Adam Sky aka Adamski hat sich im zweiten Summer of Love einen Ehrenplatz im Raver-Himmel gesichert: Seine Live-Tracks aus dem Jahr 1989 klingen auch nach 17 Jahren noch frisch und beglückend. Seine Musikerkarriere begann er allerdings schon als elfjähriger Punk-Impressario seines fünfjährigen Bruders und auch nach seiner Zeit als Popstar-Klischee in Los Angeles arbeitete Adam Sky konstant an seiner Vision des perfekten Sounds namens "APE": Acid-Psychobilly-Electro. Heute lebt Adam Sky zusammen mit seiner 14-jährigen Tochter in Berlin, die dafür sorgt, dass Papa auch regelmäßig Geld verdient. Im Interview erzählt Sky, wie das Piano vom Ska in den House kam, von ...
Text: Sven von Thülen, Anton Waldt aus De:Bug 103

Deine Karriere fing früh an, als Elfjähriger hast du 1979 in der Punkband ”The Stupid Babies“ gespielt. Erzähl mal.

Adam Sky: Bob Last, der Manager von The Human League, hatte ein Label, Fast Product, das damals eines der besten Indie-Labels überhaupt war. Die ersten Maxis von The Human League erschienen dort und auch Joy Division oder DAF. Die Punk-Explosion gab mir das Selbstvertrauen, dass ich auch als Elfjähriger, der kaum ein Instrument spielen konnte, meinen Teil zu dieser Bewegung beitragen konnte. Es war großartig. Ich schickte Fast Product eine Demo-Kassette, die ich an einem Samstagmorgen um acht Uhr früh mit meinem kleinen Bruder, der sang, aufgenommen hatte. Ich sah mich damals als Svengali meines Bruders, als elfjährigen Mini-Malcom-McLaren. Wir nahmen drei Songs auf und schickten sie nach Sheffield.

Wie bist du als Elfjähriger überhaupt mit Punk in Berührung gekommen?

Adam Sky: Mein älterer Bruder und auch all seine Freunde waren Punks und brachten alle diese obskuren Platten mit nach Hause, die ich mir dann anhörte. Außerdem war die Radioshow von John Peel schon damals eine meiner absoluten Lieblingssendungen. Er spielte diese simple Musik. Patrick Fitzgerald war damals eine meiner Hauptinspirationen. Einer seiner Songs hieß ”Safety pins stuck in my heart“. Er konnte nicht sonderlich gut singen und auch nicht sonderlich gut Gitarre spielen und er begleitete sich alleine auf der Akustik-Gitarre, aber er nahm eine ganze Menge EPs auf. Ich war mir sicher, dass ich auch in der Lage bin, solche Songs zu schreiben. Ehrlich gesagt, habe ich damals vor allem Melodien aus Kaugummi-Werbungen oder von anderen Pop-Songs geklaut. Eigentlich hab ich nie etwas anderes gemacht als die Songs anderer zu plagiieren.

Wusste Bob Last, wie alt du warst?

Adam Sky: In ihrem Antwort-Brief verlangten sie erst einmal einen Beweis, dass unser Demo keine Verarschung ist. Mein Bruder, der auf dem Demo sang, war damals erst fünf Jahre alt, und sie waren sich wohl nicht sicher, ob es unsere Band wirklich gab. Fast Product hatten damals noch eine andere Band, The Prats, unter Vertrag, die ich kannte und mochte, in der auch keiner über sechzehn Jahre alt war. Ich glaube, auf dieser neuen Post-Punk-Compilation auf Rough Trade ist ein Stück von ihnen drauf.

Das heißt aber, dass es nie einen Auftritt der Stupid Babies gab, oder?

Adam Sky: Wir sind einmal bei der BBC aufgetreten. Ich weiß noch genau, wie unser Schulrektor eines Tages in unsere Klasse kam und mich herauszitierte. Ich dachte, irgendetwas Schlimmes wäre passiert und er würde mir gleich mit ernster Stimme offenbaren, dass meine Eltern gestorben wären. Aber er sagte nur, dass die BBC angerufen hätte und dass ich nach London müsste, um in einer Fernseh-Show aufzutreten.

Was für eine Show war das?

Adam Sky: Die Sendung hieß ”Nationwide“ und lief immer kurz vor den Nachrichten. Damals gab es ja nur drei Programme. Und aus irgendeinem Grund wollten die einen Auftritt der Stupid Babies.

Das heißt, dass war so eine Boulevard-Show. Oder hat die BBC euch ernst genommen?

