Hinter dem Label 200 von Kai Sasse und Dirk Middeldorf steht der klassische Giving-back-Gedanke: der Szene etwas zurückgeben, die einem so viel schöne Musik und so viele gute Partys beschert hat. Gute Musik teilen, gemeinsam Spaß dran haben.
Text: Jan-Peter Wulf aus De:Bug 135

2001

Anfang 2009 legten die beiden Freunde den Grundstein für ihr lange gehegtes Vorhaben: 200 wurde als Label für Vinyl- und Digitalreleases ins Leben gerufen. Im Fokus steht Techno, der auf dem Dancefloor aufgeht. Platten für den Club, mit gerader Linie, präzisem Bass und knackiger Snare, Köln-Sound in bester Tradition. Zwei Releases sind bereits draußen: “Libido 200“ von Raucherecke und “Too Slow“ von Sarah Goldfarb. Raucherecke besteht aus den Jungspunden Sebastian Habben und Joschka Tschirley, die eigentlich aus dem HipHop- und Graffiti-Umfeld kommen, sich 2007 aber entschlossen haben, aus ihrer WG (der Raucherecke) heraus Techno zu machen.

Gute Idee, denn Libido 200 mit seinem kontemplativen Streicher-Break in der Mitte ist ein Stück zum Liebhaben. Ebenso gefällt “Too Slow“ von Sarah Goldfarb alias Jean-Vince Luccini aus Marseille, der mit bereits vier Veröffentlichungen auf Treibstoff und einem Release auf Trapez seinen Claim in der Domstadt abgesteckt hat. Mit seinem “Breaking Down-Remix” (eigentlich gar kein Remix, sondern inspiriert von der gleichnamigen Nummer der New-Wave-Kapelle Trisomie 21 aus dem Jahr 1983), “Billie Jean Vince” und “The Circular Limit” liefert er drei sehr unterschiedliche Entwürfe von Techno ab – groovy, finster, elliptisch.

VÖ Nummer drei erscheint in diesen Tagen: Alerion/Purpur, wunderbar herbstlich-melancholische, mit sanfter Spannung operierende Stücke von BlackIsBeautiful aka Ümit Han und Tim Dicke aus dem Ruhrgebiet. Ümit hat zuvor schon auf Meerestief, Karmarouge und Harthouse Digital releast und geremixt.

2002

Gemeinsam stehen sie als überaus knuffiges Duo auf den Dortmunder VRSTCK-Partys hinter den Decks und sind seit dem Frühsommer mit ihrem ausschließlich analogen Gerätepark auch live unterwegs. Als letztes Release in diesem Jahr sollen kurz vor Weihnachten die Purpur-Remixes von Einmusik und SCSI-9 in die Läden kommen.

200 erleb- und greifbar zu machen, ist Dirk und Kai sehr wichtig. Eigene Veranstaltungen sind deswegen fester Bestandteil des Konzepts. Dirk: “Als wir mit den Partys anfingen, gab es in Köln gerade ein großes Vakuum, weil das Gewölbe im Westbahnhof geschlossen wurde und sechs Partyreihen auf der Straße standen. Dadurch haben wir mit 200 von Anfang an viele Leute erreichen können.“ Mit dem ersten Release gestartet, findet der “200 Club“ ab sofort monatlich statt, jeweils am vierten Freitag. Location ist das Studio 672, lange Zeit Austragungsort der legendären “Total Confusion”-Reihe von Kompakt. Dirk legt schon seit 1996 auf und steht natürlich auch hier hinter den Decks, dazu gesellen sich Freunde wie André Kraml von Firm oder Graziano Avitabile, der für Release 003 auch einen funkigen Remix von Alerion beigesteuert hat.

Und dann gibt es da ja noch das 200 Radio: Hier schickt Dirk zusammen mit Robert Hartwig fast jede Woche alte und neue Techno-Nummern über den digitalen Äther. Die Tracks werden mit sympathischem Hobby-Moderatorenstil vorgestellt, befreundete Künstler und Netlabels werden zu den Sendungen eingeladen oder besucht. Zusammen wird dann Bolognese gekocht, White Russian getrunken und eben Radio gemacht. Und das schon seit Anfang 2007, man steht kurz vor der 110. Ausgabe. Eines kann man 200 insofern garantiert nicht vorwerfen: das mit dem Giving-Back-Gedanken nicht ernst zu nehmen.

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Elektronische Lebensaspekte.

One Response

  1. » 200 in der DE:BUG 200

    […] der aktuellen Ausgabe der DE:BUG hat Jan-Peter Wulf eine schöne Story über unser Label gemacht. Das Interview ist auf einer Bootstour mit den Vrstck-Leuten in Dortmund […]