Wieder einmal ist es soweit: Eine neue GenerationNext-Generation-Spielkonsolen steht ins Haus. Auf der wichtigsten Spielmesse der Welt, der E3 in L.A., ist also Hardwarewettrüsten angesagt.
Text: Nils Dittbrenner & Heiko H. Gogolin aus De:Bug 94

Next-Next-Next-Generation Konsolen

Als Gamer mittleren Alters hat man über die Jahre schon viele Plattformen kommen und gehen sehen und wird dementsprechend etwas Hype-resistenter. Den üblichen Heilsversprechen über neue Gameplay-Dimensionen zum Trotz kommen in der Regel keine Neuordnungen über Nacht. Vieles wird auch auf den neuen Konsolen wie gewohnt bleiben. Sichtbar ist zunächst das Visuelle, und das wird zweifelsohne allererste Sahne. Trotzdem mehren sich die Stimmen, dass langsam aber sicher eine kritische Sättigung erreicht sei – weniger im Sinne einer potenziellen Leistungssteigerung, denn Spielraum nach oben bleibt immer, sondern eher in der Relevanz des Faktors Optik für den Massenmarkt. Für das Gros der Käufer spielen die feinen technischen Unterschiede eine immer geringere Rolle. Auch in der aktuellen Generation wurde mit der PlayStation 2 die technisch schlechteste Plattform die mit Abstand am weitesten verbreitete Hardware. Entscheidend ist vielmehr die Software. Dass hier zunächst auf die üblichen Verdächtigen im Bereich der altbewährten Konzepte und Charaktere zurückgegriffen wird, überrascht wohl niemanden: Neuaufgüsse von Mario, Halo, Gran Turismo, Zelda, Metal Gear Solid oder Perfect Dark sind schon angesagt. Ob die Hersteller zugleich auch neuartige Spielkonzepte aus der Taufe heben, bleibt noch offen.
Nintendos Revolution stellt vollmundig nichts Geringeres als die ebensolche des Videospielens in Aussicht. Von dem, was man bis jetzt darüber weiß, wird sie ihrem Namen allerdings noch nicht gerecht. Überraschungen sind aber definitiv noch zu erwarten. Die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass Nintendo mit einem neuartigen, stark vereinfachten und intuitiven Controller Menschen an das Videospielen heranführen möchte, die im Moment noch gar nicht daran denken. Es dürfte auf jeden Fall die billigste, kleinste und leiseste Konsole der neuen Generation werden. Billiger als eine Grafikkarte, kleiner als der Mac Mini, quasi lüfterlos? Au ja. Auf den anderen beiden Plattformen profitieren neben der Grafik vor allem die Bereiche Physik und Künstliche Intelligenz von der immensen Rechenleistung. Sony geht hier mit gleich acht parallel geschalteten 3,2 GHz Cell-Chips und Blu Ray an den Start. Die ersten gezeigten Demonstrationen waren auf solch einem Niveau, dass selbst Gameplay-fokussierten Naturen der Kinnladen runterfiel. Dass alle drei Geräte online-fähig, mit Headset und Kamera ausgestattet sowie komplett kabellos sein sollen, versteht sich fast von selbst.

Die Xbox 360 wird dabei als erste Konsole überhaupt auf allen drei Kernterritorien, Japan, USA und Europa, zeitgleich das Licht der Welt erblicken, und zwar noch diesen November. Nachdem Microsoft bei der ersten Xbox vor allem draufgezahlt hat, soll die neue Hardware endlich Kohle in die Kasse fließen lassen. Ihr Look ist wesentlich lässiger als das aktuelle, leider etwas protzige Modell. Sie lässt sich wie seine neuen Kollegen sowohl waagerecht als auch hochkant platzieren. Ihr fehlt es äußerlich eventuell ein wenig an distinktivem Charme, dafür dürfte dieses Design vor allem weniger Japaner abschrecken als vorher. Wurde das erste Gerät bewusst als pure Gaming-Maschine angepriesen, um sich bei den Hardcore-Spielern ein erstes Standbein zu erarbeiten, setzt der Nachfolger ebenso wie Sonys dritte Playstation auf den Mehrwert im Wohnzimmer. Inwieweit diese kabellose Kommunikation mit PC, MP3-Player oder Digitalkamera nicht auf proprietären Standards stattfindet, bleibt noch zu entdecken. Die etablierten Xbox-Live-Kanäle bieten Chatting- und Conferencing
-Dienste über die verfügbaren Schnittstellen, Add-Ons für Spiele, Blabla on Demand – Vielleicht werden längst geträumte Business-Modell-Visionen letztendlich doch noch wahr? Der Vorteil: Alles läuft über einen Kanal und funktioniert einwandfrei. Der Nachteil: Man muss sich eben diesem Kanal ausliefern. Pessimisten sehen in der Rundum-Personalisierung die Geburt des durchsichtigen Gamers.
Auch wenn sich wieder einmal weitaus nicht so viele Dinge wie versprochen ändern werden, freuen wir uns freilich wie Schneekönige auf die neuen Geräte. Allein schon aus den kleinen, pragmatischen Gründen: Endlich ist z. B. Schluss mit Kabelwirrwarr bei Controllern! Die in Aussicht gestellte Abwärtskompatibilität aller drei Konsolen versöhnt darüber hinaus glückliche Besitzer der aktuellen Next-Generation. Auf ein Neues!

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Elektronische Lebensaspekte.