Lange hat Native Instruments keinen reinen Synthesizer mehr entwickelt. Mit Massive stehen die zeichen jetzt auf Revolution. Wenn der Rechner es packt.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 108

Musiktechnik

Massive
Rough, dick und fett

Übersicht
Massive ist so etwas wie ein halbmodularer Softsynth mit drei Oszillatoren, Wavetablesynthese und zwei Filtern plus Noisegenerator, die in einer umfangreichen Routing-Matrix durch zwei Inserts mit Effekten geschickt und mit bis zu vier Modulationshüllkurven und zwei LFOs moduliert werden können. Darüber hinaus können noch ein Stepsequenzer und ein sogenannter Performer zur Modulation genutzt werden. Am Ende der Signalkette stehen dann noch die zwei Mastereffekte, der Amp und der EQ. Diese bieten diverse Chorus-Möglichkeiten und Flanger, außerdem noch Röhrensimulierer wie Brauner Tube und Tele Tube, die für satte Verzerrung sorgen, was ja eigentlich auch der Amp tut, man sieht schon, aus der analogen Welt abgeleitete Verzerrung ist integraler Bestandteil vom Massive-Sound. Auch die Parameter sämtlicher Effekte können von allen möglichen Quellen moduliert werden.
Naturgemäß ist Massive auch gleich mit umfangreicher Kore-Unterstützung ausgestattet, die Sounds werden im entsprechenden Format abgespeichert und die acht Macros passen ja auch irgendwie ganz gut zu den acht Drehreglern, die die Kore Hardware hat. Die Macros können verschiedene Parameter gleichzeitig steuern. Damit man nicht so schnell die Übersicht übers Modulations-Gewitter verliert und einigermaßen nachvollziehen kann, was wovon und in welcher Intensität moduliert wird, gibt es farbige Ringe um die Drehregler. Gelb steht dabei für eine Macrozuweisung, blau für die Hüllkurven und grün für die LFOs.

Performance, Bedienung & Sound
Performanceseitig ist Massive eher von der sehr hungrigen Sorte, was unter anderem mit der Stimmenverwaltung zusammenhängt, aber wohl auch mit den aufwendigen Berechnungen zu tun hat. Dafür lassen sich aber auch sehr interessante und vielfältige Sounds basteln, die weit über das hinaus gehen, was die mitgelieferten Presets so erwarten lassen. Das Routingsystem ist wirklich ziemlich ausgefuchst und erlaubt diverseste Feedbackschleifen.
Die gut funktionierende Kombination von Übersichtlichkeit bei gleichzeitiger Komplexität erlaubt konzentriertes Detailfummeln ebenso wie intuitives Loslegen.
Gut gefallen haben mir auch die Macros, die in der Automationsliste praktischerweise immer unter den ersten acht stehen und sehr gut einsetzbar sind, um Sounds schnell auf unerwartete Weise zu modulieren, eine Sequenz in die nächste kippen zu lassen oder auch völlig in Einzelteile zu zerlegen. Der Klang ist druckvoll und manchmal etwas rough, aber sehr vielseitig. Insgesamt vielleicht nichts komplett Neues, aber die geschickte Kombination von Bewährtem mit guter Bedienbarkeit und einem überzeugenden Klang.

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