schwarz: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Hier ist sie möglicherweise erreicht. (lacht) Das ist aber auch immer sehr verschieden. Hier frage ich mich gerade, ob mir das reicht. Ich glaube nicht.

Debug: Was meinst du damit?

Henrik Schwarz: Ob es etwas Neues in mir auslöst. Das Stück würde mich nicht stören und ich find’s okay, aber ich muss jetzt nicht gleich losrennen, um selber Musik zu machen.

Debug: Du bist kein Vibraphon-Fan?!

Henrik Schwarz: Doch, total. Wahrscheinlich wäre das das Instrument, das ich hätte lernen sollen. (lacht) Es liegt genau zwischen Schlagzeug und Klavier. Das reizt mich eigentlich total. Vielleicht muss ich das irgendwann doch noch mal machen. Aber ich glaube, es ist ganz schön schwierig. Roy Ayers hat mal die Geschichte erzählt, wie er zum Vibraphonspielen gekommen ist. Wie war das noch …? Er war als kleiner Junge auf irgendeinem Konzert und hat von, …. irgendso ein großer Name …, die Stöcke in die Hand bekommen. Wer war das noch? Ich weiß es nicht mehr. Er erzählte auf jeden Fall, dass er auch irgendwann mal nach einem Konzert einem Kind seine Stöcke gegeben hat, das in der ersten Reihe saß. Ich war leider nicht derjenige. (lacht)

Debug: Warst du denn als Kind mal auf einem Roy-Ayers-Konzert?

Henrik Schwarz: Nein, nicht mal das. Das Label hier sagt mir übrigens was – MPS. Deutscher Jazz. Auch ein schickes Cover. (lacht) Hoffentlich denke ich das nicht auch irgendwann über das Violett, das ich für das Cover meiner DJ-Kicks-CD genommen habe.

Sound Stream – Makin Love (Sound Stream)

Henrik Schwarz: Am Anfang dachte ich kurz, das könnte aus der Ashley-Beedle-Ecke kommen. Finde ich ganz cool, aber ich habe das Gefühl, dass ich zu viel Sample-Loop höre. Ich weiß nicht genau, wie alt die ist …

Debug: Die ist brandneu.

Henrik Schwarz: Ich wollte gerade sagen, ich fänd’s okay, wenn die Platte so aus der Zeit wäre, wo man in England House sehr flächig und aus Loops mit ganz viel Hall gebastelt hat. Heutzutage könnte man da ein bisschen weniger Loop-orientiert rangehen.

Debug: Also mehr Hall und den Track auf 1996 zurückdatieren, dann fändest du ihn cool.

Henrik Schwarz: So in etwa. Aber ich finde ihn auch so schon ganz cool. Wobei jetzt kommt noch mehr von dem dazu, was ich nicht so mag. Zumindest von heute aus gesehen. Das ist mir ein bisschen zu offensichtlich. Zu sehr Disco-Filter-House. Damals hätte ich das großartig gefunden. Auch dieser Break jetzt, das ist alles schon cool, aber vielleicht könnte man das heute ein bisschen radikaler machen. Der Beat könnte vielleicht ein Fünkchen dezenter sein.

Debug: Das ist die neue Sound-Stream-Maxi. Ich mach mal die A-Seite an.

Sound Stream – Love Jam (Sound Stream)

Henrik Schwarz: Yeah, das ist geil. Das funktioniert immer. Einfach rein in die Fresse. Das geht an das Thema irgendwie anders ran. Super fett. Ich glaube, ich werde gleich noch zu Hardwax fahren. Die Bassdrum ist auch so schön dreckig. Ich mag vor allem diese Keys. Ganz großartig. So ein Track wird nie alt. Das ist auch der Unterschied zu der anderen Seite, die man so ganz klar zeitlich zuordnen kann. Bei dieser Seite ist das nicht so eindeutig. Könnte alt sein, oder auch aus der Zukunft. Die Filter sind auch toll.

Jeff Mills – The Clairvoyant (Purpose Maker)

Debug: Lustig, wo ich jetzt die Percussions hier höre, erinnert mich das total an deinen Track mit Jesse Rose.

Henrik Schwarz: Mich auch. Klingt echt genauso. Wahrscheinlich der gleiche Synthie. Ist das Jeff Mills?

Debug: Ja.

Henrik Schwarz: Grundsätzlich stehe ich ja eigentlich fast immer auf das, was er macht. Aber in letzter Zeit ist irgendetwas mit dem Bass beim ihm passiert, habe ich so das Gefühl. Obenrum ist immer noch alles da, voll Hektik und Alarm, aber untenrum hab ich das Gefühl, dass da früher mehr Funk war. Die Bassline wäre da ein bisschen anders gewesen. Im Club rockt das wahrscheinlich trotzdem. Finde ich ganz cool, aber für mich ist diese 7″-Serie ”Contact“, die vor einer Weile rauskam, das Maß der Dinge. Das war endlich mal wieder Mills, wie ich total drauf abfahre. Da hatte ich das Gefühl, die Musik hat noch mal das nächste Level erreicht. Da hast du das, was du hörst, und dann all die Melodien, die während des Hörens in deinem Kopf entstehen. Da wird es für mich dann auch sehr Free-Jazz-mäßig. Was ich hier jetzt nicht so raushören kann.

Jewel Ackah – Wayi Me Ama (von: Supa Pawa, Kokay Inc)

Henrik Schwarz: Hammer!

Debug: Da kommst du doch bestimmt auch sofort auf die ein oder andere Idee.

Henrik Schwarz: Nein, das haut mich einfach nur um. Das besteht eigentlich aus nichts, ist dabei aber irre komplex. Das finde ich brutal gut.

Debug: Hast du dich schon mal um afrikanische Musik gekümmert?

