One-T feat. Cool-T und International Pony. Auseinander gepflückt und besprochen. Dig!
Text: Verena Dauerer, Tobias Vethake aus De:Bug 74

One-T feat. Cool-T: The Magic Key
Regie: Thomas Pieds und Jacques Denis (2003)
Wer hinter One-T und seiner Posse aus Frankreich steckt, da machen die vier Putzis ein Geheimnis draus. Ihr Ohrwürmchen “The Magic Key” ist plinkplonk Kinderzimmer-HipHop mit Sprechgesang und lieblichen Refrains samt Gospelchor. Dabei erzählt der goldige Animationsclip die traurige Kindergeschichte: Der kleine Cool-T hängt mit den Kids One-T, Nine-T und dem mopsy Kampfhund Bull-T rum. Als er auf der Straße erschossen wird, fliegt er zu den Englein, steht an der Himmelspforte auf der Liste des Türstehers und trifft seine Sippschaft wieder und auch ein Wolkenrodeo reitendes Playmate-Engelchen. In Rückblenden wird er im Krankenwagen abtransportiert und landet auf dem Friedhof, wo One-T den bösen Plattenboss (mit asiatischen Gesichtszügen) mit der Grabschaufel verdrischt. Die Kleinen haben Stupsnasen, ploppende Augen als Zeichen von Erstaunen und Quader-Körper in Fernsehkästen-Form mit Stacheln auf‘m Kopf wie einzelne Indianerfedern. Wie damals KrisKross, die echten Kiddies in umgedrehten Jeans und Rastaknöpfchen als Haaren. Aber die animierten Knutschis haben den Niedlichkeitsfaktor und mit dem kann jede Episode noch so traurig, abgedriftet oder rabiat wie in den anderen One-T-Videos sein. Eine Möglichkeit, die Glorifizierungsfalle bei Gangsta-Videos wie die des seeligen 2Pac (stilisiert als gekreuzigter Jesus) und Notorious B.I.G (beweint von Faith Ewans) zu umgehen. Zur Vertiefung zu empfehlen: One-Ts bunt hopsende Disko-Clips “Music is the One-T ODC” und “Bein’ A Star” über giftgrüne Pillenmännchen und zünftiges Wild West Gekloppe im Club bzw. Retortenproduktion im Starbusiness unter: http://www.catsuka.com/interf/bideo/frenchtouch.htm.
[Verena]

INTERNATIONAL PONY – MY MOUTH
Regie: Sebastian Schulz (2003)
Dass International Pony ein gesundes Humorlevel haben, weiß man spätestens seit ihrem letzten Video “Leaving Home”. Und ihr neues neunminütiges “Video” steht dem in nichts nach. Neun Minuten vollgepackt mit flashigen Absurditäten und ironischen Stardom-Reflexionen. Eine Journalistin, die uns aus der Ich-Perspektive heraus erzählt, dass es der Zielpunkt ihrer Karriere ist, zum ersten Mal International Pony interviewen zu dürfen. Ein frustrierter Neider, der zum Schluss des Videos auf den Teppich im Backstage-Bereich pinkelt. Die Band selber, wie sie im Hamburger Schauspielhaus eine Slipknot-artige Bühnenshow abzieht. Brilliant. Schön auch kleinere Gastauftritte der Hamburger Szene-Prominenz, wie z.B. dem Bassisten der Sterne, der nach seiner Meinung zum Konzert gefragt wird. Bemerkenswert ist die offensichtliche Intention, den VIVA-Programm-Redakteuren allein durch die Länge dieses “Videos” die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Bemerkenswert auch, wie hier das Genre Musikvideo bis aufs Äußerste gedehnt wird. Natürlich steht der Song “My Mouth” im Zentrum des Geschehens, da es der auf der Bühne performte Song ist. Doch zusätzlich gibt es eine Menge Musik, die eher an einen lakonischen, französischen 70er-Jahre-Film erinnert, softes Rhodes-Geklimper und seltsame Akkordeon-Miniaturen. Ein Kurzfilm über und mit Musik, getarnt als Musikvideo. Das trojanische Pferd.
[TOBIAS]

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Elektronische Lebensaspekte.