Adam Sky: Ich weiß es gar nicht mehr so genau. Ich hab immer all diese Sachen versucht, von denen ich dachte, dass sie das Establishment richtig anpissen würde, aber irgendwie mochte die BBC immer alles, was von mir kam. Obwohl, 1991 hat die BBC mich mal komplett aus ihrem Programm verbannt.

Warum das?

Adam Sky: Ach, ich denke, sie hatten einfach genug davon, dass ich so ein unausstehlicher, unhöflicher Typ war. Damals verbannte die BBC ja auch das Wort Acid aus ihrem Programm.

Wie ging es weiter?

Im Sommer erschien die Single ”Gangsters“ von The Specials und ich und meine Freunde sind vollkommen auf all die Two-Tone-Bands abgefahren. Von dem Vorschuss für die EP auf Fast Product kaufte ich mir dann ein Klavier und fing an, auf dem Klavier zu Madness und The Specials zu spielen. Deren Akkorde waren auch nicht sonderlich schwer zu spielen. Simple Drei-Finger-Akkorde. Ich saß zu Hause und hab wie besessen zu ”My Girl“ von Madness in die Tasten gehauen. Einige dieser Akkorde hab ich dann auch später in meinen ersten Rave-Tracks verwendet. Etwas rhythmischer gespielt natürlich.

Was haben deine Eltern denn überhaupt zu deinem jungen Musikerleben gesagt?

Adam Sky: Meine Mutter, die uns zur BBC gebracht hat und alle Verträge und Dokumente unterschreiben musste, weil wir ja noch minderjährig waren, fand das alles super. Sie hatte diese flamboyante Art und fand Gefallen an der Sache. Mein Vater hat das damals alles gar nicht so richtig mitgeschnitten. Erst als ich mir kurz darauf meine Haare pink gefärbt habe, war er nicht so angetan.

Wie hast du als Teenager die Post-Punk-Phase erlebt?

Adam Sky: In den Achtzigern gab es alle sechs Monate einen neuen aufregenden Musikstil, eine neue Szene. Elektro-Pop, New Romantic, Psychobilly, HipHop, Two Tone. Es passierte damals so wahnsinnig viel. Ich habe versucht, so viel wie möglich davon aufzusaugen. Ansonsten war ich ein ganz normaler Teenager. Klebstoff schnüffeln, Fenster einschlagen, sich Instrumente spielen beibringen, was man halt so macht.

Wann hast du zum ersten Mal eine House-Platte gehört?

Adam Sky: Das muss so 1986/87 gewesen sein. Auf einem Piratensender, LWR, kurz für London Weekend Radio, spielten sie Adonis’ ”We’re Rocking Down The House“. Es war Musik, die wie für mich persönlich, meinen Geschmack gemacht war. Mitte der Achtziger gab es schon einige Pop-Tracks in England, die in die House-Richtung gingen, repetitiver elektronischer Kram. Aber die für mich einflussreichste Platte in Bezug auf Musik, die auf Loops und synkopierten Beats basiert und in der sich Sequenzen wiederholen, war Alan Vegas erstes Solo-Album, ”Jukebox Baby“, das schon 1981 herauskam. Nachdem ich das gehört hatte, wusste ich, dass man Musik machen kann, die einen Song lang immer dieselbe Note wiederholt. Das Album ist noch immer in meinen Alltime-Top-Five.

Mitte der Achtziger, als Rare Groove und Acid Jazz in London das heiße Ding war und DJs wie Jazzy M, Mike Pickering und Johnny Walker versuchten, dort die ersten House-Platten aus Chicago zu spielen, wurde ihnen nicht selten Prügel angedroht, weil sie aufhören sollten, diese ”schwule Scheiße“ zu spielen. Der Übergang zu House war bei dir offensichtlich nicht mit ähnlichen Anlaufschwierigkeiten verbunden.

Adam Sky: Ich hatte schon immer einen sehr breit gefächerten Geschmack und damals ging ich auch schon viel in schwule Clubs, in denen Disco und Hi-NRG von Patric Cowley gespielt wurde. Als House plötzlich auf der Bildfläche erschien, war das für mich nur die logische Weiterentwicklung. Ich hatte zu der Zeit auch eine Band, mein Bruder und ich: Diskord Datkord. Wir experimentierten mit House. Er schraubte an einem Sequenzer herum, ich an meinem Synthie und einer Drummachine. Mantronix war damals ein wichtiger Soundtrack, also eher die elektroide Seite von HipHop.

Wann bist du nach London gezogen?

