Mit Logic Audio 6 verabschiedet sich Emagic aka Apple von der Windowswelt und konzentriert sich sowohl in OS 9 als auch OS X auf viele Detailverbesserungen, einen neuen EQ und komfortableres Arbeiten im Audiobereich. Neben Lückenschließung zu Konkurrenzprodukten legt Emagic aber bei anderen Features enorm vor, was anderen Herstellern Kopfschmerzen bereiten wird.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 70

Jeder Sequenzer braucht einen Tiefkühler

Kurz vor der Musikmesse legt Emagic bei Logic eine Versionsnummer drauf und kommt zwar nicht mit einem völlig neuen Programm, dafür aber mit etlichen nützlichen neuen Features, die vor allem der Ergonomieverbesserung dienen.
Klar dass es wie angekündigt keine PC-Version mehr gibt, eine positive Überraschung ist jedoch die Unterstützung von OS 9, denn Logic 6 kommt als OS 9- und als OS X-Version. Die einzige Limitierung der 9er Version ist dabei die fehlende MP3-Unterstützung.

Freeze
Ein wirklich nützliches neues Feature ist neben dem längst überfälligen und jetzt endlich vorhandenen Offline Bounce die Möglichkeit, per Button einzelne Spuren einzufrieren. Dabei rechnet Logic sämtliche PlugIns und Instrumente der entsprechenden Spur in eine neue Audiodatei, die dann statt der Originalspur abgespielt wird. Dadurch ist es auf komfortable Weise möglich, auch komplexere Arrangements mit mehr Effekten und Instrumenten zu benutzen, als die CPU sonst hergibt, denn sämtliche PlugIns werden nach dem Freezevorgang deaktiviert. Auch das Abspielen von Songs, die auf schnelleren Rechnern erzeugt wurden, wird dadurch ermöglicht. Der Freezevorgang dauert, abhängig von der Anzahl der zu errechnenden PlugIns etwa genau so lange wie ein normaler (Offline-) Bounce. Das “Auftauen” von gefrorenen Spuren ist jederzeit möglich, wobei dann die Freeze-Datei gelöscht wird. Die Verwaltung der Freeze-Dateien übernimmt Logic vollautomatisch im Hintergrund. Ein prima Feature, auch, wenn ein Logic-Arrangement auf einem anderen System gemischt werden soll, denn so können auf einmal alle Spuren mit den jeweiligen Einstellungen und PlugIns gebouncet werden, was viel Zeit und Mühe erspart.

Project Manager
Der Project Manager dient der Verwaltung sämtlicher Files, die in irgendeiner Weise mit Logic zusammenhängen, will sagen: Audio Files, EXS24 Instrumente, PlugIn Settings, Quicktime Movies und Song Files. Zunächst können alle Festplatten, aber auch nur einzelne Ordner oder Pfade nach Dateien gescannt werden, was eine Weile dauern kann. Ist der Scanvorgang abgeschlossen, kann mit dem Browser durch die relevanten Files navigiert werden, die sich per Doppelklick auch schnell öffnen lassen. Dazu gibt’s eine komfortable Suchmaschine, die neben diversen Fileformaten (Mehrfachnennungen sind möglich) auch Definitionen der erlaubten Größe, Länge und Samplerate unter anderem auch nach Abhängigkeiten zu Song Files oder EXS Instrumenten suchen kann. Aber das ist noch nicht alles: Neben der reinen Datenbank und Suchmaschinenfunktion kann der Project Manager auch gezielt Daten manipulieren, ohne dass dadurch die Referenzinformationen flöten gehen. Ändert man zum Beispiel im Project Manager den Namen eines Files, werden die Referenzdaten automatisch upgedatet, so dass die Instrumente und Song Files trotzdem problemlos ihre neubenannten Files finden.
Dass der Project Manager den Startvorgang von Logic durch das Updaten seiner Datenbank ein wenig verlängert, ist meiner Meinung nach zu verschmerzen, schließlich wird mit ihm eine Menge Zeit gespart, die man sonst mit Suchen und Neuorganisieren von Einzelfiles verbringen würde.

Neuer EQ
Der Channel EQ ist der Nachfolger des Track EQ und kommt mit immerhin acht Bändern, einem Regelbereich von +- 48 dB und einem sehr praktischen integrierten Frequenzanalyzer. Der Sound ist deutlich besser als der des Track EQ, auch wenn er nicht ganz an die Eqs von Waves, TC und Konsorten rankommt.

Gruppenfunktionen
Sehr ausgefuchst und praktisch ist die neue Gruppenfunktion. Mit ihr können Tracks und Mischpultkanäle zu einer Gruppe zusammengefasst werden, wobei bei jeder Gruppe definiert werden kann, ob, welche und wie viele Parameter in die Gruppensteuerung übergehen sollen. So kann man zum Beispiel in einer Gruppe nur die Lautstärke, in einer das Panning und die Automation oder auch alle Parameter verwenden. Zudem können Gruppen auch gemeinsam editiert werden. Schön ist auch die Möglichkeit, Gruppen anderen Gruppen zuweisen zu können. Erstaunlich aber wahr: alle von mir getestetenn zum Teil recht abstrusen Gruppendefinitionen funktionierten klaglos. Bis zu 32 verschiedene Gruppen sind möglich.

Kleinere Verbesserungen
Natürlich gibt’s noch ein paar kleinere Verbesserungen, die dem Workflow dienlich sind: Mit dem neuen Marquee Tool kann man im Arrangefenster Selektionen erstellen, verschieben, löschen und kopieren, die unabhängig von Regionen oder Sequenzen sind. Der Kanalzug eines im Arrangefenster selektierten Tracks erscheint nun links im Arrange, wodurch sich schneller und komfortabler mischen lässt. Einzelne Tracks oder auch Gruppen können per Hide Track verborgen werden, was mehr Platz und Übersicht beim Arrangieren verschafft. Auch in Logic ist es jetzt möglich, im Arrangefenster direkt zu Timestretchen; die Qualität und Genauigkeit der neuen TimeMachine ist allerdings auch nicht besser als bei anderen DAWs, zum Timestretchen und Pitchshiften sollte man also weiterhin externe Spezialisten wie TimeFactory benutzen.
Auch für den Videoschnitt hat sich einiges verbessert: so erlaubt Logic 6 direkte DV-Wiedergabe über Firewire und es gibt eine Spur für Video Thumbnails. Schließlich gibt’s noch neue Arrange Icons, die man sich bei Bedarf sogar selbst basteln kann und den Logic Setup Assistant (nur OS X), der den Anfänger beim Einrichten unterstützt.

Viel hat sich getan bei Logic 6, so dass Apple über Emagic mit dem Update aktuelles Material für die Switch-Kampagne erhält; neben kleinen Verbesserungen, die bei anderen DAWs seit langem Standard sind (zum Beispiel Offline Bounce) gibt es eine Menge neuer Features, die den Workflow und die Effizienz erheblich verbessern und neue Maßstäbe setzen, als da sind: Project Manager, Grouping und Freeze. Da muss die Konkurrenz einiges nachholen.

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Elektronische Lebensaspekte.