Henrik Schwarz: Ja, aber auf demselben Level wie bei allen anderen Sachen. Wenn ich etwas höre, das mir gefällt, kaufe ich mir das, aber ich stöbere nicht endlos herum. Ich mag das viel lieber so wie jetzt, dass man zusammensitzt und sich Platten vorspielt. Ich glaube, wenn man prinzipiell offen ist, kommen die guten Platten sowieso zu einem. Da ist es egal, ob das heute ist oder erst in zehn Jahren.

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Elektronische Lebensaspekte.

Margaret Dygas ist zurzeit mit Heidi der neue weibliche DJ-Stern am britischen Minimal-Firmament. Als DJ-Aushängeschild für das Label Underline ist sie auf dem besten Weg, den Kontinent zu erobern.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 105

Konrad Black – Coma Couch Surfing (Items And Things)

Margaret Dygas: Konrad Black! (lacht) Ich liebe Todd. Auf welchem Label kommt der Track raus?

Debug: Items And Things, dem Label von Magda, Troy Pierce und Marc Houle.

Margaret: Sehr cool. Mit schönem Oldschool-Touch. Am Strand oder auf einer Pool-Party. Es hat diesen leichtfüßigen, atmosphärischen Vibe. Sehr Open-Air-tauglich. Kann ich einfach sagen, dass ich den Track mag? I like it, i will buy it, i will play it. Das ist mein Minimal Comment (lacht). Gut gemacht, Konrad! Jetzt mach mal die neue Monolake-Platte an, die du vorhin gekauft hast.

Monolake – Alaska (Imbalance Computer Music)

Margaret Dygas: Monolake ist auch einer meiner Favoriten. Ich kaufe mir eigentlich jede seiner Platten. Die hier ist wieder sehr dark. Aber gleichzeitig sehr deep. Deepness with a darkness, wie ein Freund von mir immer sagt. Etwas für den großen dunklen Techno-Floor. Sehr gut. Danke, nächste! (lacht)

Onur Özer – Twilight (Matthias Kaden Remix) (Vakant)

Margaret Dygas: Das fängt gut an. (fängt an mitzuwippen) Ja, das ist genau meine Kragenweite. Sehr cool. Die Platte ist noch auf Promo, oder? Was ist das?

Debug: Ein Matthias-Kaden-Remix für Onur Özer. Auf Vakant.

Margaret Dygas: Ah, okay. Ich habe die Maxi mit dem Original drauf. Der Remix ist noch ein Tick subtiler. Irgendwie sprudelnd, wenn du verstehst, was ich meine. Die Sounds …
Den Track würde ich auf jeden Fall spielen. Sehr bassig, das mag ich. Aber ehrlich gesagt, müsste die Platte auch wirklich fürchterlich sein, bevor ich etwas in die Richtung sage. Jeder, der Musik produziert, steckt da ja sein Herz und seine Leidenschaft rein, wer bin ich zu sagen, dass das große Scheiße ist. Ich mag einen Track oder nicht, aber ich fühle mich nicht wohl dabei, Musik anderer zu verreißen. Ich hoffe, das läuft dem Sinn unseres Treffens nicht zuwider!?

Pom Pom – Ruhe Im Unterholz (Nursing Home)

Margaret Dygas: Jetzt willst du mich herausfordern und etwas aus mir herausquetschen, oder? (lacht)

Debug: Nein, nein. Ich habe die Platte auch noch gar nicht gehört.

Margaret Dygas: (räuspert sich) Also hier, ganz ehrlich, ist mir zu viel los im Track. Das finde ich etwas anstrengend, wie der Track so vor sich hin stampft. Die Sounds, die hier benutzt worden sind, hören sich in meinen Ohren einfach nicht gut an. Ich mag ja Sachen und Sounds, die elektroid sind, aber dann nicht so stur nach vorne marschierend.

Lawrence – Unserious Takeouts No.1 (Dial)

Margaret Dygas: Das ist die neue Platte auf Dial, oder? Die habe ich vorhin im Plattenladen schon gehört. Habe sie stehen gelassen, weil sie mich nicht so richtig berührt hat. (überlegt kurz) Ich glaube, jetzt würde ich anders entscheiden und sie mitnehmen. Weißt du, in Berlin hat man viel mehr Möglichkeiten, solche Tracks zu spielen. In London ist das nicht möglich. Es gibt da keinen Ort wie zum Beispiel den Club der Visionäre. In London muss es rummsen. Durch meine Besuche und Gigs hier in Berlin habe ich so viel über das Auflegen neu gelernt. Man spielt lange Sets und man kann auch mal richtig runterfahren und solche Tracks hier spielen. Vielleicht ist das nur meine Außenwahrnehmung, aber ich habe das Gefühl, dass die Leute hier offener sind. Vielleicht stecken sie auch einfach mehr in der Musik als in London. Es gibt diesen Vibe nicht in London. Mit solchen Platten enden bei uns die Nächte normalerweise.

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Elektronische Lebensaspekte.

Der gebürtige Venezuelaner Argenis Brito singt nicht nur bei Sénor Coconut, sondern ist auch als Produzent knackig melodischer Minimal-Tracks (mit Mambotour oder seit neuestem auch solo) immer auf der Höhe. Aber er kann auch noch ganz andere Geschichten aus dem Hut zaubern. Dazu mehr in der nächsten Debug. Hier hört er seinen Kumpels von Perlon über die Schulter. aus De:Bug 102


Baby Ford & Zip – Morning Sir (Perlon)

Argenis Brito: Das find ich super. Dark, leicht dubby, schöner Groove, coole Bassline, minimal. Ich bin immer wieder überrascht, wie langlebig Minimal doch ist. Seit ein paar Jahren branden ja immer mal wieder Prophezeiungen auf, die das bevorstehende Ende von Minimal vorhersagen. Aber bis jetzt hat sich der Sound immer wieder weiterentwickelt. Und das hier ist Minimal in seiner pursten Form: nur Groove, keine Melodien. Sehr Afterhour.

