Metric Halo wird seinem Ruf gerecht. Mit dem "Mobile I/O ULN2" präsentiert uns der US-Hersteller ein hochwertiges Firewire Audiointerface der robusten Sorte. Das klingt gut, fühlt sich gut an und besticht durch hohe Kompatibilität und Bedienbarkeit. Glücklichmachend vom Justieren bis zum Endergebnis.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 77

Mein mobiler Heiligenschein

Metric Halos Mobile I/O ULN2 Firewire Audiointerface

Eigentlich sind Soundkarten wie gute Freunde, von denen man im Idealfall zwei hat. Die eine ist fest verschraubt im Studio, klingt wie Gott und drückt Tag für Tag die Bits durch die Wandler. Die andere ist mobil, reist immer mit, steht auf Bühnen rum und muss eigentlich genauso gut klingen. Entweder per USB, per PCMCIA oder per Firewire mit dem Rechner verdrahtet, hat man hier noch höhere Ansprüche, denn zum guten Klang muss hier noch eine immense Robustheit dazukommen: Wir kennen die Keller, in denen Musik so passiert.
Metric Halo aus den USA gilt seit jeher als Hersteller von absoluten Panzer-Interfaces, die gerne in Reisetaschen um die Welt gondeln und dabei unheimlichen Druck machen. Mit dem “Mobile I/O ULN2” liegt nun eine etwas abgespeckte Version des großen Acht-Kanal-Bruders vor, die mit vier Inputs (zwei analog, zwei digital) und sechs Outputs (vier analog, zwei digital (AES/EBU und S/PDIF)) aufwartet und bei 24bit/96Khz über Firewire betrieben wird. Die analogen Eingänge sind Kombi-Stecker von Neutrik (XLR und Cinch), die Outputs in einen Master (2 x Cinch) und einen Monitor (ebenfalls 2 x Cinch) aufgeteilt. Einen separaten Kopfhörer-Ausgang mit Lautstärke-Regler findet man an der Vorderseite.

Plug & Play & Los

Gestetet wurde auf einem 1Ghz TiBook unter OS X (Panther) in Verbindung mit Logic Platinum 6.3.1 und Live 3.0. Mitgeliefert werden Treiber für Core Audio (X) und ASIO (OS 9). Die Windows-Unterstützung soll Anfang des kommenden Jahres folgen. Der Core Audio-Treiber, obwohl noch Beta, funktioniert reibungslos, ist bereits voll Panther-kompatibel und wird offenbar regelmäßig geupdatet.
Ein großer Vorteil des Interfaces ist ganz klar, dass es trotz reichlich Funktionen und Level-Anzeigen kein Netzteil braucht, sondern sich mit dem Firewire-Bus des Powerbooks begnügt. Zwölf Watt braucht das ULN-2. Kniffelig wird es, wenn man auch noch eine externe Firewire-Festplatte in die Kette hängen will. Dafür reicht der Strom, laut Handbuch, leider nicht aus und muss durch ein Netzteil abgefangen werden. Mit meinem PocketDrive von LaCie hat es immerhin eine ganze Weile lang gut funktioniert, unter Live-Bedingungen würde ich es aber nicht empfehlen.
Die Konfiguration des Interfaces erfolgt über eine kleine Software “MIO Console” und gestaltet sich kinderleicht. Die “ULN-2” taucht unter Core Audio sofort auf und läuft auch im Betrieb unter Logic und Live problemlos. Natürlich kann die Software noch viel mehr. Die virtuelle Patchbay und die integrierten DSP-PlugIns holen aus der “ULN-2” mit ihren Send/Returns noch viel mehr raus, Leider war dafür beim Test keine wirkliche Zeit.

Fühlt sich gut an

Ja, tut es. Ich muss die ganze Zeit an einen modernen Reporter denken, der mit dem “ULN-2” seine Reportagen macht. Große Potis regeln auf der Vorderseite den generellen Eingangspegel, mit kleineren Trim-Reglern kann man fein justieren. Das klingt profan, ist aber ein immenser Vorteil: Ich habe lange kein Interface mehr unter den Fingern gehabt, an denen man das Eingangssignal einfach per Poti einstellen und nachregeln konnte. Das macht das Arbeiten extrem intuitiv und komfortabel. Sowohl die Wandler als auch die Mikrofon-Vorverstärker klingen sauber, klar und präzise und der Eingangspegel, den man ihnen zuweisen kann, ist, wie der Engländer so sagt, ridiculous. Will sagen: Killer. Konkret: 72 dB!

Fazit

Klingen tut das “ULN-2” hervorragend. Im direkten Vergleich mit der Digi001 und der RME-Hammerfall konnten einzig die Höhen nicht 100% überzeugen, warten sie doch im oberen Bereich im Verhältnis ein wenig schroff und nicht ganz so rund und weich, wie ich mir das gewünscht hatte. Dennoch lässt der Klang eigentlich keine Wünsche offen. Gegen die Hammerfall gewinnt das Metric Halo-Interface in punkto Mobilität klar nach Punkten. Wenn auch größer, fühlt sie sich eindeutig portabler an, man muss sich mit keinem wackligen PCMCIA-Stecker rumschlagen und ist mit ihren Potis ganz eindeutig besser für den direkten Zugriff auf den Sound geeignet. Der Preis von 1500 Euro ist happig, aber aufgrund der Verarbeitung und des Klangs gerechtfertig. Nun bleibt nur zu hoffen, dass Core Audio endlich stabiler und verlässlicher wird: Fehlermeldungen wie “Disc Too Slow” nerven nämlich.

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Elektronische Lebensaspekte.