Die Bastardneffen der Muffins aus De:Bug 112


Wenn man sich – aus welchem Grund auch immer – von der Ästhetik von Nahrungsmitteln angezogen fühlt, weiß man, man hat etwas falsch gemacht im prinzipiell gewollt-unbürgerlichen Selbstverständnis seines Lebens. Um nun nicht in die Niederungen eines “Essen & Trinken”-Abos abzugleiten und wenigstens einen Funken von Würde aufrechtzuerhalten, lohnt es sich unter Umständen, das Artifizielle des Food Designs bis zum Anschlag aufzudrehen und sich eine Art Ikone der seriellen Nahrungsmittelproduktion am besten irgendwo im Web als persönliche Neurose zu züchten. Für mich erfüllt genau diese Funktion perfekt Cupcakeblog.com.

Cupcakes (Bastardneffen der Muffins, auch Fairy Cake genannt) sind kleine Wunderwerke der Backkunst, die man (zumeist auf moderater Temperatur) in putzigen Papierfächern züchtet und eher feierlich zeremoniell (Geburtstage sind der natürliche Überlebensraum) reicht denn als profane Nahrung. Cupcakes sind eigentlich keine Backwaren, sondern eher ein Mund voll Design, denn der häufig banale Träger des Teigs ist eher ein Vorwand, um darauf kleine optische Meisterwerke farbkonsistenter Dekorationen mit Streuseln, Glasur und sonstigen Zutaten anzurichten. Und Cupcakeblog zelebriert dieses Design-Essen alle paar Tage mit einem neuen, immer umwerfend multisensorischen Blogeintrag nebst perfekter Anleitung zur Heimkopie der P2P-Rezept-Verbreitung, dass man nach ein paar schwitzigen Wochen vorm eigenen Backofen bereit ist zum nächsten Schritt der medial-raffinierten Selbstverbürgerlichung: das Izzie-Poster für die Küche.
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Elektronische Lebensaspekte.