Dem Namen nach ist Vokator ein Vocoder PlugIn, die integrierte Klangerzeugung und die Modulationsvielfalt macht ihn jedoch zu einem sehr vielfältig einsetzbaren Instrument.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 73

Vocoder und mehr

Native Instruments Vokator

Übersicht
Vokator kommt als Stand Alone oder als PlugIn in den Formaten VST, MAS, Audio Unit und DXi II. Per Echtzeit FFT (Fast Fourier Transformation) stehen bis zu 1024 Bänder bereit, die zusammen mit diversen Spektraleffekten und einem ausgefuchsten Modulationsrouting nicht nur Vocodereffekte mit einer sehr großen Bandbreite, sondern auch den Einsatz als Synthesizer / Sampler-Instrument erlauben. Als Klangquelle können neben einem Live Input (also einem Audiosignal, das per Soundkarte oder FX Insert / Send in den Vokator geschickt wird) auch der integrierte Synthesizer mit zwei Oszillatoren, Ringmodulator, FM, Multimodefilter und Waveshaper sowie der Granularsampler dienen, was natürlich eine Menge Möglichkeiten eröffnet.
Zunächst zur Vocoder-Funktionalität: Vokator besitzt im Gegensatz zu “normalen” Vocodern 1024 Bänder, die in Gruppen zusammengefasst werden, um sie dann analysieren und synthetisieren zu können. Funktioniert alles wie erwartet und klingt ziemlich gut. Synthesizer und Granularsampler profitieren enorm von den Modulationsmöglichkeiten des Vokator. Zunächst ist da die Morphfunktion, mit der man bis zu fünf komplette Parametersätze abspeichern kann, zwischen denen sich dann morphen lässt. Dann kann der mit Ringmodulator ausgestattete Synthesizer noch in praktisch allen Parametern mit bis zu vier LFOs und einem der beiden Stepsequenzer moduliert oder mit dem integrierten Arpeggiator mit Akkordspeicher gespielt werden, bei Bedarf geht natürlich auch beides gleichzeitig. Der Granularsampler kommt da zunächst vergleichsweise spartanisch her: Hier können “nur” die Parameter Sample Start, Loop-Länge, Pitch und Speed definiert werden, wobei sich der Pitch-Wert mit einem LFO modulieren lässt, der so die Transposition steuert. Klar, dass dann noch Filter und ADSR-Hüllkurve bestimmt sowie ein Chorus als Effekt benutzt werden können. Schließlich gibt’s noch für beide Inputs je einen Gate / Normalizer, ein Spektraleffektmodul (dessen Presets, klar, auch in den einzelnen Parametern moduliert werden können), einen Envelope Follower und ein einfaches Delay und einen kleinen Kompressor für den Output. Tut mir leid, wenn das alles ein wenig wirr und unübersichtlich klingt, aber die Möglichkeiten von Vokator sind einfach schier unerschöpflich.

Performance, Bedienung und Sound
Die Performance von Vokator hängt extrem davon ab, wie komplex die gerade verwendeten Patches sind, so dass auch einige Presets ins Stocken geraten, selbst wenn die minimalen Systemvoraussetzungen (die immerhin deutlich über denen von Reaktor liegen) erfüllt sind. Einen schnellen Rechner sollte man also auf jeden Fall haben. Die Bedienung ist trotz Parameterfülle und überbordender Modulationsmöglichkeiten einigermaßen stringent, allerdings könnte das Handbuch ein bisschen ausführlicher sein. Der Sound ist, wie immer bei NI, ziemlich gut, sehr überzeugend vor allem der Einsatz als reiner Vocoder, aber auch Synthsektion und Granularsampler können überzeugen.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.