Diesmal mit Britney Spears vs. Zoot Woman.
Text: Verena Dauerer, Tobias Vethake aus De:Bug 83

Britney Spears: Everytime, Regie: David LaChapelle (2004)

Wächsern. Und weiß. Das bleibt von ihr übrig und vom Clip. Alles um sie und sie selbst ist mit einer Wachsschicht überzogen. So als wollte David LaChapelle Britney in ein Figurenkabinett stellen. Konservieren mitsamt den Klischees, die da ausgebreitet werden von einer Popikone, ihrem Boyfriend (Stephen Dorff), der zaghaft Justin T. nachspielt und den Paparazzi. Als wäre ihr die letzte Zeit über den Kopf gewachsen, wie die Geschichte von der besoffenen Blitzhochzeit und dergleichen. Milchig weiß ist das Badewasser, in dem nicht nur sie sich ertränkt, auch pathetisch den ganzen Kram gleich mit ersaufen will. Am Ende war es dann doch nur eine Taufe für den Neuanfang. Als wollte sie sich reinwaschen in dem Weiß, das sie im Video von allen Seiten anstrahlt. Weiß als Farbe der Auflösung bis zum Aufgehen in der gleich aufgehellten Umgebung. Modefotograf David LaChapelle ist ein Spezi für Glamouroberflächen. Nachdem er mal Kiekse Vanessa Paradis in silbrige Posen drapiert hat, kam er zu unterschiedlichen Clips für Christina Aguilera: Sie als halbnacktes Boxenluder in “Dirrty” und züchtig in der einzigen Einstellung bei “The Voice Within”. Jetzt ist er bei Britney und ihrem Zickenduett mit Stephen Dorff, der als Vampir in “Blade” zugegeben besser anzusehen war. Vom Anfauchen in der Limo über den Prügelansatz mit dem Fotografen bis zum Selbstmord wird alles durchgebreit. Und auch hinterher mit der Nachricht, dass eine verschärfte Clipversion zurückgezogen wurde: Noch so ein Klischee vom Schreien nach Publicity. [VERENA]

ZOOT WOMAN / Taken it all, Regie: Uwe Flade / Sebastian Kaltmeyer

Zoot Woman bleiben mit dem Clip zu “Taken It All“ ihrem Stil treu. Denn schon ihr allererstes Video “Living In A Magazine“ machte klar, dass hier musikalisch wie visuell der frühen Waveszene, Ende 70er/Anfang 80er, gehuldigt wird. Bei ihrem neuesten Video geht dieser Retro-Gedanke eine interessante Verbindung mit einem noch älteren Architektur-Stil ein. Schauplatz ist der deutsche Pavillion, den Mies van der Rohe 1928/29 anlässlich der Weltausstellung in Barcelona bauen ließ. Dieses todschicke Gebäude wurde für das Video akribisch im Computer nachgebaut. Die Kombination aus real wirkendem Bauwerk und irrealer Computerumwelt lässt ihr futuristisches Moment hervorblitzen. Farblich ist das Ganze vor allem in braun, gelb und grau gehalten, und wir werden zusätzlich durch sich farblich und strukturell bewegende Wände und Böden verwirrt. Ein interessanter Effekt, der weniger nach perfektem Hollywood-Bild-Morphing als eher wie ein analoges Überschichten von Folien aussieht. Das wirkt schick und elegant, hat aber nicht den üblichen Wir-hatten-10-Millionen-für-dieses-Video-Look. Auch Schachfiguren bewegen sich, wie schon die Farben und Formen der Wände, im Rhythmus der Musik. Ein Luxus-Boheme, überzeugend dargestellt durch den Sänger der Band, sitzt davor und beobachtet fast teilnahmslos den Auszug seiner Freundin. Das agierende Model ohne jede Angst vor Asymmetrie macht klar, dass man Blusen und Röcke, die wir zuletzt in den Kleiderschränken unserer Mütter ertragen mussten, von der passenden Person in der passenden Szenerie getragen durchaus überzeugen können. Was für ein Ohrring! Im Ganzen ist dieses Video eine gelungene Mischung aus 20er Architektur, 70er Lifestyle, 80er Mode und moderner Computertechnik. Alles was futuristisch war und ist. [Tobias]

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Elektronische Lebensaspekte.