Felix Eder ist eine Hälfte der Dirt Crew. Als James Flavour begann er 2002 auf Highgrade, später auf Brigue Rouge Platten zu releasen. Gemeinsam mit Peter Gijselaers entwickelte er seinen Sound in das Grenzgebiet von Deephouse, englischem Rotz und einem generell großen, mächtigen Sound, der eher oldschool-ravig als deutsch minimal ist.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 101


Mit Releases auf MBF, Moodmusic und ihrem eigenen Label “Dirt Crew Recordings” sind sie seitdem in aller Munde. Die Compilation “The First Chapter” fasst die aktuell wichtigsten Tracks ihrer gemeinsamen Geschichte zusammen. Für Debug erklärt Felix, was man beim Mix im Studio beachten sollte, damit auf Platte alles gut klingt.

Debug: Als ihr beide angefangen habt, gemeinsam Musik zu machen, hattet ihr beide schon Solo-Produktionen hinter euch. Dirt Crew war im Gegensatz zu euren Solo-Sachen von Anfang an Computer-basiert. Warum.

James: Das war so ein schleichender Prozess. Ich habe mit Hardware angefangen, MPC, ganz klassisch, Mackie Mixer, ein paar Outboard-Effekte, fertig. Nach und nach hab ich die Synths dann wieder verkauft, habe mit Logic angefangen auf dem Powerbook. Mittlerweile steht hier ein G5 mit ordentlichem Monitor, damit ich nicht immer so krumm auf dem Stuhl sitze (lacht). Es hat sich mit der Zeit immer weiter verfeinert. Meine ersten Boxen haben mir Freunde geschenkt, mittlerweile habe ich gute Monitore. Der Vorteil des Computers ist, dass man alle Komponenten der Produktion kompakt vor sich hat. Die aktuellen PlugIns klingen gut und warum soll ich mich mit anfälligen Geräten rumschlagen, wenn ich alles auf Knopfdruck vor mir haben kann? Verkabeln war gestern, es geht heute alles viel schneller.

Debug: Engineers aus der Mastering-Branche sagen, seit es normal geworden ist, am Rechner zu arbeiten, sei das Material, das im Mastering-Studio angeliefert wird, oft schlechter als zuvor. Vor allem weil die Musiker das Mastern auch noch gleich mit übernehmen. Wie macht ihr das?

James: Wir sind da sehr vorsichtig. Wir lassen alle unsere Releases vom selben Engineer mastern. Damit gewinnst du schon mal. Über mehrere Releases baut sich da ein Vertrauensverhältnis auf und der Engineer weiß auch, wie die Künstler es haben wollen. Die Versuchung ist enorm groß, in Programmen wie Logic die Tracks gleich fertig zu machen. Kompressor hier, Limiter da, dann sieht die Wellenform im Rechner schon laut aus und der Pegel steht beim Maximum von 0 dB. Hat man das gemacht, kommt man aber an die Musik beim Mastering gar nicht mehr ran, das Stück ist “tot”. In der Regel hat man als Musiker weder die Mittel noch die Ohren, um das gut zu machen. Dafür gibt es ja professionelles Mastering. Wir belegen Spuren höchstens mit einem ganz leichten Limiter, immer so, dass die Spur noch Dynamik hat.

Debug: War das immer so? Habt ihr klassische Anfängerfehler gemacht?

James: Bestimmt. Man muss sich an die Studio-Umgebung gewöhnen, seine Boxen gut kennen. Im Idealfall macht man Mixe und hört sie sich im Club oder zumindest auf einer sehr großen Anlage an, geht dann wieder ins Studio und korrigiert.

Debug: Was sind deiner Erfahrung nach klassische Fehler?

James: Ganz klar die Bassdrum zu laut oder die HiHats zu scharf. Aber man lernt schnell. Entweder von Mitmusikern oder auch, wenn man beim Mastering dabei ist.

Debug: Was rätst du Musikern, die vor dem Schritt zum ersten Release stehen? Was sollte man auf jeden Fall vermeiden?

James: Generell vorsichtig mit allen Effekten umgehen, vor allem Reverb und Delay. Eher wenige Elemente im Track und die besser herausarbeiten, im Stereo-Bild verteilen, das macht den Mix breiter. Wenige Elemente erleichtern es, den Überblick zu behalten. Und ganz wichtig: nicht bis Anschlag komprimieren. Wenn man dann jemanden hat, der gut mastert, und dann noch jemanden, der das Master auf Vinyl schneidet und sich mit der Art Musik auskennt, dann kann eigentlich nichts schief gehen.

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Elektronische Lebensaspekte.