Debug: Weißt du, was das ist?

Argenis: (grinst) Äh ja, ich hab das CD-Cover gesehen. Ich mag das wirklich. Ich wusste gar nicht, dass Zip so eine dubbige Seite hat. Sehr schön. Wie ist denn der Dandy-Jack-Track? Ich liebe die Musik von Dandy Jack …

Dandy Jack & The Third Leg – Ixchel (Perlon)

Argenis Brito: Ist das ein Track von seinem Album? Das hab ich nämlich noch gar nicht so richtig durchgehört. Ich hatte bis jetzt nur die Chance, einzelne Teile daraus zu hören.

Debug. Nee, das ist ein exklusiver Track für die Compilation.

Argenis Brito: Gefällt mir. Auch hier ein sehr cooler Groove. Sehr rhythmisch. (lacht) Dandy Jack & The Third Leg … super Name. Jetzt will ich noch den Track von Luciano hören.

Luciano – Blake Purple Frase (Perlon)

Argenis Brito: Hm, diese Percussionsounds, die im Hintergrund so rumdängeln, sind typisch Luciano. Sein Trademark, daran kann man seine Sachen immer erkennen. Der Track hier ist aber sehr verspult, sehr abstrakt. Normalerweise baut er seine Stücke ja sehr langsam auf, viele kleine rhythmische Verschiebungen, aber ansonsten passiert ganz lange nicht viel. Sehr hypnotisch, den Höhepunkt lange hinauszögernd. Und wenn man so richtig in den Track abgetaucht ist, wirft er eine Hookline hinein. So nach sechs Minuten. Wenn man das gut macht, kann man damit auf dem Dancefloor frenetische Reaktionen herauskitzeln. Und meist macht er das gut. Wie bei ”Orange Mistake“ auf Cadenza. Hier ist er allerdings ganz auf diese schrägen Synthiesounds eingeschossen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das auf dem Floor funktioniert, dafür ist es vielleicht ein bisschen zu anstrengend. Soll es aber wahrscheinlich auch gar nicht. Es scheint kein schlechter Track auf der Compilation zu sein. Bei dem Line-Up ja auch kein Wunder.

Disco Mafia – Bodies (Krikor Sweat Pony Mix) (Proptronix)

Argenis Brito: Die Sample-Library hab ich auch. Randvoll mit Sounds aus den Hanna Barbara Comics. Die amerikanischen Zeichentrickserien aus den Sechzigern, weißt du? Die Flintstones und Scooby-Doo waren unter anderem von denen. Wenn die Figuren in den Comics zum Beispiel hochspringen und wegrennen, daher kommen diese verspielten, lautmalerischen Sounds. Ich habe die Library irgendwann mal Uwe (Atom Heart) gegeben. Der fand die super und hat daraus auch einen Track gemacht. Ich hab den Namen jetzt leider vergessen. Von wem ist das?

Debug: Krikor aus Paris.

Argenis Brito: Ah, okay. Auf jeden Fall sehr albern. Auf diesen Humor muss man stehen. Ich find’s zwar ganz lustig, aber ich glaube nicht, dass ich mir die Platte kaufen würde oder das ich mir das zu Hause anhören würde.

nike.boredom – R&B&E Part 2 (Dial)

Argenis Brito: Der Track fängt sehr schön an. Der Groove ist fast schon ein wenig latin-mäßig. Von wem ist das?

Debug: Das ist eine neue Dial-Platte.

Argenis Brito: (schmunzelt) ”Music For Non-Existing Dancefloors“. Schöner Titel. Passt auch gut zur Musik. Wie sind die anderen Stücke?

nike.boredom – Babel (Dial)

Argenis Brito: Sehr schöne, feine Texturen. Die Platte könnte auch auf Labeln wie Non Place oder vielleicht auch Future Dub oder Scape sein. Schöne warme Sounds. Sehr abstrakt. Musik, die wie gemacht ist für Visuals, in denen viel mit geometrischen Formen gearbeitet wird. Sehr clickrig und dubby. Ich mag das. Kommt ein bisschen wie eine Konzept-Platte daher – arty. Aber gut.

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Elektronische Lebensaspekte.

Christopher Bleckmann und Hannes Werner bilden eine der produktivsten deutschen Musikerehen der letzten Jahre. Ihre Misc-Tracks sind aus keinem Club wegzudenken und auch Depeche Mode lassen sich gerne von ihnen Remixen.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 98

Edison Carter – Life at Night (Technoiraudio Special Projects)

Christopher: Ist der Pitch oben oder ist das die Originalgeschwindigkeit?

De:Bug. Das ist die Originalgeschwindigkeit.

Hannes: Christopher, wir sind hier, um die Musik zu kommentieren. Also hör auf, in der ”Beam me up“ zu lesen.

Christopher: (schaut auf): Ja, ja, ich weiß.

Hannes: Dub kommt wirklich zurück.

Christopher: Im Hintergrund spielt auch so eine Banjo-artige Gitarre.

Hannes: Das ist post-balearisch.

Christopher: Tja, man wartet jetzt so ein bisschen darauf, dass etwas passiert. Es gibt keinen Break? Hm, okay …

Hannes: Ich denke, dass ist die Art von Techno, die mich im Moment nicht interessiert. Sehr schnell, keine vernünftige Bassline und Dub-Stacks.

Christopher: Ich hätte ja gedacht, dass da jetzt noch so eine Reese-Bassline reinkommt, so Kanzleramt-mäßig ”möööääääähhh“. Aber passiert leider nicht. Hier gibt’s nur eine dicke Kickdrum.

