Mit dem Motus MachFive macht sich ein Schlachtschiff von einem Software-Sampler auf den Weg, diesen Markt gründlich umzukrempeln. Und das so überzeugend, dass sogar die schwach werden könnten, die bislang nicht die Finger von echten Hardware-Knöpfchen lassen wollten. Kontakt, Attack & Co - zieht euch warm an.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 78

Sample doch! / Motu Mach Five

Einen wirklich guten Software-Sampler zu programmieren, scheint schwierig. Jedenfalls bin ich mit allen mir bekannten Beispielen nicht wirklich zufrieden. Verzeihung, aber so ist es nun mal. Bei mir im Rack hängt ein EMU, drum brauch ich keine Emu. Haha. Aber schön wär’s schon. Aber Mac-seitig fällt mir nicht viel ein. Emagics “EXS24” ist total ok, aber unübersichtlich. Finde ich. Und “Kontakt” von Native Instruments stürzt mir zu oft ab. Waldorfs “Attack” ist ein toller Drumsampler, aber ich will mehr. Um umzusteigen. Will auch mal Switcher sein.
Über Motus “MachFive” wurde im Vorfeld viel gerätselt und gemutmaßt, ob das denn alles so funktionieren würde, was die Entwickler offenbar vorhatten. Tut es tatsächlich. Der MachFive scheint wirklich der Software-Sampler zu sein, auf den ich gewartet habe.

Was drin ist
Motu hat alle Funktionen des Samplers in einem Fenster untergebracht und dabei erfreulicherweise die Übersicht behalten. Zwar fallen einige Elemente ziemlich klein aus, Wellenform-Editor, File-Browser, Routing, Effekte, Filter und das Mapping der Samples aber immer im Blickfeld zu haben, stellt sich im ersten Test als sehr praktisch heraus. Samples können per Drag&Drop einfach plaziert werden, MachFive bietet verschiedene Presets für das Mapping an, die man natürlich nicht benutzen muss. Die so erzeugten Groups haben freie Dynamik- und Tastaturbereiche. Das ist alles sehr intuitiv und irgendwie erinnert mich die Bedienung sehr an die Hardware vom EMU. Die Klangbearbeitung erfolgt separat für jede Keygroup. Das sehr weiche und flexible Filter (Hoch-, Tief, Bandpass, Kamm und Bandsperre) macht die Formung von Klängen zu einem reinen Vergnügen. Moduliert wird über eine Hüllkurve. Selbst Tonhöhe und Lautstärke greifen auf eigene Hüllkurven zurück. Jeder Part kann in Hinblick auf Transponierung, Polyphonie etc. individuell eingestellt werden. Hinzu kommen zwei LFOs, die selbstverständlich zum Tempo der Host-Sofftware synchronisierbar sind.
Besonders interessant sind die integrierten Effekte. Arbeitet man mit dem MachFive, muss man zunächst keine VSTs oder AUs in den Kanal hängen. Der Soft-Sampler wird mit reichlich internen Effekten ausgeliefert, die, was Standards angehen, allesamt gut klingen und völlig ausreichen, um die Samples zu bearbeiten. Die Effekte können entweder auf die Stereosumme geroutet werden, oder aber per Aux-Weg nur auf Teile des jeweiligen Multi-Setups.

Gib mir Futter
Der MachFive läuft nicht nur auf allen erdenklichen Plattformen, sondern importiert auch alle gängigen externen Sampler-Formate, nicht nur auf Preset, sondern auch auf ganzer CD-Rom-Basis. Der Import vom EMU- und AKAI-CDs funktionierte reibungslos und komfortabel. Die kleine mitgelieferte Utility erledigt den Job fast wie von selbst. Das Mapping der Original-Presets wird ohne Probleme übernommen. Das hilft sehr, denn mit der mitgelieferten Library des MachFive konnte ich nicht viel anfangen. Allein der Bösendorfer hat mich umgehauen, ansonsten war für mich da nicht viel zu holen. Darüber hinaus hatte der MachFive im VST-Betrieb unter OS 9 komischer Weise Probleme beim Laden eigener Sounds und lud einige Presets gar nicht oder nicht vollständig. Naja, man verpasst nicht viel. Die VST-Version unter OS 9 sowie die Audio-Unit für OS X lief im Betrieb mit Logic 6.1.3 rund und ließ mich nicht im Stich. Der Prozessorhunger ist mäßig, ich konnte selbst auf meinem alten G4/533 komfortabel arbeiten. Mit von EMU-CDs importierten Sounds stieg die Prozessorauslastung allerdings deutlich. Hier wird hoffentlich noch nachgebessert. Auch vermisst habe ich Disk-Streaming. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass der MachFive bislang in der Version 1.0 (OS 9) und 1.07 (OS X) vorliegt. Ich hatte lange kein 1.0-Produkt mehr in den Fingern, das derart ausgereift und überzeugend war.

Fazit
Motus MachFive ist ungefähr so, wie ich mir den von EMU immer wieder angekündigten und mittlerweile wahrscheinlich längst wieder verworfenen Software-EMULATOR erträumt habe. Druckvoll, leicht zu bedienen, universell einsetzbar und für die Fülle der Funktionen sehr aufgeräumt und übersichtlich. Sein Preis von knapp 400 Euro geht total in Ordnung, bekommt man doch einen Sampler, den man auf jeglicher Plattform laufen lassen kann. Störend fand ich lediglich den Kopierschutz. Noch ein Dongle. Der große “iLok” speichert zwar auch die Autorisationen anderer Hersteller (z.B. Digidesign), ist aber in Verbindung mit Logic (auch Dongle) am Powerbook eigentlich schon zu groß, um wirklich in den USB-Port zu passen. Schwamm drüber. Wenn MOTU die Windows-Version wie angekündigt bald auf den Weg bringt, dürften sie den Soft-Sampler-Markt komplett für sich gewinnen.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.