Adam Sky: Das muss 1985 gewesen sein. Als ich mit sechzehn mit der Schule fertig war, schmissen mich meine Eltern raus und ich lebte für eine Weile mit einigen alten Hippies zusammen. Na ja, zumindest kamen sie mir damals alt vor. Die meisten waren so um die dreißig. Hippies mit Krätze und Hepatitis, die den ganzen Tag stoned waren. Ich fing an, alte Acid-Rock und Country-Platten für mich zu entdecken und experimentierte mit LSD herum. Einer der Hippies, ein Typ, der es zu einiger lokaler Berühmtheit gebracht hatte, weil er eine zeitlang die Angewohnheit pflegte, sich komplett grün anzumalen, gab mir einen ganzen Haufen spannender Musik. Unter anderem das erste Alan-Vega-Soloalbum, The Cramps, The Birthday Party und Iggy Pop. Später dachte er dann für einige Zeit, er wäre Jesus. Ich fühle mich irgendwie immer angezogen von solchen Leuten. Mein Haupteinkommen war Sozialhilfe, die ich eine Weile illegal mit Fensterputzen aufpeppte. Ich war der mieseste Fensterputzer überhaupt, weil ich Höhenangst habe. Auf eine Leiter zu steigen, war der blanke Horror für mich. Ich hab immer versucht, da zu arbeiten, wo mich der Chef nicht sehen konnte. Da konnte ich dann eine Kippe rauchen und beten, dass es anfängt zu regnen. Denn dann mussten wir nicht weiterarbeiten, während er uns trotzdem den vollen Lohn zahlen musste. Das ging ein paar Monate und dann zog ich nach London.
Dort lebte ich erst einmal in einem besetzten Haus, in dem jeden Samstag so fürchterliche Bands wie The Magic Mushroom Band spielten. Dort gingen aber auch Leute von The Crass und Poison Girls ein und aus. Und ich liebte die Poison Girls. Sie waren für mich die beste Post-Punkband überhaupt. Vierzigjährige mit pinken Haaren, die Sängerin war die Mutter des Gitarristen. Großartig.
In London kam ich auch genau rechtzeitig, um den Riesenhype um Sigue Sigue Sputnik mitzubekommen. Ich knabberte immer noch daran, dass ich für Punk eigentlich zu jung gewesen war und den wirklichen Spaß verpasst hatte, weil ich auf kein einziges Konzert gehen durfte. Ich hatte nur ein winziges Staubkorn zur Punk-Explosion beigetragen und konnte mir keine rostige Sicherheitsnadel durch die Wange jagen, weil ich sonst ohne Abendbrot ins Bett geschickt worden wäre. Auf jeden Fall träumte ich davon, in der großen Stadt anzukommen und etwas ganz Neues zu erleben. Und das war am Anfang Sigue Sigue Sputnik, deren Live-Auftritte wirklich unglaublich waren. Ihr Album war dann leider eine Enttäuschung, aber auf der Bühne hatte das alles eine wahnsinnige rohe Energie. Sie waren wie ein Manifest, wie Musik, wie Kultur in Zukunft sein sollte. Post-apokalyptisch, dekadent, sehr technologisch. Und als Acid House dann einschlug, war es, als ob ihre Prophezeiung wahr geworden wäre. Nur besser. Das Einzige, was fehlte, waren die Perücken und die Stilettos.

Eine wichtige Zutat für die kulturelle Transformationskraft von Acid House war Ecstasy. Plötzlich waren Dinge, die die Menschen über Jahre getrennt hatten, Rasse, Herkunft etc, nicht mehr von Bedeutung. Unter dem Einfluss von Ecstasy entdeckte eine ganze Generation ein neues Gemeinschaftsgefühl. Wie hast du diese Veränderung wahrgenommen?

