Wenn man mit einer Vergangenheit aus feministischer Kunst und Depro-Musik bestraft ist, dann will man den New Yorker Hintergrund nutzen, um ganz kühl mit viel Gefühl ohne Klischees das Paar-Songwriting auf Post-Elektroclash-Höhe zu treiben. Gebongt.
Text: Verena Dauerer aus De:Bug 80

Die 80er auf der Beziehungscouch
Neulander

Der Name des Duos, Neulander, klingt nach nicht klarer Verortbarkeit. Es gibt aber sichere Hinweise. Ein Tipp: Kunstkontext aus New York mit 80er-Verwurzelung. Das Eigentliche ist, Neulander stehen mit ihrem Debutalbum ”Smoke + Fire“ für elektro-akustischen Pop, dessen universeller Gefühlsmodus viel mehr anrührt als eine Tafel Schokolade auf ex.

Was das Zweierprojekt tut und wie, lässt sich aus dem Background der beiden erklären. Adam Peters ist der ehemalige Keyboarder von Echo And The Bunnymen und werkelte im britischen Vieleck zwischen Siouxsie And The Banshees, Beth Orton und Lloyd Cole. Die Österreicherin Korrinna Knoll kommt von der Hamburger HFBK und war anfang der 90er Teil der Künstlergruppen ”Frauen + Technik“ und ”-innen“. Sie trafen sich in New York und nach drei verbandelten Jahren war das Gefühl da, auch zusammen zu arbeiten.

Neulander sind weder kitschig noch naiv. Aber herzergreifend, weil sie ihre persönliche Haltung aus den 80ern weitergetragen haben und nicht hergeben wollten für Zynismus, Minimalismus, Verwirrtheit. Eine präventive Methode vielleicht, wenn man morgens aus dem Fenster auf das NY im permanenten Ausnahmezustand guckt, bevor man sich mit den Gerätschaften ins Studio aufmacht. Ins Studio: Neulander sind nicht für Heimgemachtes auf dem Laptop, alles muss haptisch bleiben mit elektrischem Cello, Gitarre und Keyboards. Altmodisch aufgenommen in einem Zimmer mit einem Mikro davor gestellt. Adam erklärt das in etwa so: ”Ich muss es im Raum irgendwie fühlen können.“ Es fühlt sich dann an nach Glücklichkeit, ein ganz wenig auch nach Sehnsucht und Melancholie. Da bleibt man sprachlos, weil die Post-Wave-Melodien samt schrabbeliger Beats mit ihrem Wiederkennungsfaktor so selig lächeln wie der Sonnenschein. Artikulieren lässt sich sowas nicht: ”It’s just there“, sagen sie bloß. So einfach ist das. Aussehen tut das beim ersten Track ”Sex, God + Money“ des Albums, als wenn der Himmel nach einem handfesten Gewitter aufbricht, die Luft klar ausgedünnt ist und ein sanftes Strahleblau durch die grauen Restwolken durchzackt. Oder auch: ”Menschen sind nicht sehr verschieden, wir teilen etwas physisch und emotional. Ein wunderschöner Sound, eine Melodie zusammen mit dem Wort haben in mir eine Resonanz. Wenn du mit einem ähnlichen Hintergrund aufgewachsen bist, mit einer bestimmten Kultur im Hinterkopf, dann gibt es auch bei dir einen Wiederhall. Das ist wie bei einem Gedicht. Sobald du es gelesen hast, glaubst du, die Worte schon immer gekannt zu haben“, sagt Adam.
In das Stimmungskonzept passt auch, die Lyrics etwa von einem afrikanischen Folksstamm zu übernehmen wie bei ”Flying“. Oder salopp gerade frei schweifende Wörter wie Dias an die Wand zu werfen. ”It just sounded right to us“, sagt Korinna dann über ihre Aufzählungen wie beim Albumtitel ”Smoke + Fire“ oder noch mehr bei ”Sex, God + Money“. So viel Unbekümmertheit ist toll, wenn sie die Worte mit einem Universum hinter sich so leicht als Erklärung für alles gebrauchen. Es fühlte sich halt danach an, und das sehr schön.

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Elektronische Lebensaspekte.