Korgs Kaoss Pad kannte man ja bisher nur als intuitives Effektkästchen zur Audiobearbeitung im Liveeinsatz. Jetzt hat man bei Korg auch mal an die VJs gedacht und dem Kaoss Pad eine Videomixsektion mit allerlei Effekten spendiert. Die Jungs von der Pfadfinderei haben das neue Audio-Video-Spielzeug für uns dem schonungslosen Praxistest unterzogen.
Text: Pfadfinderei aus De:Bug 77

Pixelsalat
Kaoss Pad Entrancer (KPE)

Das KPE ist ein Effektgerät, mit dem man Audio und Video parallel in Echtzeit modifizieren kann. Gedacht ist es vor allem für den Liveeinsatz. Zentrales Element des Gerätes ist das Trackpad, mit dem die einzelnen Effektparameter gesteuert werden können. Das Trackpad befindet sich in der Mitte des chromblauen Kastens und leuchtet in den Farben rosa, gelb und grün. Auch die Visuals in dem Instruction Video leuchten in bunten Farben. Das KPE wurde von Korg in Japan entwickelt. Und funktioniert so:
Man speist einen Audio-Videoquelle ein und kann unter 100 Effekten wählen, die man parallel auf die Audiospur sowie die Videospur legen kann. Hierbei wurden Effekte aus der Audio-Welt des Kaoss Pad 2 mit Effekten aus der Video-Welt gekoppelt. Der Entwicklung des KPE liegt die Annahme über einen Audio-Video-Künstlers zugrunde, der gleichzeitig Musik und Visuals generiert. Dies könnte folgendermaßen aussehen: Man speist das Gerät mit lustigen Videoaufnahmen, Hochzeitsvideos oder TV-Samples, zerhäckselt, scratcht und filtriert diese live mit Ton, stellt sich mit dem KPE, einem Hut und einem Papagei auf der Schulter vor eine große Leinwand und startet eine Karriere auf Kleinkunstfestivals und Weihnachtsfeiern. Man kann natürlich auch seine eigenen Audio-Video-Loops bauen, um sich eher in Richtung elektronische Musik auszurichten. Auch ein erfolgreicher Einsatz im privaten Bereich wäre durchaus denkbar. So können die Lieblingsserien mal so richtig durch den Wolf gejagt werden und außerdem kann man aus Nachrichtensendungen zeitgenössische, intensive und vor allem medienkritische Kunst in unserer schnelllebigen Zeit machen.

Wir haben das KPE als Effektgerät für Club-VJs getestet, da wir der Meinung sind, das es live im Club interessanter ist, wenn Musik und Bild von unterschiedlichen Quellen stammen, miteinander spielen und auch mal auseinander laufen. Totale Synchronität ist total langweilig. Daher haben wir das KPE als Effektgerät zwischen Laptop und Videomixer geschaltet, Audio Audio sein lassen, und mal geschaut, was das Ding für Livevisuals so taugt.
Als erstes fallen natürlich die zahlreichen Echtzeit Effekte ins Auge. Effekte halt. Die Echtzeit Engine ist gut. Mittels dem Trackpad kann man die Effektparameter durch Fingerbewegung steuern. Neben den Effekten ist es allerdings auch möglich, kurze Sequenzen zu samplen und mittels dem Trackpad in Geschwindigkeit oder Deckkraft zu modifizieren. Es sind in erster Linie die einfachen Sampling/Loop Funktionen (12 Sek Audio/6 Sek Video), die das KPE interessant und zu einem außergewöhnlichen Gerät machen. 90 Prozent der Videoeffekte sind Schrott. Das müssen sich wohl auch die Produktdesigner gedacht haben, denn das Gerät verfügt nur über acht festlegbare Presettasten, die man mit den favorisierten Effekten belegen kann.

Die Beurteilung des KPE hängt in erster Linie mit dem Material zusammen, welches man benutzt. So eignen sich Video- oder Realaufnahmen nicht so gut wie Animationen vor schwarzen Hintergrund. Unser Ratschlag wäre, nicht die KPE Effekte im Mix erkennen zu lassen, indem man das Originalmaterial dementsprechend vorbereitet. Größtes Manko: die meisten Effekte verpixeln das Bild, was wohl daran liegt, dass der Digitalwandler nicht hochauflösend genug ist. So entsteht bei vielen Effekten eine eher antiquierte Videoästhetik. Zu bemängeln ist ebenfalls, dass die Videoeffekte und die Audioffekte nicht umprogrammierbar sind. Im Liveeinsatz verhält sich das KPE wie die meisten Technologien: Sobald man mehr die Technologie als die Idee sieht, wird es austauschbar. Konkret im VJ-Mix empfehlen wir, die Ästhetik des KPE im Hintergrund zu lassen.

Das KPE ist in erster Linie ein Remix Tool für VJ Loops. Man ist mit ihm in der Lage, Themen länger zu spielen und sie zu variieren. Viele VJs arbeiten mit kurzen Loops, die entweder interaktiv oder linear mittels einem Videomixer gemischt und composed werden. Mit dem KPE kann man hervorragend eigene Filme/Loops samplen, scratchen und remixen. Top. Obwohl man zwei Quellen anschließen kann, verfügt das KPE leider nicht über zufriedenstellende Mix/Compositing Funktionen, da man nur auf eine der beiden Quellen Zugriff hat. Hier wäre eine konsequente Weiterentwicklung sinnvoll gewesen – ein integrierter Videomixer anstelle der zahlreichen Effekte würden das Gerät aufwerten und aus der Sparte eines reinen Effektgerätes heraushieven. In seiner momentanen Funktion ist das KPE eine Effekterweiterung des klassischen VJ-Setups Laptop/Laptop/Videomixer.

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Elektronische Lebensaspekte.