Text: anton waldt aus De:Bug 28

Getunete Gameboys Pocket Noise Lo-ser Eine digitale Begegnung: Nano Loop aus Hamburg und die Pocket Noise Lo-ser aus Wien sind sich neulich über den Weg gelaufen und da beide Gruppierungen auf dem gleichen Weg die Weltherrschaft erringen wollen, wurde nach einer angemessenen Zeit des misstrauischen Beäugens ein Pakt geschlossen. Waffen der Wahl sind getunete Game Boys und Killermunition kratziger Spielhallen-Funk, der Norden hat das Sequenzer-Problem besser im Griff, aus den Tiefen des Kontinents kommt die abgehangenere Sample-Verwaltung und -Bearbeitung. Mit der sicheren Aussicht auf baldigen Ruhm hängen die Game Boy Lo-ser extrem entspannt im DE:BUG-Büro und halten sich an Bier und Jägermeister schadlos. Da es zum guten Ruf der DE:BUG gehört, aus jedem neuen BUMM! eine bahnbrechende Neuerung zu destillieren, die mindestens so gründlich die abendländische Kultur umkrempelt, wie Mama die Bügelwäsche, sagen wir jetzt, dass mit der Game-Boy-Welle die GUTE Oldschool in die elektronische Musik zurückkehrt, weil endlich wieder die Maschinen den Sex mitbringen und eigentlich auch alles selber machen, wenn man die Programmierungs-Kurve vernünftig genommen hat. Ausserdem hat uns alle der Game Boy selbstredend schon nächtelang wachgehalten, als sein Gehäuse noch grau war. Dann war ein halbes Jahr jeder Traum von Tetris-Melodien unterlegt und deshalb muss man hier auch gar nicht lange lästig über Musik schreiben, auch wenn kein Bit oder Bleep in der Kiste auf dem gleichen bleibt, wenn die Pocket Noise Lo-ser sich eines Game Boys angenommen haben. Und dann treffen sich im GB-Movement auch noch die verschiedenen Open Source- Ideen des frühen Techno und der Linux-Praxis der Netze. Pocket Noise Lo-ser: “Am Anfang habe ich meiner kleinen Schwester den Gameboy geklaut, dann einen Gig gespielt. Mit einer Menge Gitarreneffekte aber ohne Sequenzer. Dem Publikum hat das nicht gefallen, die wollten uns eher die GBs aus den Händen reissen. Dann war klar, dass wir da was machen müssen – uns hat das nämlich sehr gut gefallen. Im Netz gab es einen Crosscompiler nebst Emulator für den Gameboy, so ging das dann richtig los. Nintendo mag das natürlich nicht, höchstens inoffiziell ein par Angestellte, aber Emulatoren sind illegal, freie Entwicklungsumgebungen sind illegal und Flash-ROM-Cartridges sind erst recht illegal. Man kann die natürlich selber basteln, aber das kommt nicht billiger, es sei denn, man ist ein Elektronik-Genie. Da kann man dann auch Features einbauen, die die sonst nicht haben. Ansonsten gibt es eine Firma in Hong Kong, die vertreibt das inklusive Cart-Reader/Writer, vor allem natürlich für die Raubkopierer. Wir tun aber nichts Böses damit, wir sind ja brav. Wir verwenden zum Beispiel Emulatoren, um unseren Code zu testen, aber da wird kein Gericht was dran finden, solange man keine Raubkopien macht. Nintendo hat schon mehrmals diese Firma aus Hong Kong verklagt, sind aber jedesmal abgewiesen worden. In den USA hat Nintendo auch eine Firma verklagt, die unlizensiert höchst christliche Gameboy-Spiel produziert – Gleichnisse zum Nachspielen und so. Hätten die Gameboy-Pornos gemacht, hätten die den Prozess verloren. Ist natürlich trotzdem mühsam, als kleine von einer grossen Struktur dauernd verklagt zu werden. Alle Tools, die wir verwenden, werden von Leuten umsonst ins Netz gestellt, die verückt genug waren, das komplette Teil reverse nachzubauen. Da bezieht man Dokus und Tools her. Dementsprechend haben wir auch vor, unsere Ergebnisse als Freeware zu behandeln. Ruhm muss genügen, zum Beispiel war im Pudel Bogdan Raczynski von Rephlex… der hat da einfach so Gameboy gespielt und wir sind ihm vorgestellt worden und er wollte sofort Beta-Tester werden. Es wird eine Website geben, aber ob wir den Source-Code gleich veröffentlichen, weiss ich nicht. Mir ist es eher peinlich, aber ich würde das schon gerne tun. Eigentlich sind die Gameboys ja deshalb so cool, weil man sie hinfallen lassen oder verlieren kann und das macht nichts. Eine 303 hält auch einiges aus, aber die kann halt nicht soviel und ist teuer. Zum live Auftreten ist es Scheisse, sein ganzes Studio mitzunehmen, das Verkabeln macht auch keinen Spass, so wandert nach dem Gig das komplette Equipment in eine kleine Plattentasche, wird irgendwo abgestellt und wenn es wegkommt, hat alles zusammen 400 Mark gekostet. Inzwischen haben wir es geschafft, zwei Gameboys zu synchronisieren. Es gibt zwar auch Vier-Spieler-Adapter, aber die sind schon komplizierter zu programmieren. Zwei und Zwei reicht aber schon, man muss eben so DJ-mässig gleichzeitig auf Start drücken.” Pilot FM ist das Netzlabel der Pocket Noise Lo-ser, “fm” ist die Federal Republic of Micronesia. In Zukunft soll es eher sporadisch Vinyl-Releases geben, CDs sollt ihr Euch selber brennen: PNL: “Wir geben Euch MP3, nur tut es bitte nicht weiterverkaufen, sonst klagen wir die Scheise aus Euch raus!” Pilot FM http://www.pilot.fm/ Fragen/Kontakt: noise@lo-ser.org http://gbdev.org/links.htm

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Elektronische Lebensaspekte.