Nach Emagics "EXS24" und Steinbergs "Halion" legen die Kids von Native Instruments nun auch einen Software-Sampler vor. Mit reichlich Features und vor allem umfangreicher Kompatibilität auch in die Hardware-Welt will man bei Native Instruments weiter an der Marktposition von Firmen wie EMU oder AKAI sägen. Ob das funktioniert, sagt uns Benjamin Weiss.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 65

Übersicht und Aufbau

Kontakt lässt sich sowohl als Stand Alone als auch in den PlugIn Formaten VST, DXi, DirectConnect und MAS betreiben. An Sampleformaten werden momentan neben AIFF und WAV auch Akai CDs, SoundFont, Gigasampler Files, Battery und LM4 Kits, sowie MPC2000 Samples unterstützt. Beim Erscheinen dieses Artikels sollen per Update noch Halion, EXS und SoundDesigner II hinzukommen, Ende des Jahres schließlich noch EMU Support. Alle Samples werden von Kontakt in den Arbeitsspeicher geladen, wodurch zwar einerseits eine Menge RAM benötigt, andererseits aber auch das lästige und oft den ganzen Rechner in die Knie zwingende Festplatten-Streaming vermieden wird. Links befindet sich ein gut durchdachtes Browser Fenster mit Vorhörfunktion, mit dem sich Samples und Kits laden lassen. Einziger Kritikpunkt an dieser Stelle ist, dass der Browser manchmal nicht realisiert, wenn im Finder etwas hinzugekommen oder weggefallen ist, so dass man dann den Refresh Button drücken muss. Rechts daneben befinden sich Slots, die wie in einem Rack mit Instrumenten, Effektmodulen und Editoren gefüllt werden können. Um den eh schon knappen Bildschirmplatz besser ausnutzen zu können, lässt sich die Kontaktoberfläche in drei verschiedenen Größen darstellen, bei Bedarf können Browser oder Teile des Racks weggeklappt werden.

Sample Mapping und Struktur

Der Mapping Editor von Kontakt bietet alles, was man von Hardwaresamplern kennt: Hier können einzelne Zonen benannt und editiert, Überblendungen erzeugt und mit verschiedenen Anschlagsdynamiken versehen werden. Die kleinste Einheit ist dabei immer eine Zone, die nur ein Sample beinhalten kann. Zonen können dann zu Gruppen zusammengefasst werden, um sie gemeinsam zu editieren, Layers zu erzeugen oder ihnen gemeinsame Effekte zuzuweisen. Die nächsthöhere Hierarchieebene ist dann ein Instrument, dem einer von sechzehn MIDI Kanälen zugewiesen werden kann, so dass pro Instanz bis zu 16 solcher Instrumente möglich sind.

Modulationen, Effekte und Filter

Mit insgesamt 13 verschiedenen Filtern ist ein ziemlich großes Spektrum abgedeckt: neben den Standards wie Hoch- Tief- und Bandpass mit unterschiedlichen Flankensteilheiten (Tiefpass mit 36 dB kommt ziemlich überzeugend) gibt es noch den 3×2 Multimode Filter, bei dem drei separate, zweipolige Multimodefilter in fast allen Kombinationen, ob seriell oder parallel oder auch gemischt, miteinander verschaltet werden können; ein Feature, das allerdings deutlich mehr Prozessorhunger als die anderen Filter hat. Zusätzlich zu den klassischen Filtern gibt es noch einen Phaser sowie zwei verschiedene Vowel (Formant-) Filter und drei parametrische EQs (ein-, zwei- und dreibandig). Auch die Hüllkurvensektion bietet neben dem um Hold erweiterten Standard ADSR und der Variation DBD (Decay, Break, Decay 2) als Besonderheit eine frei zeichenbare Hüllkurve an, die bis zu 32 Breakpoints haben kann. Dazu kommen diverse Effektstandards wie Delays, Distortion, Flanger und Hall, die alle ihren Job recht ordentlich und prozessortechnisch anspruchslos verrichten, aber keine guten externen Effekte ersetzen.
Die Modulationsmöglichkeiten von Kontakt sind umfangreich und alle zum Songtempo synchronisierbar. Als LFO-Wellenformen stehen neben Sinus, Dreieck, Rechteck, Sägezahn und Random noch eine Multi Option, die alle anderen Wellenformen in einem einstellbaren Verhältnis zueinander mischt, zur Verfügung. Per Modulationsrouter werden Modulationsziele und -quellen einander zugewiesen, darüber hinaus können auch die Modulationen noch auf zwei verschiedene Weisen beeinflusst werden: Der Rescaler dient der zusätzlichen Änderung einströmender externer MIDI-Controllerdaten: hiermit lassen sich Werteverläufe zeichnen, anhand derer die Daten abgeglichen werden. Ausserdem gibt es noch den 32 Step Modulator, mit dem sich Sequenzen für Modulationsparameter erzeugen lassen.

Timemachine und Tonemachine

Timemachine dient, wie der Name schon zart andeutet, dem Echtzeittimestretching von Samples, so dass Loops oder auch einzelne Samples dem jeweiligen Tempo angeglichen werden können. Die Geschwindigkeit ist allerdings unpraktischerweise in der Einheit Prozent einstellbar, die Qualität des Algorithmus aber recht gut. Wie die Timemachine beruht auch das zweite Echtzeitmanipulationstool Tonemachine auf Granularsynthese, dient aber der beliebigen Änderung der Tonhöhe von Loops, ohne dass deren Länge sich unbedingt ändern muss. Mit Tonemachine lassen sich prima artifiziell eingefrorene Sounds aus eigentlich allen Tonquellen erzeugen, vor allem der Parameter Formant (zur Transponierung der Formant Position) in Verbindung mit einem möglichst kleinen Smooth Wert (Smooth dient der Glättung der entstehenden Wellenform) hat es in sich.

Mitgeliefertes

Natürlich gibts zu Kontakt noch eine mitgelieferte Library: Auf sechs CDs mit einer qualitativ guten Auswahl an Standard Samples sowohl klassischer Instrumente (diverse Strings, Pianos usw) als auch Gitarren, Drums und Keyboards. Eine ganze CD widmet sich Samples anderer PlugIns von Native Instruments wie Pro52, B4 und Absynth, dazu kommen noch eine handvoll Battery Kits für Drums.

Bedienung, Performance und Sound

Die Oberflächenstruktur ist gut durchdacht und so findet man sich in Kontakt trotz der Parameterfülle und vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten schnell zurecht. Die Performance ist stark davon abhängig, wie viele prozessorlastige Module wie Timemachine oder komplexe Modulationen verwendet werden, hält sich aber immer im Rahmen des Erträglichen, einen einigermassen schnellen Rechner vorrausgesetzt. Im Vergleich mit der Konkurrenz Halion ist Kontakt in Sachen Performance und Stabilität klar voraus, der EXS 24 hat etwa die gleichen Performancewerte, aber insgesamt weniger Editiermöglichkeiten. Die Filter und damit auch der Gesamtsound von Kontakt sind sehr gut, die Ladegeschwindigkeit geht auch in Ordnung. Meiner Meinung nach momentan der beste und umfangreichste Softwaresampler im PlugIn Format, der neben der Nutzung sehr vieler Soundbibliotheken und den Standards der Hardwaresamplerwelt auch eine gute Palette an neuen und nützlichen Soundmanipulationsfeatures wie Timemachine und Tonemachine zu bieten hat und mit vielen Modulationsmöglichkeiten glänzt.

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Elektronische Lebensaspekte.