Oddity heißt das neue Baby von GMedia, das uns eine Emulation des Arp Odyssey beschert. Legendenbildung also, natürlich voll digital. Sinn macht das auf jeden Fall, erinnert man sich an die mit Wachs versiegelten Originalbausteine des Geräts damals, die eine Reparatur in heutigen Tagen so gut wie unmöglich macht.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 69

Mal wieder wird ein VSTi als die ultimative Emulation eines Analogsynthesizers angepriesen, diesmal Oddity, eine Kooperation von Gmedia (das sind die, die schon das Mtron gemacht haben) und Ohmforce (bekannt für Filter und Phaser wie OhmBoyz und MobilOhm), die den seinerzeit größten Konkurrenten des MiniMoog, den ARP Odyssey nachgebildet haben.
Im Gegensatz zum MiniMoog wurde der Odyssey von 1972 bis 1981 gebaut, insgesamt kam er allerdings nur auf eine Stückzahl von 3000, die von Leuten wie Herbie Hancock, Stevie Wonder, Yellow Magic Orchestra, Gary Numan , Cybotron, Keith Emerson, Devo und Abba (um nur einige zu nennen) benutzt wurden, nicht zuletzt, weil Arp als eine der ersten Firmen eigentlich fast jeden, der schon mal eine Platte gemacht hatte umsonst mit ihren Synthesizern versorgte. Da der Odyssey eine Vielzahl von neuen Modulationsmöglichkeiten bot und auch einen recht eigenen Klang hatte, kann man ihn in vielen Soundtracks von Filmen und Fernsehserien der Siebziger hören. Wie üblich hat man nicht nur alle Features des Originals reproduziert, sondern auch hier und da kleine Neuerungen eingebaut. Das sind beim Oddity die Fähigkeit, zwischen zwei Presets zu morphen,  eine Tuning Funktion mit 440 Hertz Ton, sowie die sogenannten Flying-Faders, mit denen man diverse Fader in verschiedenen Geschwindigkeiten hin- und herspringen lassen kann.

Aufbau
Der Arp Odyssey war 1972 der erste Synthesizer überhaupt, der mehr als einen Ton gleichzeitig spielen konnte, und zwar genau zwei. Das ist beim Oddity nicht anders. Es gibt zwei synchronisierbare Oszillatoren mit den Wellenformen Sägezahn, Sinus und Rechteck. Das Rechteck ist über einen Slider auch in eine Wellenform mit variabler Pulsweite wandelbar. Der LFO bietet die Wellenformen Sinus und Rechteck sowie Sample & Hold und ist synchronisierbar; mit ihm lassen sich der Filter und die Oszillatorsynchronisation modulieren. Ansonsten gibt’s noch einen Ringmodulator, einen zweipoligen Hochpassfilter und einen vierpoligen Tiefpassfilter, Sample & Hold, Portamento und zwei Hüllkurvengeneratoren.

Bedienung, Performance und Sound
Alle Parameter sind auf der großen Oberfläche schnell und einfach zu erkennen und außerdem ist jedem auch ein MIDI Controller zugeordnet, was die Bedienung weiter vereinfacht und systematisiert. Ein bischen umständlich / hakelig ist allerdings die Art, wie Presets gespeichert werden. Schön wäre auch noch die Möglichkeit, die Morphzeit und die Flying Faders über MIDI regeln zu können. Von der Performance her ist Oddity zwar nicht extrem sparsam, stellt aber auch keine übergroßen Ansprüche an den Hostrechner. Der Sound ist sehr vielfältig und überzeugt in der ganzen Bandbreite und auch der Preis ist für die Leistung erstaunlich fair.

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Elektronische Lebensaspekte.