Eine Parallelwelt mit einer Parallelwelt
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 127


Neal Stephenson
Anathem
Morrow

Überraschung. Das neue Neal-Stephenson-Buch ist draußen und alle Kritiker sind sich einig. Das ist ganz schön dick, Mann. So normiert ist die Buchkultur mittlerweile, dass allein die Seitenstärke schon ziemlich beeindrucken kann. Dabei ist das für Neal Stephenson seit einer Weile ziemlich typisch.

Die letzte Trilogie war ein Schmöker, an dem man monatelang knabbern konnte. Und ich bin durch “Anathem” auch wirklich noch nicht durch. Aber eins ist schon klar, es ist eine überraschend logische Fortsetzung des Stephenson-Oevres, wie es so blöd heißt. Bislang spielten alle Romane in unserer Welt, das ist bei “Anathem” anders. Mönche auf dem Cover und auch drinnen (Hilfe, Mönche, schon die Snowcrash-Mystik-Passagen waren gefährlich, aber keine Angst …), eine eigene Sprache mit einem langen Register, eine Parallelwelt mit einer Parallelwelt, in der die Mönche (alles Wissenschaftler unter selbst auferlegtem Technologieverbot) jenseits des Restes der Welt leben und irgendwann doch die Aliens als Erste entdecken.

Aliens! Man kann sich sehr gut vorstellen, in wie weit “Anathem” auch die Situation Stephensons beschreibt. Weggeschlossen für seine Trilogie, mit einem Füller und den Archiven einer Kultur des frühen Europas an der Grenze zur Wissenschaftlichkeit, war auch er einer dieser Mönche, die nach langer Zeit wieder kurz in die “wirkliche” Welt entlassen werden, in der sich überraschend wenig verändert hat. Und genau dieser Effekt ist es auch, den das Lesen des Buches mit sich bringt. Eine Welt, in die man eintaucht, die einen aber dennoch nicht von der Realität entfernt, sondern vielmehr eine klarere Perspektive gibt.
http://www.nealstephenson.com/anathem

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Elektronische Lebensaspekte.