Native Instruments verpasst seinem Hammond-Clone B4 neue Presets, Steinberg präsentiert ein amtliches Midi-Interface mit eigens entwickelter Timing-Korrektur und im Netz kursieren neue PlugIns ganz für umsonst. Technik, die begeistert. Auch im Dezember.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 54

NI-Tonewheelsets
Neue Tonewheels für die B4 Emulation

Ein kleines Update für Native Instruments B4: mit den Tonewheelsets kann die emulierte Hammond jetzt auch drei weitere Combo-Orgeln der 60er emulieren.
Nach der schnellen und unkomplizierten Installation der neuen Tonewheels stehen die Klassiker “Vox Continental”, “Farfisa Compact” sowie eine indische Variante mit entsprechend anderer Skala namens “Indian Harmonium” zur Verfügung. Zusätzlich gibts jetzt auch eine Auswahl an unterschiedlich stark vergammelten alten Hammonds in den Presets: zwischen B3 dirty, B3 filthy und B3 trash altern die Filter-Kondensatoren dergestalt, dass es mehr und mehr Nebengeräusche gibt und die Hammond so immer ungenauer, rauschiger und schmutziger klingt. Die Oberfläche der B4 wird bei den neuen Tonewheels allerdings nicht angepasst, so dass die Farfisa (die im Original gar keine Drawbars hat) und die Vox Continental (die im Original nur fünf Drawbars hat), benutzt man alle Parameter der B4, deutlich mehr Eingriffsmöglichkeiten als die jeweiligen Originale haben. Zur naturidentischen Reproduktion der Klangeigenschaften der neuen Orgeln gibt es im mitgelieferten ReadMe aber auch genaue Angaben, wie die B4 eingestellt werden muss, um die Farfisa und die Vox Continental originalgetreu zu benutzen. Klangtechnisch sind die neuen Tonewheels ein nettes Add-On für die B4, neben dem dreckigen Sound der vergammelten Hammonds überzeugen mich vor allem die Bässe der Farfisa, die erstaunlich fett brummeln, aber auch die extrem plastikmäßige Vox Continental hat was, ebenso wie die sägende indische Orgel. Alles in allem ein lohnendes Update, was aber meiner Ansicht nach auch ein wenig preiswerter hätte ausfallen können.

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info:www.native-instruments.de
Preis: 179,- DM
Systemvoraussetzungen: Mac/PC, Native Instruments B4

Midex 8

Neues achtfach MIDI-Interface von Steinberg

Dass Midi ein ziemlich altes Protokoll ist, merkt man schon an der Übertragungsrate, die etwa 12000 mal langsamer als Firewire ist. Die dadurch bei großem Datenaufkommen auftretenden Verzögerungen sind hinlänglich bekannt und leider auch nicht völlig auszuschalten, eine weitere Quelle für Ungenauigkeiten sind aber auch angeschlossene Rechner.

Übersicht
Anders als beim guten alten Atari ST werden die Midi-Informationen heutzutage über Schnittstellen ausgegeben, die sich auch noch um andere Aufgaben innerhalb des jeweiligen OS kümmern müssen. Die Folge sind teilweise heftige Timing-Ungenauigkeiten. Das im Midex 8 verwandte LTB Verfahren (Linear Time Base) wurde von Steinberg in Zusammenarbeit mit Access entwickelt, um diese zwangsläufig unter MIDI mit Computern auftretenden Verzögerungen auszugleichen und damit das Timing zu verbessern. Dazu werden die Noten und Controller bereits vor der eigentlichen Ausgabe von Cubase oder Nuendo (die bisher einzigen Softwaresequenzer, die diese Technik unterstützen) an das Midex 8 geschickt, das einen eigenen kleinen Prozessor mit Pufferspeicher besitzt. Dieser gleicht dann etwaige durch die USB-Schnittstelle verursachte Schwankungen (wenn das Betriebssystem dazwischenfunkt und die USB Leitung anspricht, wodurch der MIDI Datenstrom kurz unterbrochen wird) aus. Ähnlich wie Emagics “Unitor 8” und “AMT 8”, die ein besonders tightes Timing in Verbindung mit Logic Audio versprechen, funktioniert das Midex 8 auch mit Sequenzern, die die LTB Technologie nicht unterstützen, dann allerdings auch ohne deren Vorteile: der Unterschied zu anderen Interfaces in Sachen Tightness fällt weg. Mit einem optionalen Netzteil kann das Midex 8 auch vollkommen ohne Rechner arbeiten. Für User von Nuendo und Cubase VST ist das Midex 8 das genauste und präziseste MIDI Interface auf dem Markt. Alle, die weniger als die üppige Anzahl von acht Ein- und Ausgängen brauchen, sollten auf das Midex 3 warten (zum Zeitpunkt des Drucks bereits angekündigt) das nur einen Input und drei Outputs besitzt, aber auch mit der LTB Technologie arbeitet und mit ca. 250 Mark deutlich billiger ist.

