Trotz bestehender eigener Landesdomain wurde im Irak noch nie eine Adresse mit der offiziellen Endung ".IQ" vergeben. Die Domain liegt offiziell in den Händen einer Firma, die von den US-Behörden aus Terrorverdacht 5 Tage vor dem 11. September lahmgelegt wurden. Nicht mal Andy Müller Maguhn kann das erklären.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 69

Irak im Internet
Hamas und FBI kontrollieren “.IQ”

Das Hotel Al Rasheed gilt als bestes Bagdads. Weil dem auch schon vor zehn Jahren so war, berichtete CNN von hier aus live über die Bombardierung der Stadt, weshalb das Hotel von den US-Bomben verschont blieb. So was nennt man dann Präzisionsangriff. Am Eingang des Hotels wurde danach am Boden ein großes Mosaik von Papa Bush plaziert, über das alle Besucher rübertrampeln müssen, um in die Lobby zu gelangen. So was nennt man dann wohl eine symbolische Erniedrigung. Als solche ist wohl auch die Tatsache zu werten, dass der Irak seine eigene Landes-Domain “.IQ” hat, praktisch aber nie eine Adresse mit dieser Endung vergeben wurde. Die gleiche Schmach muss derzeit übrigens nur noch Nordkorea (.KP) ertragen. Iraks offizielle Medien sind daher unter Subadressen von “iraq2000.com” und “uruklink.net” zu finden, die Server dazu stehen ausschließlich in Beirut und werden von der Firma Transtrum verwaltet. Ob sich die CIA zum Beginn des nächsten Irakkriegs traut, hier eine dezente Operation durchzuführen, bleibt abzuwarten.

Jetzt wird’s paranoid

Auf der Suche nach der Irak-Domain stößt man erstaunlich schnell auf den US-Krieg “gegen der Terror” und militante arabische Organisationen. Die IQ-Domain gehört zunächst einem Herrn Saud Alani in Richardson, Texas, als dessen Adresse die Firma InfoCom angegeben wird, die (theoretisch) auch für die technische Vergabe der Irak-Domains zuständig ist. InfoCom wurde allerdings schon fünf Tage VOR dem 11. September 2001 vom FBI durchsucht und der Betrieb lahm gelegt. Seit dem letzten Dezember sind praktisch alle Mitarbeiter wegen typischer Terror-Unterstützungsvorwürfe in Haft. Nicht mal unser Mann bei der ICANN, der Web-Organisation, die sich um die Vergabe von Top Level Domains zu kümmern hat, Andy-Müller Maguhn, konnte übrigens bislang eruieren, wie InfoCom zu .IQ gekommen ist. Wahrscheinlich geschah dies in der Web-Steinzeit, als die ganze Veranstaltung noch von niemandem wirklich ernst genommen wurde. Pikanterweise hat InfoCom bis zum September 2001 auch die Site des wichtigsten arabischen Nachrichtenkanals “Al-Jazeera” gehostet, die damit kurz vor dem 11. September kurzfristig offline gehen musste. Neben zahlreichen anderen arabischen und muslimischen Initiativen und Vereinen hatte bzw. hat InfoCom aber noch weitere prominente Kunden: So ist die Domain “binladen.com” immer noch über die Firma registriert, wobei als Registrierender schlicht “Binladen” angegeben ist und die dazugehörende Adresse mit der InfoComs identisch ist. Hier ist allerdings nicht Osama Bin-Laden gemeint, sondern die Holding der Familie des meistgesuchten Terroristen, die sich offiziell von ihm distanziert und sich auch von InfoCom rechtzeitig abgesetzt hat. Die Durchsuchung der InfoCom-Geschäftsräume durch eine 80 Mann starke amerikanische Anti-Terroreinheit hat in der arabischen Community weltweit Proteste hervorgerufen: Verschiedene muslimische Organisationen in den USA sowie “Al-Jazeera” sprachen von einer “Hetzjagd”, die sich gegen die gesamte arabische Welt richte.

Bagger meine Schwester nicht an

Die angeblich superböse Terror-Firma InfoCom wurde als gemütliches Familienunternehmen betrieben: CEO ist Bayan Elashi, der auch technischer Ansprechpartner für die Irak-Domain ist. Vizepräsident ist sein Bruder Ghassan Elashi, der auch Vorsitzender der “Holy Land Foundation” ist, die dem FBI als Hamas-Tarnorganisation gilt und als Wohltätigkeitsorganisation jährlich zweistellige Millionenbeträge in den USA gesammelt hat, die offiziell Palästinensern im nahen Osten zugute kommen sollen. Daneben sind noch weitere Elashi-Brüder in der Firma aktiv, sowie eine Cousine, die mit dem führenden Hamas-Mitglied Mousa Abu Marsuk verheiratet ist, der sich in Syrien aufhält. Abu Marsuk hat zudem nach FBI-Angaben 250.000 USD in das Unternehmen investiert. Im Februar 2002 wurde dann zunächst Ihsan “Sammy” Elashi wegen verbotener Computer-Exporte nach Syrien verhaftet, und im letzten Dezember wurden schließlich seine vier Brüder, seine Cousine sowie ein weiterer InfoCom-Angestellter hops genommen. Gegen Abu Marsuk wurde ebenfalls ein Haftbefehl erlassen, der allerdings nicht ausgeführt werden konnte, da dieser sich weiterhin in Syrien aufhält. Die Festnahmen waren immerhin so wichtig, dass US-Justizminister John Ashcroft sie persönlich vor der Presse bekannt gab. Den Angeklagten warf er unter anderem vor, illegal Computer und Computerteile an Libyen und Syrien geliefert, Geld für die Hamas gesammelt und gewaschen, sowie Gelder an unbekannte Empfänger im Jemen transferiert zu haben. Praktisch läuft die Situation also darauf hinaus, dass die Irak-Domain einer Firma gehört, die schon vor eineinhalb Jahren von den US-Behörden lahmgelegt wurde, was eine Vergabe entsprechender Adressen unmöglich macht. Theoretisch kann sich selbst in den Internet-Auskennerkreisen bislang kein Mensch auf das Kuddelmuddel einen Reim machen.

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Elektronische Lebensaspekte.