St. Louis, Berlin, Minimal & House
Text: Sascha Kösch, Eike Kühl aus De:Bug 120

In einer Stadt, die sonst eher für Blues und Nelly bekannt ist, hat es Andrew Rasse aka Butane mit seinem Alphahouse-Label und passender Partyreihe geschafft, eine Technoszene in St. Louis zu etablieren. Zwischenzeitlich hat er seine deepen Minimal-Produktionen auch auf Labels wie Rrygular und Dumb-Unit veröffentlicht und koordiniert nun von Berlin aus das Geschehen in seiner Heimat.

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Dapayk & Padberg – Black Beauty Remixes Pt.1 (Mo’s Ferry)

Butane: Das fängt schon mal gut an. Nette, klare Kickdrum, die Percussion ist nicht zu aufdringlich. Den Track habe ich jedenfalls noch nie gehört. Aber die Art, wie die HiHats einsetzen, überzeugt mich nicht, das ist jetzt zu offensichtlich. Ich habe keine Ahnung, wer das produziert hat.

(B-Seite wird aufgelegt … die Kickdrum setzt ein)

Das klingt nach Dapayk! Richtig? Und das kam auf seinem Label raus? Wieso habe ich das nicht … klingt auf jeden Fall typisch nach Dapayk.

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Sten – Squares (Smallville)

Butane: Klingt wie eine Mischung aus Jay Haze und Dial, mal abwarten, was da noch kommt. Die Bassline ist jedenfalls toll.

De:Bug: … damit liegst du schon gar nicht mal so falsch. Es ist die neue Sten auf Smallville.

Butane: Stimmt. Das klingt nach Lawrence/Sten, dieser Dial-Sound ist unverkennbar, wobei ich da auch immer geteilter Meinung bin. Manchmal klingt mir das immer ein wenig zu cheesy, aber der Sound ist schon klasse. Dial ist ja momentan schwer angesagt, und wenn es gut gemacht ist wie hier, dann kommt das auch gut rüber.

De:Bug: Wobei die Sachen immer etwas schwer zu spielen sind im Club.

Butane: Ja, der Kitsch-Faktor ist teilweise recht hoch. Bei dem Track ist die Melodie aber sehr subtil gehalten, das gefällt mir. Bei diesen Glockenspielen muss man aber aufpassen, da trägt man schnell zu dick auf. Aber hier gibt es dem Track noch eine weitere Ebene. Der Groove ist ja relativ düster, aber die Glockenspiele sind fast fröhlich. Das ist ein netter Kontrast.

Minilogue – Jamaica (Cocoon)

Butane: Möwen … ich mag Tiere ja, aber nicht unbedingt in Tracks. Im Club würde ich so was nicht spielen, stell dir mal vor, man ist auf Drogen und dann springt plötzlich ein Affe auf einen zu … Insgesamt ist mir der Track ein wenig zu nervös und vollgepackt, gerade auch mit den Snares, ich mag es lieber reduzierter und aufgeräumter. Hier passiert mir einfach zu viel auf einmal.

De:Bug: Lass uns die B-Seite anhören.

Butane: Das klingt schon besser, deeper. Es ist auch nicht schlimm, wenn eine Weile nichts passiert, solange der Groove angenehm ist. So halte ich das auch mit meinen Produktionen. Sehr schön. Es gibt immer einen Punkt, an dem man es mit der Melodie übertreibt, aber hier passt es. Ein bisschen verschroben, aber nicht übertrieben. Interessant.

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Vainqueur – Solanus (Chain Reaction)

Butane: Das kommt mir bekannt vor, klingt sehr eigenwillig. Convextion? Oder Maurizio?

De:Bug: … nah dran. Vainqueur.

Butane: Diesen Track erkenne ich gerade nicht, auch wenn ich glaube, dass ich die Platte zu Hause habe. Inzwischen gibt es ja wieder viel Dubtechno, aber nichts klingt so wie diese Sachen. Ich versuche in diesen Modern-Love/Claro-Intelecto-Vibe zu kommen, aber letztendlich kehre ich immer wieder zu Basic Channel zurück. Es wäre ein Traum von mir, mal mit den Jungs zusammenzuspielen, wenn das Setting stimmt.

Philus – pH (Sähkö)

Butane: Ich könnte noch nicht mal sagen aus welcher Zeit das kommt. Könnte von ’89 sein, könnte aber auch zwei Monate alt sein. Ich nehme an, dass es aber älter ist. Ist das Richie/Plastikman?

De:Bug: … nein. Die B-Seite sollte aufschlussreicher sein.

Butane: Ok, das ist Sähkö … Mika Vainio. Sehr minimal, wie eben auch Plastikman. Mir persönlich ist das inzwischen aber zu kalt, ich bevorzuge Sachen, die etwas groovender und auch sexier sind. Wobei ich aber die Idee mag, die Sounds auf das Nötigste zu reduzieren, alles Überflüssige über Bord zu werfen, und die Jungs haben das perfektioniert.

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Carl Craig – Wrap Me In It’s Arms (Retroactive)

(nach wenigen Sekunden)

Butane: Das ist Carl Craig. Diese Strings, die sind sein Markenzeichen. Schon erstaunlich, wie man das immer noch erkennen kann, auch wenn die Platte von 1991 ist. Er war auch eine Inspiration für mich, aber ist dann irgendwie abgetaucht. Aber gerade mit seinen Remixen kommt er immer wieder zurück.

Mathew Jonson – Symphony For The Apocalypse – New Age Revolution EP (Wagon Repair)

Butane: Mathew Jonson! Die Percussion ist nicht so offensichtlich, aber die Synths. Das ist dieser typische SH-101-Sound, den Mathew oft benutzt. Und auch die düstere Grundstimmung passt. Klingt cool, hat irgendwie etwas Improvisiertes, als hätte er zehn Minuten mit einer Idee gearbeitet. Ich bin nicht unbedingt der größte Fan von Jam-Sessions, ich brauche die Struktur. Ein Jam muss schon extrem gut sein, um mich auf längere Zeit zu überzeugen. Das Cobblestone-Jazz-Album hat mich auch nicht ganz überzeugt, da war mir irgendwie ein Konflikt zwischen unterschiedlichen Einflüssen wie Jazz, Disco und Techno.

Boys’R’Us – M3 (Mikrodisco)

Butane: Beeindruckt mich nicht wirklich, es klingt auch etwas zu gewollt. Zu Elektro für meinen Geschmack.

(B-Seite wird aufgelegt)

Klingt schon grooviger. Wer hat das produziert? Das gefällt mir, sehr fokussiert, im Gegensatz zur A-Seite. Viele der neuen Producer tendieren dazu, ihre Produktionen mit überflüssigen Sounds aufzufüllen, die völlig aus dem Kontext genommen sind. Darunter leidet dann meistens der Groove.

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Elektronische Lebensaspekte.