Text: nico haupt aus De:Bug 29

Du sollst essen, was auf dem Tisch riecht! Functional Food Man unterscheidet schon seit längerem mehrere Varianten von Functional Food. 1. Dietary Supplements, das sind Diätergänzungen. 2. Functional Additives, was übersetzt werden könnte mit: funktionale Organergänzungen. 3. Proteine Forms, künstliche Proteine, klar. Es ist unvorstellbar, aber der Markt für Functionals expandiert ständig weiter. Amerikaner haben derzeit grosse Probleme, ihre genmanipulierten Lebensmittel in Europa abzusetzen, da diese ihrer Meinung nach zu einseitig aufgeklärt sind. Tatsächlich ist die Grenze zwischen Artificial und Genetic Food manchmal überschritten. Europa ist aber prinzipiell, was die Forschung betrifft, genauso weit vorne. In Skandinavien gibt es bereits seit längerem die Firma Olistad, die Joghurt verkauft, der ein Sättingungsgefühl erzeugt, in der Neurobiologie arbeitet man an künstlichen Peptiden, die im Gehirn gar kein Hungergefühl erzeugen können, und die Schweizer Firma Novartis ist einer der führenden Aktiengesellschaften für Individual Proteine Food. Ein Einsteiger für Func-Junkies ist sicherlich die Diätsucht. In Amerika boomt derzeit wieder der Schönheitswahn. In Grossanzeigen wird für kostenlose Beratung bei den sogenannten 1-800 Nummern geworben für Laser, die einem die Haut wegätzen. Es gibt zahlreiche Webseiten für gesunde Ernährung und mehrere TV-Spezialchannels, die sich nur mit Ernährung, Kosmetik oder gesundem Wohnen beschäftigen – 24 Stunden lang. Auch das Culinary Institute of America in Hydepark in New York beschäftigt sich seit längerem mit dieser Thematik. Irene Chalmers, einer der Kolumnisten, meint, prinzipell kann das Essen heutzutage mehrere “Texturen, Konsistenzen oder verschiedenen Geschmack” annehmen. Essen, das wabbelig schmeckt statt crunchy, oder umgekehrt. In den USA gibt es zahlreiche Firmen, Institute oder einzelne Wissenschaftler, die Functionals herstellen oder auch kommerziell vertreiben. M. Aaron Benjaminson in Selden, New York arbeitet an Essen, das grundsäzlich nicht aus tierischen Elementen hergestellt wird. Es wurde bereits ein Vertrag mit den National Aeronautics und der Space Administration abgeschlossen, um “Systeme” für wissenschaftliche und kommerzielle Raumfahrtbemannung zu entwickeln. Hierbei geht es um einen geregelten Muskelaufbau und den perfekten Hormon- und Ernährungsmix (Nutrition). Polymerwissenschaftler der River Ranch Fresh Foods in Salinas, Kalifornien arbeiten bereits an Essen, das sogar auf eine perfekte Abstimmung zwischen Sauerstoffzufuhr und Dioxiden achten soll. Wie bereits erwähnt, nimmt das Essen hierbei mittlerweile nicht nur unterschiedliche Formen, sondern natürlich auch Farben, Geschmack oder Konsistenzen ein. So können eckige Nudeln schmecken wie Reis, oder umgekehrt. Im Bereich der Olfaktorik (Geruchsforschung und Reproduktion) ist es sogar prinzipell möglich, dass mit den entsprechenden Erinnerungskapseln Schokolade nicht nur salzig schmecken soll, sondern tatsächlich nur aus der “Erinnerung” als salzig empfunden wird. Doch das ist vielleicht das drastischste Ende des Tunnels. Functional Configured Meal- als Gimmick jedoch überall in den Läden: Blaue Chips, Rosa Kuchen, das kennen wir aber auch schon aus unserer Kindheit- künstliche farb- oder Geschmacksstoffe, die später bei Gummibärchen, dem Slimi oder Zimtkaugummi verboten wurden. Nun werden harmlosere Varianten nach und nach wieder eingeführt. Food Science ist ein Spezialgebiet von Theodore P. Labuza der Universität von Minnesota. Er glaubt, dass der Supermarkt von morgen mehr und mehr ein Gesundheitsstore wird, in dem man mit den entsprechenden Scannern in Sekunden seine Spezialernährung zusammengestellt bekommen kann. Im letzten Jahr haben die Amis laut dem Nutrition Business Journal (San Diego) etwa 13,7 Milliarden $ für Diätessen ausgegeben, dies beinhaltet auch künstlich erzeugte Produkte. Etwa 800 Millionen entfielen dabei auf Sportpräparate. Das Militär arbeitet schon seit Jahrzehnten unter Ausschluss der Öffentlichkeit an der perfekten Pille für die ideale Tagesration. Doch die Commercials sind schon längst im Kommen. Neben dem Olistad-Joghurt kam im Mai in den Staaten die Magherine Benecol raus, die Herzkrankheiten mindern kann. Grant Ferrier vom NBJ glaubt, dass der Anteil von Functional Food Stuff im Jahre 2020 auf 34 Millionen $ ansteigen wird. Novartis wird sicherlich einer der Marktführer bleiben. Die individuelle Proteinmischung steht dabei ganz vorne, künstliche Moleküle, die Appetit erhöhen oder mindern, sind direkt dahinter. Die Forschung bemüht sich um eine gezielte Aufklärung, was nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Dabei kommt es zu den absurdesten Kombinationen. Ganz weit vorne ist die Loma Linda University School of Medicine. Sie haben jetzt genmanipulierte Kartoffeln hergestellt, die Cholera Toxin-Elemente beinhalten, die als resistente Giftstoffe jedoch wieder positiv reagieren sollen: Sie weisen Cholerabakterien ab. Wird es also bald dioxinhaltige Nudeln geben, die Krebs verhindern werden? Oder ozonhaltige Sonnencreme, die nach Banane schmeckt und Ozon abwehrt? Reicht es, mein Trashmüsli zu mir zu nehmen, damit ich in ein paar Tagen wieder ein ungesundes Steak essen darf? Da wünschen wir für heute guten Appetit. By the way, der genmanipulierte Schokoriegel Butterfinger, der in Deutschland wieder vom Markt genommen wurde, sorgt leider für keine zusätzliche Proteinbindungen und schmeckt immer noch ekelhaft süss!

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Elektronische Lebensaspekte.