De:Bug: Wollen wir mal hören, was die B-Seite so kann?!

Hannes. Das ist ja genau dasselbe Pattern. (wedelt lachend mit der Hand) So, abgehakt.

Christopher: Die haben sich verpresst (lacht).

Hannes: Nee, mal im Ernst. Das ist schon sehr ähnlich.

Christopher: Klassisch eben. Einfach eine 909, fertig. Wahrscheinlich direkt aus der Maschine und nichts mehr dran gemacht. Sehr oldschool. Aber wieder warten wir auf die Bassline.

Hannes: Da ist doch so ein kleiner Sinus-Bass.

Christopher: Allesamt auf jeden Fall Tools. Wer viel damit rummixt, der hat da vielleicht seinen Spaß mit.

Richie Hawtin – D9 Transitions (Novamute)

Christopher: (hört auf) Ah, ein darkes Monster.

Hannes: Das ist von der Produktion gleich viel präsenter.

Christopher: Ja, aber dieser darke Drone da im Hintergrund ist schon sehr hart. Der macht einen im Club bestimmt total fertig. (schmunzelt) Wenn man druff ist, kommt das bestimmt super. Für zu Hause wäre mir das zu dark.

Hannes: Ich glaube, das hier will gar nicht zu Hause gehört werden. Das ist ja echt totale Tripmusik. Wenn ich das im Club höre, finde ich das gut. Es dürfte vielleicht noch einen musikalischen Impuls mehr geben, aber vielleicht kommt der ja noch … scheint ja ewig lang zu sein. Ricardo-Villalobos-Länge. Hat der Produzent dieses Stückes sein Studio in der Schönhauser Allee?

De:Bug: Kann sein, so genau weiß ich das gar nicht.

Christopher: Woher kenn ich denn diese Bleeps noch mal? Ich bin wirklich schlecht im Erkennen von Tracks.

De:Bug: Die Bleeps sind von Sleeparchive.

Hannes: Und die Platte ist von Hawtin oder was?

De.Bug: Ja.

Hannes: Das ist jetzt also eine Auskopplung aus dem Transitions-Mix. Angeblich soll da ja auch irgendwo etwas von uns mit drauf sein. Na ja, wer’s raushört … Das war auf der letzten CD auch schon so, da waren Teile von unseren Niederflur-Tracks mit drauf. Gehört hab ich davon aber nichts. Dieser Editierungswahnsinn ist schon sehr abgefahren. Ich verstehe zwar nicht ganz, wie man zu diesem Ansatz kommt, aber ich finde cool, dass es passiert.

Alter Ego – Daktari (Matt John Remix) (Klang)

Christopher: Das finde ich witzig. Es klingt, als würde man auf einer Drummachine immer auf ”Skipback“ drücken … (singt mit) … damm dada damm dada damm.

Hannes: (lacht) Das ist schon herausfordernd für den Drufftänzer. Diese sich verändernde Rhythmik, das ist schon krass.

Christopher: Sehr triolisch. Eine totale Verweigerungsplatte mit einer gewissen Fröhlichkeit. Sehr schön. Der Track hat schon diesen Groove, auf den man total abgehen kann, aber es kommt nichts Grades mehr rein. So hintenrum eingebremst, aber trotzdem tanzbar.

De.Bug: Das ist der ”Daktari“ Remix von Matt John.

Hannes. Was? Wirklich? Der ist wirklich gut. Ist auf der anderen Seite noch ein Remix drauf?

De:Bug. Ja, aber nicht von ”Daktari“.

Christopher: (lacht) Nochmal ”Rocker“, aber dieses Mal von Rammstein. Das wäre es doch, so super monumental. Mit Vocals.

Hannes: (grunzt) ROK-KER!

(Gelächter)

Christopher: Die Synthielines und so, das könnte man alles benutzen.

Hannes: (grinst) Ich weiß nur nicht, ob Jörn und Roman das so lustig fänden.

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Elektronische Lebensaspekte.

Der Kanadier Daniel Gardner zerlegt als Frivolous die gängigen Minimal-Schemata und setzt sie zu betörenden Ohrwürmern wieder zusammen. Wir haben ihm ein paar Platten zur verbalen Zerlegung vorgespielt ... aus De:Bug 97

Beckett & Taylor Let’s smash up our love – (Soundslike)

Frivolous: Ja ja ja, was ist das noch mal, ich kenne das. Hab ich das nicht gestern gehört? Hm, nichtsdestotrotz hab ich keine Ahnung, wer das sein könnte. (Frivolous entdeckt das Cover und prustet los.) Genau, das ist die neue Soundslike. Von diesen zwei Typen …

Debug: Beckett & Taylor.

Frivolous: Ja genau. Cool. Ich hab den Track im Netz gehört. Ich mag das. Ein großer Schritt für Soundslike wieder hin zu etwas funktionalerer Musik. Ehrlich gesagt hab ich das auch im Netz gelesen. Und jetzt, wo ich die EP höre, kann ich das nur bestätigen. Von wem sind denn bloß die Vocals? Sie haben diese seidige weibliche Qualität, die auch Dani Siciliano hat.

Debug: Steht hier irgendwie nicht auf dem Promozettel …

Frivolous: Das ist ungewöhnlich für Soundslike, aber was soll’s. Mach mal die B-Seite an.

Debug: Hier gibt es eine Tongue-in-cheek-Version von einem Paul-Johnson-Track …

Frivolous: Echt? (hört mitwippend zu) Ja, das ist auch cool. Ich mag, das die Umgebung, in der der Track aufgenommen wurde, mit einbezogen ist – das man den Produzenten reden hört und so. Das man ein Gefühl dafür bekommt, wie der Track entstanden ist. Seit Ewigkeiten klingt elektronische Musik ja ziemlich losgelöst von irgendeiner Realität, in der die Musik produziert wurde. Paul Johnson höre ich allerdings nicht so recht.

