ISAN gelten seither als Meister der analogen Klangerzeugung. Wer also, wenn nicht Robin Saville und Anthony Ryan, könnten unsere neue Reihe "My Favorite Machines" besser eröffnen? Pünktlich zu ihrem neuen Album "Meet Next Life" berichten ISAN direkt aus ihren Studios.
Text: Robin Saville, Anthony Ryan aus De:Bug 79

My Favorite Machines

Robin Saville: Mein Korg MS 10
Im Profil wie ein L, reichlich geschmückt mit Knöpfen, immer ein wenig staubig und eine verdammt scharfe Kante unterhalb der Tastatur – ich wäre nichts ohne meinen Korg MS10. Ich kaufte ihn vor Jahren für £50 über eine Kleinanzeige in der Zeitung. Im Hinterzimmer eines kleinen Ladens auf der Einkaufsstraße in Southend prüfte ich ihn per Kopfhörer hektisch Probe – der Freund der Laden-Chefin war der Verkäufer.
Der Korg MS10 war schon fester Bestandteil meines Studios, bevor überhaupt an ISAN zu denken war. Und obwohl er nicht mein erster Synthesizer war, so kann ich doch behaupten, dass ich ihn über Jahre immer und immer wieder eingesetzt habe. Synths kommen und gehen, tauchen plötzlich auf, werden wieder verkauft, um Platz zu machen für neues Equipment, von dem man sich einen kreativen Kick verspricht. Der MS10 aber war immer Mittelpunkt meines Studios, an dem sich die restlichen Geräte orientierten, ein pulsierendes Herz im Zentrum eines Klangkörpers.
Er sieht aus wie ein Gerät aus einem Labor, aber sein nüchternes Äußeres birgt Klänge, die mich immer wieder umwerfen. Beschäftigt man sich ein wenig mit dem MS10, produziert er einen endlosen Strom von Klicks, Gesumme, Gebrumme und platschenden Geräuschen. Immer, wenn ich ein bestimmtes Geräusch im Kopf habe, ist der MS10 meine erste Wahl. Er lässt mich selten im Stich. Und wenn doch, dann suche ich die Schuld immer bei mir.

Ode an den Korg MS10

Oh Korg MS10
How I loved you then
I still love you plenty
But I’d swap you for an MS20
Any day.

Anthony Ryan: Mein Studio Electronics ATC-1 Tone Chameleon

Nein, das ist nicht mein ältester Synth, im Gegenteil. Gebaut ca. 1997 ist der ATC-1 ein Rack, komplett mit Midi ausgerüstet und hat jede Menge Speicherplätze für Presets. Oberflächlich betrachtet ist er also ein sehr modernes Gerät.
Öffnet man aber das Metallgehäuse und schaut sich das Innenleben an, kommt ein wahrer analoger, monophoner Synthesizer zum Vorschein. Ein Blick ins mehr als improvisierte Handbuch beweist, dass man es hier mit analoger Kraft zu tun hat: “Allow approximately 3-5 minutes for proper warm-up to assure tuning stabilisation.” Und dann die Rückseite des Geräts: Die CV/Gate-Buchsen stellen sicher, dass sich der ATC-1 auch mit wirklich alten Maschinen unterhalten kann. Das Tollste ist die spezielle Steckkarte, auf der sich die Schaltkreise eines waschechten Moog-Filters befinden – die Resonanz lässt sich bis in die unendlichen Weiten hoch schrauben. Plötzlich beginnt der Synth zu leben, ungefähr so, als ob Dr. Frankenstein den Hebel umlegt, um 1 Million Volt in das Gehirn seiner Kreatur zu schicken.
Ich liebe diesen Synthesizer, weil ich immer Angst vor ihm hatte. Seit diesem Moment im Laden, als ich zum ersten Mal eine Taste drückte: Ein riesiger, hässlicher Klang rumpelte durch meine Beine, bevor er meinen Kopf zum Schwingen brachte. “Ich kaufe den, wieviel kostet er, bitte?”
Und ich habe ihn nie wirklich verstanden – was im Inneren dieser Maschine vorgeht, lässt sich einfach nicht ergründen. Es gibt 50 Parameter, ein dreistelliges Display und sage und schreibe einen (!) Drehregler. Drei kleine Veränderungen und es gibt kein Zurück mehr. Jeder Knopfdruck, jede Bewegung des Reglers bedeutet eine Reise in eine neue Richtung.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Parallelen sehe ich mit Dr. Frankensteins Monster: Der ATC-1 hat Kraft, ist hässlich und extrem gewalttätig. Aber unter der Oberfläche ist es ein Gerät, dass nicht von Natur aus böse ist, es braucht nur ein bisschen Kinderstube, damit sein wahres Ich zum Vorschein kommen kann.

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Elektronische Lebensaspekte.