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info: http://www.steinberg.de
Systemvorraussetzungen: Windows 98SE/ME/2000, MacOs 8.6, Cubase VST 5 oder Nuendo Preis: 799,- DM

Freeware Arena Part 2
Destroy FX

Und mal wieder finden sich im Netz ganz umsonst wirklich gute PlugIns für die VST Schnittstelle. Die DestroyFX sind vier kleine, aber feine Plugs, die für PC und Mac (auch MacOs X!) bereitstehen und zwar nicht nur als fertiges Produkt, sondern für alle Programmierer auch als Source Code. Allen vier Plugs gemeinsam ist die umfangreiche MIDI-Implementierung und liebevoll gemachte Workarounds für Logic, das ja mit der Temposynchronisierung und MIDI-Steuerung von VST Plugs so seine Probleme hat. Hier eine kurze Übersicht über die Parameter der einzelnen Plugs.

Transverb
Transverb ist im Prinzip nichts weiter als ein Delay, das den Delay Buffer mit verschiedenen Geschwindigkeiten abspielen kann. Dafür stehen zwei voneinander unabhängige Einheiten bereit, die in etwa vergleichbar sind mit zwei Leseköpfen bei einem Tape Delay. An Parametern stehen für beide Köpfe gemeinsam zur Verfügung: Buffer Size (Größe des Buffers, den beide Einheiten nutzen), Mix (zur Regelung des Signalverhältnisses von Wet / Dry), Quality (ein Button, der die Soundqualität erhöht, allerdings auch mehr Performance vom Prozessor verlangt) und der Button Tomsound (für eine brutale Verzerrung). Darüber hinaus besitzt jeder der beiden Köpfe die Parameter Distance, Feedback und Speed. Distance funktioniert nur, wenn Speed auf 0 steht, da hiermit die Verzögerung der Delay Ausgabe definiert wird, die bei einer höheren Speed Einstellung mehr und mehr entfällt. Feedback ist selbsterklärend, der Hauptparameter des Transverb ist Speed: er wird in musikalisch sinnvollen Einheiten (Oktaven und Halbtonschritten) angegeben und kann per Fine Tuning Buttons sehr genau eingestellt werden.

Buffer Override
Mit Buffer Override lassen sich am ehesten mit AFX Twins Schachtelbeats vergleichbare Effekte erzeugen. Die Parameter: Forced Buffer Size (die Buffergröße des internen Buffers von Buffer Override), Buffer Divisor (zuständig für die Unterteilung des Forced Buffer), Tempo Sync (hiermit lässt sich Buffer Override zum Tempo des Hosts synchronisieren), Tempo (40-480 BPM, funktioniert nur, wenn Tempo Sync deaktiviert ist), Smoothing (glättet die Übergänge zwischen den Soundfetzen, einstellbar in Prozent), Mix (fürs Dry/Wet Verhältnis) und schließlich PitchBend Range zur Definition der PitchBend Bandbreite, auf die Buffer Override reagiert.

Skidder
Mit dem Skidder können verschiedene Gater- und Cutter-Effekte erzeugt werden. Die Parameter: Rate (Geschwindigkeit des An- und Ausschaltens des Sounds, wenn nicht zum Songtempo synchronisiert wird in Hertz) Rate Tempo Synched (bei per Tempo Sync synchronisiertem Skidder mit taktabhängigen Werten von 1/6 bis 333 Takten), Rate Random Factor (Zufallsveränderung der Rate, unabhängig ob synchronisiert wird oder nicht) Tempo (nur bei nichtsynchronisiertem Betrieb einstellbar), Pulsewidth (regelt den hörbaren Anteil jedes Cycles = Soundfetzens), Pulsewidth Random Minimum (Zufallsfunktion für Pulsewidth), Slope (Glättung des Ausgangssignals, ähnlich wie Smoothing beim Transverb), Floor (regelt die “Hörbarkeit” des ausgeschalteten Soundfetzens, so dass das Signal nicht völlig ausgeschaltet, sondern leiser gestellt wird), Stereo Spread (Zufallsfunktion fürs Panning des Ausgangssignals) und schließlich Midi Trigger, mit dem sich das Ausschalten des Sounds über Midi Noten realisieren lässt.

Rez Synth
Der Rez Synth ist meiner Meinung nach das interessanteste der DestroyFX Plugs: er erlaubt das “Spielen” von BandPass Resonanzfiltern, durch die das Ausgangssignal geführt wird. Die Parameter: Bandwith (Bandbreite der Resonanzfilter in Hertz), Bands Per Note (Anzahl der Bänder pro Filterbank), Band Separation (die Trennfrequenz der Bänder, wahlweise in Halbtonschritten oder Hertz, abhängig vom Parameter Separation Mode) Attack und Release (pro Note in Millisekunden), PitchBend Range, Velocity Curve und Velocity Influence (kontrolliert den Grad des Einflusses von Velocity Informationen) sowie verschiedene Gain Controls. Das “musikalischste” PlugIn der Reihe, lassen sich damit auch die langweiligsten Samples über MIDI zu interessanten Melodien morphen.

All diese PlugIns zeigen mal wieder, wie gut Software für lau sein kann: professionell programmiert, sehr gute MIDI-Implementation und vor allem keine billige Aufkocherei von Effekten, die eh schon jeder hat oder kennt, sondern innovative und durchaus nützliche neue Tools. Dazu kommen die relativ schlanken Downloads und die gute Performance auch auf langsamen Rechnern. Worth a Download.

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info & download: http://www.smartelectronix.com/%7Edestroyfx/ Systemvorraussetzungen: Mac/PC, VST

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Elektronische Lebensaspekte.