Ricardo Villalobos (Cadenza)

Frivolous: Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Ich bin, glaube ich, einfach nicht so gut informiert. Es gibt so viel Musik, und trotzdem gefällt mir nichts davon. Plattenkaufen habe ich auch schon so gut wie aufgegeben, weil ich meist über Stunden im Laden stehe und im Endeffekt eine Platte kaufe – meist aus Mitleid für den Ladenbesitzer. Wie konnte ich nur so ein eigenwilliges Ohr entwickeln? (Seine Aufmerksamkeit wendet sich dem laufenden Track zu.) Ich hab keine Ahnung, was das ist. Sehr schön, aber nicht sehr funktional auf dem Dancefloor. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, wo man das spielen soll.

Debug: Das ist die neue Platte von Ricardo Villalobos auf Cadenza.

Frivolous: (erstaunt) Echt? Ich habe letzte Woche zusammen mit ihm im Fabric in London gespielt, und das, was er da aufgelegt hat, hatte so gar nichts mit diesem Sound hier zu tun. Scheinbar bewegt er sich als DJ in einer ganz anderen Welt als als Produzent. Zumindest wenn er für einen Haufen Engländer spielt. Aber um seine Musik richtig genießen zu können, müssten wir die Anlage richtig aufdrehen, damit der Bass seine Wirkung entfalten kann. Ich habe bis jetzt allerdings ehrlich gesagt weder seine Produktionen wirklich verstanden, noch warum seine Tracks so viele Leute ansprechen. Ricardos Tracks haben immer diese verschwommene, mehrdeutige Aufregung, die so gar nicht in your face ist. Das finde ich sehr faszinierend. Wie sich die Tracks entwickeln. Das hier ist fast schon wie Autechre, ein ganzer Reigen an abstrakten Melodien. Meistens starten Produzenten eher abstrakt und experimentell, um dann, mit der harten Realität konfrontiert, zugänglichere Tracks zu machen. Bei Ricardo scheint es genau andersherum zu laufen. Für mich ist Musikmachen immer auch eine sehr psychologische Angelegenheit und ich mache mir viele Gedanken darüber, wie die Leute wohl auf dem Dancefloor auf meine Tracks reagieren würden. Das ist schon fast zur Obsession geworden. Ricardo scheint sich um so was beim Produzieren gar nicht zu kümmern. Das ist cool.

Manmadescience – Shadowchaser (Soul.Phiction Edit) (Philpot)

Frivolous: Das hört sich sehr nach Detroit an. Moodymann, Theo Parrish. Schwer zu mixen für den DJ ist es auch, das ist gar nicht quantisiert. (sieht das Cover) Ist das eine Philpot-Platte? Das macht Sinn. Klingt sehr amerikanisch. (Vocal-Breakdown) Oh ja, ich mag das. Ich hab immer ein paar Platten wie diese in meiner Plattenkiste. Wow, der Sound ist so gar nicht komprimiert, it’s all over the place. Eine Menge Dynamik in den Frequenzen, vor allem dem Bass. Oder liegt das hier an der Anlage? Hört sich ein bisschen wie ein Alptraum für einen Live-Engineer an (lacht).

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Elektronische Lebensaspekte.

Seth Troxler gehört zu der neuen, jungen Detroiter House-Generation. Zusammen mit Omar S betreibt er FXHE Records, wo er auch unter dem Namen Young Seth veröffentlicht. Wir haben seinen Berlin-Urlaub zum Anlass genommen, ihm ein paar Platten vorzuspielen. aus De:Bug 95

Vivanco – Las Velas EP (Kahlwild 002)

Seth: Das ist sehr cool. Ein gutes DJ-Tool. Skip mal vor. (lauscht) Wie gesagt, ein gutes Tool, aber nichts, was einen sonderlich ergreift. Im Club wird das definitiv funktionieren. Aber das ist keine EP, die ich meinen Freunden zu Hause vorspielen würde, ihr fehlt so ein bisschen die Präsenz. Kaufen würde ich sie mir wahrscheinlich trotzdem. Hört sich sehr nach Köln an.

Debug: Sie ist aus Köln. Das ist die neue Kahlwild. Ein Sublabel von Platzhirsch.

Seth: Das hört man sofort.

Shinedoe (Intacto 001)

Seth: Pitch die Platte mal runter …. (wippt mit dem Kopf). Ja, das ist cool. Was ist das?

Debug: Shiendoe. Eine Produzentin aus Amsterdam, glaube ich.

Seth: Skip mal vor, jetzt wird es langweillig. Das fing so vielversprechend an und dann ist der Track in diesem Loop hängen geblieben. Wenn man mit drei Plattenspielern auflegt, dann ist es cool, so einen Track über die anderen beiden zu legen. Mach mal die andere Seite an.

gesagt, getan

Seth: Die Bassline ist sehr schön. Die Seite gefällt mir besser. Ein bisschen deeper, düsterer. Ein schwarzer Raum ohne Licht. Im Club auf einer guten Anlage kommt die bestimmt massiv. Ja, die würde ich mir kaufen.

V/A – In the Dark (The Soul of Detroit) (Still Music)

Seth: Was ist das? Das ist super. Beatdown, you know. (zögert) Hmm, ich kenne das. Oh ja, das ist die Still Music Compilation. Einige großartige Jungs aus Detroit sind da drauf. Mike Huckaby zum Beispiel oder Keith Worthy, ein ziemlich guter DJ, der eine Menge Sachen aus New York spielt. Body & Soul Style. (klopft begeistert die Bassline mit) Ja, das sind super Tracks. Beatdown, Mann. Das ist der Sound der Stunde. Ich hoffe, die Compilation verkauft sich gut. Ich weiß allerdings nicht, wie viele Leute auf diesen Beatdown-Stil abfahren.

