Angst haben stört die Kampfhandlungen und behindert im Krieg den gewünschten Fortgang des Tötens und Eroberns nachhaltig. Deshalb werden vom US-Militär munter Kriegsroboter entwickelt, die fliegen, fahren, tauchen und töten, zu Lande, zu Wasser und in der Luft.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 69

Kein Schweiß für den Krieg
Die Robos kommen

Soldaten, die den Feind eigenhändig abstechen, totprügeln oder niederschießen, neigen aus der Sicht ihrer Kommandanten zur schlechten Angewohnheit, Angst zu empfinden und im Falle andauernder Kampfhandlungen auch noch einer gewissen Erschöpfung anheim zu fallen. Beides behindert den gewünschten Fortgang des Tötens und Eroberns im Zweifelsfall nachhaltig. Daher gehört es zu den vornehmsten Aufgaben der Militär-Technologen das Abstechen, Totprügeln und Niederschießen so zu gestalten, dass die eigenen Mannschaften dabei eine möglichst angstfreie Zeit haben. Distanzwaffen aller Art waren dabei kein schlechter Anfang, aber gegen den Automatisierungsschub, den vor allem die US-Militärs derzeit vollziehen, nur ein bescheidenes Vorspiel. In der Doktrin des Netzwerk zentrierten Krieges (NCW) werden für die “schmutzigen Jobs” (aktuelle Umschreibung eines Rüstungsmanagers für Blutspritzereien) am liebsten Roboter eingesetzt. Ein erster Ansatz dazu sind die bekannten ferngelenkten Raketen und “kluge Bomben”, die aus sicherer Höhe abgeworfen werden können. Schon fast als bewährte Systeme sind auch die unbemannten und bewaffneten Flieger (Drohnen oder “Unmanned Air Vehicle”, UAV) anzusehen, die erstmals über Afghanistan zum Einsatz kamen. Sie erlauben eine Kombination aus Raumüberwachung und sofortigem Waffeneinsatz. Dabei werden allerdings Drohnen, die als reine Aufklärungsinstrumente konzipiert wurden, nachträglich mit Waffen bestückt.

Roboter Fliegen, Fahren, Tauchen und Töten
Der nächste Schritt wurde aber auch schon längst vollzogen, als vor rund einem Jahr der erste “echte” fliegende Kampfroboter erfolgreich seinen Jungfernflug absolvierte. Das “Unmanned Combat Aerial Vehicle” (UCAV) “X-45” von Boeing ist von Anfang an als bewaffneter Kampfroboter konzipiert worden. Er kann 1,36 Tonnen Bomben- oder Raketenlast transportieren, hat einen Aktionsradius von rund 1.200 Kilometern und ist für Überschallgeschwindigkeiten konstruiert. Der Kampfroboter soll prinzipiell von einer Bodenstation aus gesteuert werden, aber auch “teilautonom” agieren können.
Auf dem Boden hinkt die Entwicklung – wahrscheinlich ob der tendenziellen Entwertung der Panzertruppen in “modernen” Kriegen – noch etwas hinterher: Das US-Militär lässt derzeit ein konventionelles Panzerfahrzeug zu einem fernsteuerbaren “Roboter-Panzer” umrüsten. Konkret arbeitet die General-Dynamics-Tochterfirma Eagle-Enterprise an einer “Roboter-Version” des mittelschweren, gepanzerten Fahrzeugs “Stryker”. “Stryker” soll autonom vorher festgelegte Strecken abfahren, mittels Kameras und Infrarot-Detektoren feindliche Stellungen in bis zu drei Kilometer Entfernung ausmachen und die entsprechenden Bilder an die Einsatzzentrale funken. Von dort soll dann auch der Feuerbefehl für die Anti-Panzer-Raketen “Javelin” kommen, mit denen Stryker bewaffnet ist. Der erste Test für dieses Szenario ist für den März geplant. Auf dem Schlachtfeld sollen die Roboterpanzer nach der derzeitigen Planung der US-Militärs im Jahr 2008 zum Einsatz kommen – ein “passender” Krieg dürfte sich auch dann bestimmt ergeben.
Während der modifizierte “Stryker” und “X-45” allerdings noch von einer Kommandozentrale aus steuerbar sind und der Feuerbefehl letztlich noch vom menschlichen Personal kommt, will die US-Marine mit U-Booten sogar noch einen Schritt weiter gehen und völlig autonome Unterwasser-Kampfroboter auch mit Torpedos bestücken. Die Navy tut das allerdings nicht nur aus Drang zur Innovation, sondern schlicht, weil die meisten Funkwellen unter Wasser nicht weitergeleitet werden und so eine Fernsteuerung nicht möglich ist. Analog zu den UAVs der Luftwaffe werden die Roboter-U-Boote UUVs (Unmanned Underwater Vehicles) genannt. In den letzten Jahren hat die Navy schon reine Aufklärungs-UUVs entwickelt, die Vorbildern aus dem Tierreich nachempfunden waren (Robo-Hechte und Robo-Hummer), von denen die ersten zur Minenaufklärung angeblich 2004 einsatzbereit sein sollen. Für 2007 wird dann ein potentiell bewaffnetes UUV erwartet, das “Mission Reconfigurable UUV” heißen soll und je nach Bedarf mit Aufklärungsequipment aller Art oder auch Torpedos bestückt werden kann. Damit der tauchende Kampfroboter seine Torpedos auch an der richtigen Stelle und in die richtige Richtung abschießt, muss er nach dem Beginn seiner Mission letztendlich völlig autonom zum Ziel navigieren und auch auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren können. Dies soll nach dem Willen der US-Navy durch nicht näher definierte “künstliche Intelligenz” geschehen – von deren Funktionieren dann wohl auch das Wohlergehen aller abhängt, die sich weiter ins Meer begeben als ein Kleinkind beim Planschen.

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Elektronische Lebensaspekte.