Das KAOSS-Pad von Korg ist von den Bühnen und DJ-Kanzeln dieser Welt nicht mehr weg zu denken. Rotzige Effekte und ein GUI das seinesgleichen sucht, machen es zur Weapon of Choice von Digitalpunks und allen Musikern, die es gerne etwas rauer mögen. Unsere Außendienstmitarbeiter Modeselektor benutzen es schon seit geraumer Zeit.
Text: Mdslktr aus De:Bug 84

DOPPELT HÄLT BESSER
Wie Modeselektor das “Kaoss Pad“ kennen, lieben und reparieren lernten.

Liebe Leser, heute behandeln wir das mittlerweile extrem aus der Mode gekommene STATE OF THE ART der Billigeffektgeräte. Es handelt sich hierbei um das schon fast legendäre “Kaoss Pad“ der Firma Korg.
Erstmalig erlebt haben wir das gute Stück im Sommer 2000 auf dem Interferenz Festival in der Berliner “Maria am Ostbahnhof“. Schon damals waren wir auf der Suche nach einem MC für unsere Band Modeselektor, doch dazu später mehr.
Nun gut, jedenfalls bearbeitete in jener Nacht ein bärtiger “Musiker“ namens “Lesser“ einen kleinen silbernen Kasten, der sich später als das so genannte “Kaoss Pad“ entpuppte. Mit der einen Hand ein Bier haltend und mit der anderen Hand ein orange leuchtendes Feld auf jener besagten Wunderdose brutal streichelnd.
Da standen wir nun so da und bekamen unseren Mund nicht mehr zu. “Was zur Hölle macht dieser Irre da gerade?“, fragten wir uns und versuchten, trotz des kaum auszuhaltenden Lärms herauszubekommen, warum und weshalb jener Krach so krachig war. Es musste diese geheimnisvolle kleine Dose sein, die da zwischen den Bierflaschen auf der Bühne stand.
Kurzum, es dauerte keine 36 Stunden, bis wir (noch stark vom Wochenende angeraved) uns mit exakt 850 DM pro Nase auf den Weg in eine Effektgerätehandlung machten, wo wir mit einem schroffen “Müssen wa bestellen“ abgefertigt wurden.
“So weit so gut“, dachten wir uns und schliefen erst einmal richtig aus. Nach fünf unüberbrückbaren Werktagen war es nun soweit und wir machten uns erneut auf den Weg ins Musikfachgeschäft, wobei wir dann doch nochmal am Geldautomaten halten mussten, um die 850 DM wieder rund zu bekommen.
Kurz darauf waren wir stolze Besitzer von zwei nagelneuen “Kaoss Pads“ und unser Leben sollte sich von nun an dramatisch verändern. Wir bekamen zwar nicht so viel davon mit, aber unser Umfeld (Familie, Freundin, Busfahrer usw. etc.) beklagte sich zunehmend über eine gewisse Form von Aggression, die unser bis dahin stets ausgeglichenes Gemüt heimsuchte. Wir ignorierten diese Warnungen weitestgehend und hatten nur Augen für unsere neuen Errungenschaften. Wir zerhackten, filterten, delayten, verzerrten, ringmodulierten und sampleten alles, was uns in die Finger kam. “Wow!“, was konnte man alles mit diesem Stück Plastik fabrizieren.
So viele Effekte ließen sich kinderleicht bedienen und man sah auch noch cool dabei aus. Wir fühlten uns wie Götter mit unseren Maschinen und glaubten Pionierarbeit in Sachen Sounddesign zu leisten.
Das Gerät ist sehr anwenderfreundlich aufgemacht und bietet so die Möglichkeit, es in allen möglichen Zuständen mehr oder weniger kontrolliert zu benutzen. Durch seine kompakte Größe von 9,5 Inch passt es optimal auf jeden Tisch. Der Schwachpunkt der Gerätes: Die relativ bescheidene Qualität der Buchsen ersten Geräte-Generation ließen recht schnell irreparable Wackelkontakte entstehen. Doch das Problem besteht bei der neuen Auflage des “Kaoss Pad“ wohl nicht mehr, da es jetzt von einem Alu Chassis ummantelt wird.
Jeweils zehn Filtereffekttypen, Modulationsmöglichkeiten, verschiedene Delays, Reverbs, Spezialeffekte und verschiedene “Samplezerhacker“ stehen einem “Kaoss Pad Besitzer“ zur Verfügung. Das macht dann nach Adam Riese bei einem Neuwert von 850 DM ca. 14 DM pro Effekt. Wir haben vorhin schon überlegt, alles in Euro umzurechnen, aber DM sieht geschrieben irgendwie cooler aus als EUR. Es erinnert uns immer an Depeche Mode oder Danger Mouse. Aber zurück zum “Kaoss Pad“. Wobei wir hier wieder anmerken könnten, wie oft wir schon “Kaoss Pad“ in diesem Text geschrieben haben. Ok …
Bezeichnend ist das leicht spacig wirkende Touchpad, mit dem man zwei Parameter pro Effekt stufenlos verstellen kann. Bei einem Delay kann man zum Beispiel gleichzeitig das Tempo und die Feedbackrate kontrollieren. Mit nur einem Finger wohlgemerkt. Ähnlich geht es auch mit den Filtern und dem Hall zu. Mit seinen sechzig Effekten legte uns das “Kaoss Pad“ eine neue Welt zu Füßen, glaubten wir. Zumindest für zwei Wochen, denn da verließ uns auch schon das erste dieser beiden wunderbaren Gerätschaften. Um genau zu sein, gab es den Löffel ab, bzw. riss es die Pfoten hoch oder besser noch es schwamm mit dem Bauch nach oben in unserem “Ocean of Sound“. Da standen wir wieder da und bekamen den Mund nicht zu.
Nur kurze Zeit später verabschiedete sich auch noch die zweite unserer Geheimwaffen und wir ärgerten uns darüber, nicht auf unsere Mütter gehört zu haben, die uns immer wieder einbläuten, jeden auch noch so unwichtig erscheinenden Kassenzettel aufzubewahren.
Also was machten wir? Richtig! Wir versuchten, unsere defekten “Krachmacher“ selbst zu reparieren. Wie schon gesagt, wir versuchten … Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und sie funktionieren bis heute. Zwar nur mono, aber sie funktionieren.
Tja das war’s mal wieder von uns aus der Keys-Redaktion. Gehabt euch wohl und kauft euch lieber gleich einen “Big Muff“ oder besser noch gleich zwei.

Alles Gute,
MDSLKTR.

PS: Ach ja, wir suchen immer noch einen MC, denn wir haben da ein paar Tunes für unsere im Frühjahr 2005 erscheinende Debüt LP auf der Pfanne, die noch ’ne Stimme vertragen könnten. Also wenn ihr was hört, jemanden kennt oder selber rappt bzw. singt und “50 Cent“ und “Godspeed you Black Emperor“ gleich toll findet, dann meldet euch bitte bei uns.

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Elektronische Lebensaspekte.