Debug: Beatdown?

Seth: Ja, das ist der Name, den sie bei uns in Detroit diesen neuen deepen House-Tracks gegeben haben. Die Stücke sind sehr langsam, 118 bis 120 bpm. Sehr reduziert. Die Beatdown-Jungs spielen auch eine Menge Minimal-Techno, wie zum Beispiel Sleeparchive oder auch Sten und Lawrence, nur runtergepitcht. Langsam. Das ist der neue House-Sound in Detroit. Wenn man die Tracks langsam spielt, grooven sie oft viel besser. If it’s too fast you can’t make an emotional experience with the music. Und gerade diese warmen Sounds von so jemandem wie Lawrence entfalten sich in diesem anderen Kontext ganz anders. Die Beatdown-DJs mixen das alles mit alten Disco-Platten und klassischem Deep House. Da siehst du dann auch fast nur Schwarze. Und das Durchschnittsalter ist viel höher. Meine Eltern gehen zum Beispiel auf Beatdown-Partys.

Lopazz – Child of Dance (Compost Black Label)

Seth: Nice. (fängt an, die Bassline mitzubrummen) Ja, das ist super. Die Bassline ist schön hynotisch. Der Detroit-Einfluss ist unüberhörbar, würde ich sagen. Ganz großartig. Wie das Vocalsample ganz unterschwellig im Track arbeitet, ist super. Und die Strings, wow. Das ist ein Hammer-Track. (begeistert) Anthem! The Bass is just grinding, man. Von wem ist das?

Debug: Lopazz.

Seth: Oh okay. Ich liebe die Sachen von ihm. Der benutzt wahrscheinlich auch nur analoges Equipment, oder? Es gibt den Tracks einfach einen viel menschlicheren Touch. Bei Omar S im Studio müssen wir jede Clap auch selbst einspielen. Er hat zwar seine Drumcomputer mit den Patterns, aber die benutzt er nicht. Es gibt den Tracks so ein Off-Feeling, weil man nicht die ganze Zeit im Takt ist.

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Elektronische Lebensaspekte.

Eddie Flashin Fowlkes, Detroit-Legende der ersten Stunde und selbst ernannter Godfather des Technosoul, hat gerade sein eigenes Magazin "Deepgroove" gestartet und mit uns in ein paar frische Platten reingehört.
Text: sven aus De:Bug 94

Alton Miller – Clouds are gone (Henrik Schwarz Remix) (Deeper Soul)

Eddie Fowlkes: Von wem ist der Track?
Debug: Ich glaube, du kennst den Produzenten von der Platte persönlich. Wenn ich es richtig gesehen habe, hat er auch in deinem Fanzine was geschrieben.
Eddie Fowlkes: Hm, okay. Ich überlege gerade, wer aus Detroit solche Chords spielen kann. Von denen, die für mein Magazin Deepgroove geschrieben haben natürlich. (Denkt nach.) Das kann eigentlich nur Alton sein …
Debug: Richtig.
Eddie Fowlkes: (stuzt) Das ist von Alton Miller?
Debug: Ja.
Eddie Fowlkes: (ungläubig) Das ist echt von Alton Miller?
Debug: Ja. Aber in einem Remix von Henrik Schwarz.
Eddie Fowlkes: Okay. Heutzutage kann ich mich auf diesen Groove ganz gut einlassen. Früher hätte ich so was wahrscheinlich nicht gespielt. Aber jetzt wo ich älter werde, mag ich solche Tracks. Ich würde sagen sagen, es gibt eine siebzigprozentige Chance, dass ich die Platte kaufen würde. Wenn etwas weniger passieren würde, einfach nur die Chords eine einfache Bassline und die Drums als Fundament, dann würde ich die Platte sofort kaufen. It would be a hot motherfucker. Das Original von Alton Miller ist mir zu fluffy. Obwohl in Detroit würde ich den Track vielleicht spielen.

Wahoo – Holding You (Ame Remix) (Sonar Kollektiv)
Eddie Fowlkes: Mach die Platte mal lauter, ich muss den Bass vernünftig hören können. Ist das auch aus Deutschland?
Debug: Ja, hier aus Berlin.
Eddie Fowlkes: Das ist heißer Scheiß, Mann. Das ist der Sound, den ich liebe zu spielen.
Das ist der Scheiß, den Moritz (von Oswald) und ich gemacht haben, als wir die 3MB Platte aufgenommen haben. Wenn es diese speziellen Chords hätte, dann würde ich es als Technosoul bezeichnen. Die Vocals hätten sie von mir aus auch weglassen können (überlegt). Mann, warum haben sie diese Vocals da reingemacht? Versteh mich nicht falsch, der Track ist immer noch gut – morgens um halb sechs, oder als letzte Platte. Auf jeden Fall würde ich die Platte kaufen. Ich will sowieso gleich zu Hardwax …

M83 – Teen Angst (Luciano Remix) (Labels)
Eddie Fowlkes: Die Vocals passen nicht zum Groove. Die hier hätte ich mir bei dem Wahoo-Track gewünscht. Sie sind spacy und der Wahoo Track auch. Hier bräuchte man ein Vocal, das eher so “dack dack da dack da da dack” macht. Es müsste jacken, damit der Groove betont wird. Der Bass läuft aber mit der Kick zusammen. Ich mag auch diese gedoppelte Kick nicht so gerne.
Debug: Das ist ein Luciano Remix.
Eddie Fowlkes: Luciano?! Ja, den kenne ich. Ich hab ein, zwei Mal mit ihm aufgelegt in Genf. Cooler Typ.

