Je schneller die Rechner, desto ausgebuffter die PlugIns. Zum Beispiel: der Faltungshall. Was lange Zeit nur mit teurer Hardware zu realisieren war, liegt nun als Software vor. Emagics "Space Designer" macht Logic so zum waschechten Kathedral-Hall. G5 mal vorausgesetzt.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 79

Falt die Kathedrale!
Emagics Space Designer

Die Programmierung eines Hall-PlugIns ist einer dieser berühmten Benchmark-Tests für Programmierer. Gut muss er klingen, klar, darf aber gleichzeitig die CPU nicht übermäßig belasten. Also wird berechnet und programmiert. In der Regel mit einem geheimgehaltenen Algorithmus. Der Clou oder – für bestimmte Anwendungen – das Nonplusultra ist jedoch der Faltungshall, oder auch Convolving Reverb. Hier werden echte Aufnahmen eines Raumes analysiert und berechnet, mit welchen Reflexionsmustern dieser Raum auf Schall reagiert, der in ihm abgestrahlt wird. Dieses Muster kann dann auf beliebiges Audiomaterial angewandt werden. Den Vorgang nennt man Faltungshall. Das Resultat sind einerseits viel realistischere, weil nicht wirklich emulierte, und andererseits komplett absurde Hallräume, weil das Sample – die Impulsantwort -, das als Preset herhalten muss, eben alles sein kann. Dieser freie Umgang mit dem Phänomen Hall muss man mit einem mehr als schnellen Rechner bezahlen. Warum? Ganz einfach: “Wenn Sie von einer Impulsantwort mit einer Dauer von 3 Sekunden ausgehen und damit ein Audiosignal von einer Minute Dauer in mono ausgeben, ergibt sich bei einer Abtastrate von 44,1kHz diese Anzahl von Multiplikation: 3 Sekunden (IR) x 44.100 Samples x 60 Sekunden (Audio) x 44.100 Samples = 180 x 680.683.500.000 = 122.523.403.030.000. Die Multiplikation jedes Punktes einer Funktion mit jedem Punkt einer weiteren Funktion, eine so genannte Kreuzmultiplikation, resultiert in einer Faltung in der Frequenzebene.”

Alles klar?
Mit anderen Worten. Der Rechner hat ordentlich zu tun. Dass ein Faltungshall mittlerweile in Echtzeit auf Computern zur Verfügung steht, hat auch damit zu tun, dass die Rechenvorgänge mit speziell entwickelter Optimierung ausgetrickst werden: Auf der Basis von Software ist ein Faltungshall also immer eine “Mogelpackung”. Nein, es wird euch nicht auffallen, und hiermit kommen wir zum Kern des Ganzen. Emagics Space Designer ist ein definitives Killer-PlugIn, vorausgesetzt, man hat einen blitzschnellen Rechner. Schon einige der mitgelieferten Presets brachten sowohl den G4/533 unter OS9 als auch das Powerbook G4/1 Ghz unter OS X fast zum Erliegen. Die Ergebnisse sprechen aber für sich. Mit dem Space Designer lassen sich wunderbare Hallräume kreieren, die man so noch nicht gehört hat. Dreht man das Originalsignal raus und hört nur das eigentliche Hallsignal, werden einem die kreativen Möglichkeiten voll bewusst. Aus gut unterrichteten Quellen wissen wir, dass auf einem Doppelprozessor-G5 alles rund und wunderbar läuft. Wir empfehlen: Sparschwein knacken.

Wie läuft’s denn so?
Ganz einfach. Zunächst wird eine Impulsantwort geladen. Hierbei wird unterschieden zwischen Sample oder einer synthetisierten IR, die nur auf Länge, Hüllkurve, Filter und Spread basiert. Zwischen beiden Einstellungen kann hin- und hergeschaltet werden. Über “Sample Rate” kann die Abtastrate verändert werden, wodurch sich Dauer und Frequenzgang des Nahhalls beinflussen lassen. Wählt man die halbe Abtastrate, wird der Nachhall doppelt so lang. Die Abmessungen des Raumes verdoppeln sich, gleichzeitig geht die Rechenleistung nach unten. Das sollte man im Kopf behalten. Über “Length” wird die Länge der Impulsantwort bestimmt. Auch hier gilt: Je länger die IR, desto rechenintensiver. Hinzu kommen Funktionen, die aus üblichen Hall-PlugIns schon bekannt sind: Dry/Wet-Verhältnis, Pre-Delay, außerdem ein Schalter für Latenz-Kompensation und ein EQ. Und drei Hüllkurven: Volume, Filter und Reflexionsdichte. Zwar stehen nur Attack und Decay zur Verfügung, mit Hilfe der speziellen Bezier-Kurven können aber sehr effektive Ergebnisse erzielt werden.
Richtig interessant wird der Space Designer natürlich, wenn man seine eigenen IRs baut. Der Space Designer liefert hierzu ein eigenes Deconvolutions-Tool, dass einem das Originalsignal der Hallaufnahme aus dem Sample entfernt. Hier empfehlen wir, einfach selbst Erfahrungen zu sammeln.

Fazit
Emagics Space Designer ist für viele User interessant. Allein die Presets produzieren schon ungewöhnliche und gut einsetzbare Hallräume. Im direkten Vergleich mit dem PlatinumVerb ist der qualitative Unterschied deutlich hörbar. Mit 600 Euro ist der Space Designer alles andere als billig. Diejenigen, die mit einen Faltungshall liebäugeln, werden das PlugIn aber lieben. Und haben hoffentlich auch einen schnellen Rechner. Denn: Das Hauptproblem bleibt die CPU-Belastung. Unter einem G5 macht der Space Designer im Studiobetrieb wenig Spaß. Natürlich kann man tricksen, aber ständig freezen will man ja auch nicht. Dennoch: feines PlugIn!

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Elektronische Lebensaspekte.