Arturia emuliert das sehr selten gewordene Modularsystem Moog 3 C, das von 1967 bis 1972 gebaut wurde. Selbst der ansonsten Softwaresynths gegenüber eher kritsch eingestellte Bob Moog, der das Original entwickelte, macht keinen Hehl daraus, dass ihm die Emulation auch im Sound gut gefällt.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 72

Arturia Moog Modular V
Modularsystem to go

Übersicht

Der Moog Modular kann sowohl als Stand Alone als auch in diversen PlugIn Formaten (PC: VST2, Dxi, DirectSound, RTAS – Mac: VST2, MAS, RTAS, HDTM sowie Audio Unit unter OS X) benutzt werden. Der Begriff modular ist eigentlich ein wenig irreführend, da die Module feststehen und lediglich die Verkabelung verändert werden kann. Die naturalistisch gestaltete Oberfläche ist in drei Ansichten aufgeteilt, da alles auf einmal zu viel Platz wegnehmen würde; allerdings hätte das User Interface auch ein bisschen weniger opulent gestaltet werden können, da es in der Synth-Ansicht auch bei hoher Auflösung sehr viel Platz (beinahe den gesamten Bildschirm) verbraucht.
Zur Verfügung stehen die stattliche Anzahl von neun Oszillatoren, zwei LFOs, drei Filter Slots, ein Noise Generator, sechs ADSR Hüllkurven, zwei VCAs mit ihren eigenen Hüllkurven, 16 Auxiliary VCAs mit Modulationsinputs, ein Sequenzer mit drei mal acht Steps, eine Filterbank sowie ein Stereo Delay und ein Chorus. Alle Module stehen an einem festen Platz, die Verkabelung lässt sich mit der Maus ändern, wobei bei gedrückter Taste alle möglichen Zielorte gelb markiert werden. Das Zuordnen einzelner Parameter auf MIDI-Controller geht ähnlich einfach: Bei gedrückter Apfeltaste erscheint ein kleines Popup, in dem sich ein Controllerwert zuweisen oder alternativ die Lernfunktion aktivieren lässt. Die drei Filterslots können wahlweise mit einem 24 db Tiefpass, einem 24 db Hochpass, einem Filter Coupler mit Bandpass und Reject sowie einem 12 db Multimode Filter mit sieben verschiedenen Modi bestückt werden. Zusätzlich gibt’s noch eine Filterbank, die mit satten zwölf Bändern in Bandpasscharakteristik kommt. Jedes Band kann in der Verstärkung und der Bandbreite eingestellt werden. Dazu kommen noch ein feststehender Hochpass und ein Tiefpass. Die Effekte Chorus und Stereo Delay sind recht einfach gehalten, klingen aber gut, auch wenn der Chorus unverhältnismäßig viel CPU Power braucht. Der Sequenzer besteht aus drei Reihen à acht Steps, die auch aneinander gehängt werden können, um längere Sequenzen zu erzeugen. Jeder Step kann unterschiedlich oft wiederholt werden, außerdem lässt sich pro Step der nachfolgende definieren, was Sprünge innerhalb der Sequenz erlaubt. Auch die Ansteuerung lässt sich individuell bestimmen, wobei die Transportfunktionen über verschiedene Modulationseingänge, den LFO oder einen MIDI Controller erfolgen können. Neben den zuweisbaren Controllern für alle Parameter gibt es noch zwei frei zuweisbare X/Y Controller, mit denen sich beliebige Parameter in Beziehung zueinander steuern lassen.

Performance, Bedienung und Sound

Die Performance fordert vor allem bei komplexeren Patches einiges vom Prozessor, so dass die Systemvoraussetzungen wirklich ein bisschen gar tief ansetzen, will sagen: Um auf einem Mac einigermaßen flüssig mit dem Teil arbeiten zu können, sollte es schon ein G4 und mindestens 733 MHz sein. Die Bedienung ist größtenteils selbsterklärend, wenn man ein wenig Basiswissen hat, ansonsten ist das Manual aber auch für Anfänger geeignet und einfach und verständlich geschrieben. Der Sound ist äußerst überzeugend: So dick und breitwandig hat selten ein Softwaresynthesizer geklungen. Und neben den Filtern und der zusätzlichen Filterbank klingen auch Chorus und Delay sehr überzeugend. Der Vergleich mit dem Original scheint mir da müßig (außerdem habe ich es leider noch nie gehört), denn der Moog Modular überzeugt auch als eigenständiges Instrument. Auch Onkel Moog hat sein Okay dazu gegeben, was ja selten vorkommt. Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Softwareinstrument, auch wenn man sich für zukünftige Versionen einen Audioinput wünscht, der leider noch fehlt.

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Elektronische Lebensaspekte.