Gabriel Ananda – Vergissmeinnicht (Liebe & Detail)
Eddie Fowlkes: Ah, das ist eine sweete Bassline (fängt an zu brummen). Auf welchem Label ist das?
Debug: Liebe und Detail aus Hamburg.
Eddie Fowlkes: Und wie heißt der Produzent?
Debug: Gabriel Ananda. Er kommt aus Köln.
Eddie Fowlkes: Ich hasse es ja, Sachen zu beurteilen, aber die Synthie-Sequenz ertränkt den Groove der Bassline. Er hat einfach die Noten der Bassline kopiert und sie mit einem anderen Sound noch mal gespielt. Man kann sie zwar noch hören, aber nur unterbewusst. Schade, die Bassline war richtig cool. Aber der Track würde auf jeden Fall den Floor rocken … oh ja, this motherfucker would rock the dancefloor. Gibt es einen Break?
Debug: Ja, warte mal ….
Eddie Fowlkes: Das ist er? Mann, warum nimmt er den Groove raus? Warum nehmen heutzutage alle in ihren Breaks immer den Groove raus? Aber der Track ist trotzdem cool. Wahoo ist auf Platz eins und der hier geht als zweiter durchs Ziel. Ich würde ihm eine 85 von 100 geben
Debug: Willst du die andere Seite hören?
Eddie Fowlkes: Auf jeden Fall.

Christian Kaltenhofer – Solaris (Liebe und Detail)
Eddie Fowlkes: Das ist mir zu schnell. Ich bin in meinem Leben nie schneller als 128 bpm gewesen. Das ist nicht mein Ding, Mann. Da ist kein Groove zwischen den Noten. Das ist typisch europäischer Techno für mich. Er hängt fest, es passiert zu wenig zwischen den Noten, deswegen wird dein Gehirn nicht stimuliert. Nein, mit dem Track komme ich nicht klar. Ich liebe Rhythmen und Soul. Ich mag zwar auch Noise, aber man muss Noise gut machen. Rhythmisch.

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Elektronische Lebensaspekte.


Text: Jennifer Cardini aus De:Bug 93

Ego Express – Knarz IV (Ladomat)

Jennifer: (nach wenigen Takten) Ich würde sagen, das ist Ego Express.
Debug: Stimmt, das war fix.

Jennifer: (lacht) Sascha (Funke) hat es gestern gespielt und Aksel (Superpitcher) am Freitag im Robert Johnson. Ich habe die Platte leider noch nicht. Nachdem Aksel den Track gespielt hat, bin ich am nächsten Tag gleich zu Freebase in Frankfurt gegangen und hab nach der Platte gefragt. Leider gab es die noch nicht. Die Platte rockt einfach. I love it.

Debug: Hast du auch die Remixe von Abe Duque und Einmusik auf der anderen Seite schon gehört?
Jennifer: Nee, da gibt es noch Remixe? Mach mal an. (Der Abe Duque Remix läuft) Ah cool, den kenn ich doch. Aksel hat den gespielt und nicht das Original. Ich mag die Vocals ”Oh my god it’s house music!“ Ist es eigentlich Teil der Abmachung, dass ich die Platten bekomme, die ich hier mit dir höre?

Debug: Leider nein.

Jennifer: Schade. Dann mach noch mal den Mix von Einmusik an. Ich habe auch einen Track von denen auf meiner Mix-CD. Die sind auch aus Hamburg, oder? Ich finde es so cool, dass in Deutschland einzelne Städte für einen eigenen Sound stehen. Gigolo ist München, Bpitch Control Berlin etc. In Frankreich gibt es das nicht, weil sich so ziemlich alles in Paris abspielt. Ich wünschte es wäre anders und andere Städte hätten eine komplett eigene Szene und einen eigenen Sound, über den sich identifizieren. Aber das dauert wohl noch ein bisschen. (hört sich den Remix an) Hm, auch wenn ich großer Einmusik-Fan bin, finde ich die beiden anderen Mixe doch besser.

Monolake – Axis (Imbalance Computer Music)

Jennifer: Cool, was ist das? Könnte eine neue Platte auf Wagon Repair sein. Ich mag Tracks, die sich ein bisschen Zeit nehmen um eine ganz eigene Atmosphäre zu entfalten. Sehr hypnotisch, sehr moody. Ein bisschen Electro- und Plastikman-mäßig, sehr cool. Perfekt, wenn man ein Warmup-Set spielt. Oder kommt da gleich noch eine Monsterbassline?

Debug: Nee, das bleibt schon so.

Jennifer: Wenn ich alleine produzieren würde, würde ich wahrscheinlich eher in diese atmosphärische, deepe Richtung gehen. Auch wenn ich als DJ gerne rocke habe ich doch nicht das Gefühl, dass ein Rocker-Produzent in mir steckt. Die Loops, die ich in letzter Zeit alleine gebastelt habe – ich bin grade dabei, mir die ganzen Programme beizubringen, damit ich mehr alleine arbeiten kann – gehen auf jeden Fall eher in diese Richtung. Was ist das denn jetzt?

Debug: Monolake.
Jennifer: Echt? Ich liebe Monolake. Ich bin immer wie gefesselt von seinen Tracks, weil es die ganze Zeit so spannend bleibt. Wie bei alten Warp-Platten. Jeder Sound scheint mit dem anderen zu kommunizieren, wie in einem Forum. It’s mind music. Leider funktionieren Liveacts von Leuten wie Monolake in Frankreich nur, wenn sie so kunstmäßig im Centre George Pompidou spielen. Im Club zur Primetime würden die Leute sofort nach einer fetten Bassdrum schreien. Es hört sich zwar doof an, aber die sind noch nicht soweit.

