Legendäre Synthese als PlugIn. Was der Erfinder des PPG Wave, Wolfgang Palm, heute so zaubert.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 66

Wolfgang Palm, Erfinder und Konstrukteur des Wave PPG und damit auch der Wavetable Technologie, hat nach zwanzig Jahren eine neue Syntheseform zusammengebastelt, die jetzt in Form des Synthesizer PlugIns Plex von Steinberg auf die Menschheit losgelassen wird. Die Grundidee ist folgende: Samples aller möglichen natürlichen und synthetischen Klangquellen werden analysiert und in die Komponenten Base (die unteren Harmonischen des Klangs), Top (die höheren Frequenzen), Filter (Filtercharakteristik) und Pegelverlauf (übersetzt in ADSR und LFO) zerlegt. Die so entstehenden Teilkomponenten können dann neu zusammengesetzt werden.

Oberfläche & Bedienung
Das Hauptinterface besteht aus einer Ellipse, auf der die verschiedenen Klänge verteilt sind, grob eingeteilt in drei größere Bereiche. Für die Komponenten Top, Base und Filter gibts jeweils ein buntes Icon, das auf die verschiedenen Klänge bewegt werden kann, so dass man zum Beispiel die unteren harmonischen einer Hammond Orgel mit den höheren Frequenzen eines Crash Beckens und der Filtercharakteristik eines Jupiter kombinieren kann. Die vierte Komponente besteht aus ADSR und LFO und ist über ein Pop-Up zu erreichen, kann aber noch nachträglich editiert werden. ADSR und LFO sind dabei getrennt und stehen jeder der drei anderen Komponenten separat zur Verfügung.
ADSR bietet neben Attack, Decay, Sustain und Release (jeweils aufgesplittet in einen Regler für die hohen und einen für die tiefen Frequenzanteile) noch die Möglichkeit, die Gesamtintensität der Hüllkurve zu steuern. An LFO-Wellenformen gibt es neben Sinus, Rechteck, auf- und absteigendem Dreieck noch eine frei zeichenbare. Die LFOs können bei Bedarf auch zum Tempo synchronisiert werden. Schließlich gibt’s noch die Global Sektion, die neben einem einfachen Delay und der Zuweisung des PitchBend Rads zu diversen Parametern einen synchronisierbaren Pitch LFO, Tuning und Panning bereitstellt.

Performance und Sound
An der Performance gibt es nichts zu kritisieren: Plex läuft sehr solide; auf meinem G4/733 ließen sich problemlos acht Instanzen öffnen, die bei gleichzeitigem Spielen etwa 60 % der Prozessorleistung beanspruchten.
Die zugrundeliegenden Samples sind von der Qualität her leider eher mittelmäßig und beim ersten Rumspielen vermag sich der Aha Effekt nicht so wirklich einzustellen; nach einer Weile lassen sich aber auch aus den verhältnismäßig langweiligen Grundsamples ziemlich interessante Ergebnisse rausholen. Ein Update mit qualitativ besseren und mehr Samples und der Möglichkeit, eigene Sounds zu analysieren (was bisher leider nicht geht) würde die Möglichkeiten dieser neuen Synthese erst richtig ausschöpfen. Trotzdem ziemlich spannend.

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Elektronische Lebensaspekte.