Zwischen "Emma" und "Girls like us"
Text: Jan Joswig aus De:Bug 127


Nach Riot-Grllz, Flygirls, Chicks on Speed und Stringtangas für Männer ist klar, dass der (Post-)Feminismus längst in einem Hedonismus angekommen ist, der Kampf und Konsum zusammendenken kann. Aber das deutsche Magazin dazu gab es bisher nicht. Missy will zwischen ”Emma“ und ”Girls like us“ die alten Debatten nicht aufgeben, sie aber von aller Verknöcherung befreien. PorNo heißt PorNett, Männer sind keine Schweine, sondern ”das andere Geschlecht“ und Kochrezepte und Vibratortipps liegen sich in den Armen.

Im Tonfall gerät es manchmal etwas zu sehr in Richtung Stärkung der Truppenmoral, schon wenn im Editorial Missy definiert wird als ein Magazin, ”dass wir … mit dem Gefühl zuklappen, dass wir super sind, alles erreichen können und jetzt sofort damit anfangen müssen“. So eingeschüchtert ist heute doch keine Frau mehr. Und ob Frauen nur Musik von Frauen hören wollen, wie der Review-Teil nahe legt, bezweifle ich auch. Aber im Heftganzen dominiert ein neugieriger Lifestyle-Ton, der Aufklärung über das gute Leben als Frau und die Inszenierung dieses guten Lebens gleichermaßen unter Rubriken wie ”Lieblingsstreberin“ oder ”Untenrum – Neues aus der Intimzone“ angeht.

Mit Yo Majesty, Christiane Rösinger, Gilmore Girls oder Dietmar Dath beziehen sie Position im Mainstream des Undergrounds, machen aber ihren speziellen Punkt klar und gehen darüber hinaus selbst auf Entdeckungsreise. Und mit der Entscheidung, weibliche Nerds als neue Stilikonen zu lancieren, beweisen sie, dass sie keinerlei Quoten-Nische brauchen und den Riecher vorne im Wind haben. Denn dieses Rolemodel entdeckt auch gerade die Gender-gleichgültige Lifestyle-Presse.
http://missy-magazine.de

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Elektronische Lebensaspekte.