Adam Sky: So gegen 1988 lebte ich in Camden in London. Und ich konnte beobachten, wie auf dem Camden Market von einem Wochenende aufs nächste die ganze düstere Gothic-Stimmung verschwand und plötzlich überall Smileys und bunte Farben auftauchten. The world turned dayglow, wie Poly Styrene mal gesungen hat. Es passierte wahnsinnig schnell. Im Sommer 1988 war ich auf Ibiza im Amnesia und dort sah ich zum ersten Mal, wie die sozialen Barrieren fielen. Wie sich reiche Latinos, Hippies und britische Fußball-Hooligans umarmten, zusammen feierten und schwitzten. In London gab es dann all diese Warehouse-Parties und Clubs. Einer war The Trip, vor dem hunderte von Leuten auf der Straße standen und irgendwann anfingen, zu Polizeisirenen zu tanzen.
Als es soweit war, hatte ich allerdings für kurze Zeit den paranoiden Gedanken, dass das Ganze eine groß angelegte Falle war. Brave New World. Ich war mir nicht sicher, ob der Staat da nicht seine Finger mit im Spiel hat. Ich erinnere mich an eine Party in Jimmy Cautys Haus. Das muss 1987 gewesen sein. Damals war House noch nicht groß. Es gab eine Menge Sample-basierte Musik und Cauty und Bill Drummond hatten ihre Band Justified Ancients Of Mu Mu, aber das meiste war noch nicht gänzlich diesem idealen Groove der geraden Bassdrum unterworfen und hörte sich längst nicht so spirituell an wie zum Beispiel K.Flights ”Planet E“. Auf dieser Party verkauften ein paar Jungs Ecstasy und ich hab mich die ganze Zeit gewundert, wer so blöd sein kann, fünfundzwanzig Pfund für eine Pille auszugeben, wo er doch für dasselbe Geld ungleich mehr Speed, LSD oder Bier kaufen konnte. Ich konnte das nicht verstehen. Erst später, als ich die ganzen ehemaligen Soulboys, die Shoom-Crowd um Danny Rampling und die Kids aus dem Hug Club usw kennen gelernt habe und sich alles noch mehr öffnete, war mir klar, dass es keinen staatlichen Masterplan gab.

Du hast vorhin gesagt, dass es dir schwer zu schaffen gemacht hat, dass du Punk mehr oder weniger verpasst hattest. Als die Acid-House-Euphorie losbrach, hattest du da das Gefühl, dass etwas Neues passiert und du dieses Mal von Anfang an dabei bist?

Adam Sky: Ich war es irgendwie einfach. Wie ich schon gesagt habe, als ich das erste Mal Adonis im Radio hörte, war das, als ob jemand genau meinen Geschmack analysiert und in einem Labor den perfekten, auf mich und meinen Geschmack zugeschnittenen Track produziert hätte. Ich hab Adonis und noch einige andere der Chicago-House-Pioniere so um 1988 in London getroffen. Mein Mitbewohner, Jimmy Polo, war ursprünglich aus Chicago und kannte sie alle. Sie kamen oft nach London, um in diesem Club High On Hope zu spielen, in dem gar nicht so sehr Acid im Fokus stand, sondern vor allem der New Yorker Garage-Sound. Adeva, Blaze, Kym Mazelle, Arnold Jarvis. Wir wohnten in Camden und von unserem Haus aus konnte man zu dem Club laufen. Ein weiterer Grund, warum sie alle bei uns wohnten. Ich werde nie vergessen, wie Adonis bei mir im Schlafzimmer saß und an meinem Sequenzer rumschraubte.

Wann hast du selber angefangen auf Raves aufzulegen?

Adam Sky: Auf den Raves habe ich immer live gespielt. Auflegen war damals eine reine Spaß-Angelegenheit für mich. Zusammen mit Jonny Slut, der jetzt den Club Nag Nag Nag in London betreibt, hatte ich neben der Band Diskord Datkord auch ein DJ-Team: Jellyhead Mobile Disco. Wir konnten auf den Tod nicht mixen. Wir hatten auch eine Weile einen Club am Leicester Square. Wir spielten alles, John-Peel-Style. Von M/A/R/R/S zu Nitzer Ebb und dann irgendetwas Rotziges wie Black Flag.

Hattest du nicht vorhin gesagt, dass du mit deinem Bruder Diskord Datkord gemacht hast?