Jamie Lidell – A little bit more (Warp)

Jennifer: Funky. Das ist cool. Sehr sexy. Wer ist der Sänger?

Debug: Jamie Lidell. Das ist von seinem neuen Album.

Jennifer: Wow. Hätte ich nicht erkannt. Ich hab zwar die beiden Alben von Super_Collider, dass er so weiter macht, hätte ich aber nicht gedacht. Vielleicht sollte er das nächste Justin Timberlake Album produzieren. Das wäre cool und könnte echt interessant werden. (lauscht schunkelnd) Ja, das ist großartig. Die Platte werde ich mir auf jeden Fall kaufen.

Tomas Anderson – Washing up (Tiga Remix) (Bpitch Control)

Debug: Den Track kennst du vielleicht schon …

Jennifer: (mitgehend) Nee, das kenn ich nicht.
Debug: Das ist die neue Tomas Anderson auf Bpitch. Der Tiga Mix.
Jennifer: Ach, echt? Ich habe alle Platten von Tomas Anderson. Seine Tracks sind immer perfekte Dancefloor-Tracks. Außerdem ist er aus Schweden und da ich Halb-Schwedin bin muss ich ihn einfach unterstützen.

Debug: Du bist Halb-Schwedin?
Jennifer: Ja. Sieht man mir gar nicht an was. Ich spreche sogar fließend schwedisch. Meine Mutter lebt in Schweden. (wieder beim Track) Wow, das ist total Rock-and-Roll-Techno.

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Elektronische Lebensaspekte.

Musik-Produzenten reden über Musik-Veröffentlichungen. Dagegen ist das Raunen der Götter nur ein Furz im Wind. Auftakt zu unser neuen Reihe "Musik hören mit ..." mit Jens Bond und Guido Schneider.
Text: sven aus De:Bug 89

Musik hören mit …
Jens Bond und Guido Schneider

Non Standard Institut – David Hassel (Cadenza 005)

Beide lauschen andächtig.

Debug: Das ist die neue Cadenza.

Jens: Ach, echt? Die NSI?

Guido: Die neue Cadenza? Das kann aber nicht sein.

Debug: Doch.

Guido: Nee, meinst du die Nummer 005 oder die Nummer 006?

Debug: Die fünf.

Guido: Ach so, … (stutzt) die hab ich ja. (Gelächter)
Die hat mir Luciano vor einer Woche gegeben, jetzt erinnere ich mich. Die hab ich zu Hause schon gehört und gedacht, “oh, da ist aber viel Piano drin”… (noch mehr Gelächter). Die ist mir ein bisschen zu unharmonisch. Ich mag ja diese 808-Grooves, aber der Rest ist mir zu ungemütlich.

Mathew Jonson – Marionette (Live Edit) Wagon Repair 002

Guido: (sofort) Das kenne ich, Mathew Jonson. Super Stück! Da sind zwei Versionen drauf, oder?

Jens: Das ist echt gut, und endlich benutzt er mal wieder neue Sounds, das wurde ja schon ein bisschen langweillig.

Guido: Seine Tracks zeigen immer, dass man sich im Arrangement echt ruhig mal mehr Zeit lassen kann. Das muss gar nicht immer alles so ganz schnell abgehakt werden. Es gibt zwar Stücke, die wirken erst dadurch, dass da schnell und viel passiert, aber man kann sich auch mal ganz viel Zeit lassen. Es können ja so Kleinigkeiten passieren, aber erst mal das Grundthema richtig rollen lassen und dann langsam steigern. Und das muss man dann auch genau so präsentieren, wenn man es spielt. So richtig runterfahren und dann loslegen …

United Freq Nations Vol.1 (U-Freqs)

Gudio: Das marschiert ja ordentlich. Was ist denn das für ein Bierzelt-Sample?

Debug: U-Freqs. Hier steht noch: “Creating musical genres the world does not want (or need).”

Gelächter

Guido: (ungläubig) Ehrlich?

Jens: Mach nochmal an.

Die beiden fangen an zu summen und zu schunkeln.

Jens: Ist das Holländisch in dem Break? Man, das ist ja total durchgeknallt. Die drehen immer mehr durch. Seit dieser “Haunted House of Horror”-Platte mit den ganzen gefakten Horrorfilm-Samples und heulenden Werwölfen werden die immer verrückter. Die haben irgendwie die falschen Drogen genommen.

Safari (James Holden Remix) Crosstown Rebels

Guido: Ist das Robag Wruhme?

Debug: Nee, das ist von Holden.

Jens: Holden, echt? Hammer! Wann kommt die raus?

Gudio: Ist das was Eigenes von ihm?

Debug: Um genau zu sein, ist es ein Remix von ihm für Crosstown Rebels.

Guido: Deswegen frage ich. Der macht ja eigentlich nur gute Remixe. Seine eigenen Produktionen fand ich bis jetzt überhaupt gar nicht gut. Die Remixe sind aber immer super … Der hat es echt raus, wie man den Schreieffekt hinbekommt. Außerdem klingen sämtliche Remixe von ihm auf fast jeder Anlage verdammt gut. Die sind so geil ausgesteuert. Der Bassanteil, das ist so ausgewogen und druckvoll. Echt erstaunlich. Gutes Gehör! Aber das liegt auch an der Abhöre. Ich war letztens bei Luciano im Studio und hab mir einen Track von mir angehört, und der hat im Bassbereich so abgestunken. Ich dachte echt, was ist das denn für ein Schlaffi … Und dann hat Luciano einen seiner Tracks angemacht und ich war total verzweifelt. Warum macht das bei ihm untenrum bumm und bei mir ist es nur ein laues Lüftchen? (Gelächter) Da ist mir klar geworden, dass ich auch endlich eine neue Abhöre brauche.

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