Mit D'cota hatte Steinberg den richtigen Riecher. Mit drei unterschiedlichen Syntheseformen und reichlich Eingriffsmöglichkeiten beeindruckt D'cota durch variablen Sound und stringente Bedienoberfläche. Nice one!
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 70

Angriff der Synthesen
Steinberg D’cota – VST Synth

Wieder mal ein neues Synth PlugIn von Steinberg, diesmal von den Programmierern des Virsyn Tera, die ja schon eindrucksvoll bewiesen haben, wie man komplexe, aber einfach zu bedienende Softwaresynths machen kann.

Übersicht
D’Cota bietet drei verschiedene alternative Syntheseformen: Analog-, Spektrum- und Wave-Impulse, für die jeweils vier frei zuweisbare ADSR-Hüllkurven und zwei über Buttons zuweisbare synchronisierbare LFOs zur Verfügung stehen. Die analoge Sektion ist mit drei Oszillatoren ausgestattet, die neben den von anderen Analogsynths bekannten Wellenformen auf sage und schreibe insgesamt 59 weitere zurückgreifen können, wie zum Beispiel Formant – , Slope- und Vokalwellenformen. Die drei Oszillatoren können per Mixer abgemischt werden. Danach kommt das Filter mit vier verschiedenen Tiefpass-, zwei Hochpass und jeweils einer Nodge- und einer Bandpass-Charakteristik, die alle sehr gut klingen. Für sie stehen die Parameter Resonanz, Cutoff, Drive, Shift und Track zur Verfügung. Schließlich gibt’s noch einen einfachen Arpeggiator in der analogen Sektion, der mit Range, Clock und Mode aber alles Nötige bietet.
Jetzt kommen wir zur zweiten Syntheseform: Spektrum lädt zum Malen ein. Hier lassen sich per Maus zwei Kennlinien zeichnen, die der Spectrum Oszillator den zwei Grundwellenformen A und B aufprägt (je 5 Presets sind abrufbar); diese können jetzt auch noch ineinander übergeblendet werden. Mit dem Raster-Parameter kann die Auflösung der Wellenformen bestimmt werden, was weitere tiefgreifende Eingriffe erlaubt. Schließlich kann noch bestimmt werden, aus wie vielen Oszillatoren der Ton erzeugt wird, was im Zusammenhang mit dem Detune-Parameter recht bombastische Soundwände erlaubt. Die dritte Syntheseform ist Wave und für glockige Sounds prädestiniert. Auch hier gibt es wieder zwei zeichenbare Wellenformen inklusive Morphfunktion, die aber das Eingangssignal für drei Kammfilter bilden. Diese sind parallel geschaltet und können gegeneinander verstimmt werden. Dazu kommt noch ein Stepsequenzer, mit dem sich Sequenzen mit Velocity, Tonhöhe und einem Controller erzeugen lassen. Das Besondere daran ist, dass sich bis zu 16 verschiedene Sequenzen pro Sound definieren lassen, die auf einzelne Tasten gelegt werden können; als Bonus gibt’s dazu sogar noch eine Shuffle Funktion.

LFOs, Hüllkurven und Effekte
Bei allen Syntheseformen können zusätzlich zwei zuweisbare und synchronisierbare LFOs und vier frei zuweisbare ADSR Hüllkurven zur Modulation genutzt werden, dazu kommt dann noch die kleine Effektsektion mit Distortion, Stereo Delay und Chorus.

Performance, Bedienung und Sound
Die Performance geht in Ordnung, nur bei exzessiver Nutzung geht der VST Performancemesser bei meinem G4/733 mal über 60 Prozent, sonst bleibt er meist deutlich unter 30 %, was bei der Komplexität des D´Cota nicht selbstverständlich ist . Die Bedienung ist trotz der Funktionalitätsfülle immer übersichtlich, auch ohne grosses Vorwissen macht es Spass, auf den diversen grafischen Oberflächen ein bischen rumzufummeln, um zu hören, was passiert. Der Sound ist extrem wandlungsfähig und kommt mit einer großen Bandbreite, was man, wenn man sich die etwas langweilig geratenen Presets anhört, nicht erwarten würde. Alles in allem das beste und variabelste Synth PlugIn, das Steinberg bisher rausgebracht hat.

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Elektronische Lebensaspekte.