Adam Sky: Ja, er war auch dabei. Er hat an den Maschinen gesessen. Jonny und ich haben gesungen. Einmal, 1987, sollten wir sogar mit Sigue Sigue Sputnik zusammen in London spielen. Aber die tauchten nicht auf. Eine große Enttäuschung, denn ich dachte schon, jetzt habe ich es geschafft, ein Traum wird wahr. Die Party war trotzdem super. Alternde Männer, die in Windeln rumlaufen, sich selber anscheißen und Milch aus Flaschen trinken.
Unser Manager hatte ein Restaurant, in dem wir 1988 anfingen sonntags Afterhours zu veranstalten. Ich hatte damals eine 909 und mein Mitbewohner Jimmy Polo hatte mir gerade beigebracht, wie ich einen Ensoniq-Sequencer bedienen musste. Auf jeden Fall fing ich an, dort live zu spielen und meine neuesten House-, Rave- oder Techno-Tracks auszuprobieren. Gegenüber von dem Restaurant war ein McDonalds und mein Manager projizierte immer irgendwelche Dinge auf die Wand des McDonalds, fliegende Astronauten usw. An einem Tag stand plötzlich dieser Typ im Restaurant, weil er wissen wollte, wo dieser Astronaut herkam, der quasi über die McDonald-Wand flog, und dieser Typ war zufällig einer der Promoter vom Heaven, einem der besten Clubs in London zu der Zeit. Mein Manager organisierte mir einen Gig dort und kurz darauf stand ich mit meinem Equipment vor all diesen Leuten. Ich hatte nicht einmal einen Ständer für meinen Sequencer und meine 909, sondern musste alles auf dem Boden vor mir aufbauen. Als ich spielte, sind die Leute komplett ausgeflippt, es war unfassbar. Und wie es der Zufall so will, war an dem Tag ein anderer Promoter im Heaven, der später noch auf der Themse auf einem Boot seinen Geburtstag feiern wollte. Er lud mich ein und fragte, ob ich nicht noch einmal live spielen wollte. Und ehe ich mich versah, spielte ich auf dieser Boots-Party, auf der ein ganzer Haufen Promoter und alle möglichen DJs, die damals schon bekannt waren, Fabio, Grooverider, rumsprangen. Nach dieser Party war ich für den Rest des Sommers ausgebucht.

Hast du dich damals schon Adamski genannt?

Adam Sky: Ja. Die Tracks, die ich damals in meinem Live-Set gespielt habe, ähnelten sehr stark denen, die dann ein Jahr später auf der ”Live and direct in Ibiza“-Platte von mir waren.

Weißt du eigentlich, dass George Adamski einer der berühmtesten UFO-Betrüger war. Er war der erste, der angebliche UFO-Beweise fälschte, in den Umlauf brachte und damit viel Geld verdient hat. Bezieht sich dein Name auf ihn?

Adam Sky: Ja, mein Manager war damals gerade auf einer UFO-Konvention gewesen und hatte dieses Tape mitgebracht, das er manchmal hörte. Ich schnappte den Namen auf und fand, dass er irgendwie gut klang. Und da ich Adam heiße, fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Ich hab mir gar nichts dabei gedacht. Jahre später, als ich für Mark Stewart in Japan Keyboard gespielt habe, erzählte der mir, dass George Adamski ein Nazi war. Ich weiß aber auch nicht genau, ob das wirklich stimmt. Naja, zumindest habe ich mich nicht Adam Hitler genannt.

Zumindest war er ein ziemlich dreister Betrüger in den Fünfzigern.

Adam Sky: Ich wurde auch irgendwann als Scharlatan und Fake bezeichnet.

Wie kam das?

Adam Sky: Ich wurde von der Presse zu diesem Pionier hochgejubelt. Dem Gesicht von Acid House. Dabei war ich nur einer von vielen, die damals aus allen möglichen Szenen dieser neuen Energie folgten. Mir war das alles wahnsinnig unangenehm. Vielleicht passierte das auch, weil ich einer der wenigen war, die wirklich live spielten. Das machten damals sonst nur 808 State und A Guy Called Gerald. Man konnte bei mir sehen, wie ich diese Musik machte. Und selbst mir ging es ja so, dass, obwohl ich wusste, dass Acid House zwingend aus einer 303 und einer Drummachine bestand, und ich all die Pioniere, Marshall Jefferson, Adonis, bei mir im Schlafzimmer dabei beobachtet hatte, wie sie, Menschen aus Fleisch und Blut, mit realen Maschinen diesen Sound fabrizierten, ich das Gefühl nicht loswurde, dass Acid House von einem anderen Stern kam. Es klang einfach so außerirdisch. Auf jeden Fall könnte das der Grund gewesen sein, warum die Presse sich so auf mich stürzte. Ein Milchbubi, der diesen unerhörten Sound machte. Und ich sah damals, ich war einundzwanzig, zweiundzwanzig, wirklich jung aus. Wie ein Baby. Ich war in der Schule der letzte Junge in meiner Klasse, der Schamhaare bekommen hat. Aber mich haben diese Unterstellungen, dass ich nur auf den Zug aufspringen würde, dass ich ein Fake wäre, damals sehr verletzt. Wenn ich so scheiße gewesen wäre, hätte ich auf all diesen Raves ja den Dancefloor leer gespielt und keinen Plattenvertrag gehabt. Ich kann zwar zum Teil verstehen, warum manche Leute so über mich geredet haben, aber es hat mich trotzdem sehr getroffen. Ich wollte nie das Gesicht oder der Sprecher einer Generation sein, zu dem mich die Presse aufgebauscht hat. Das entspricht überhaupt nicht meiner Persönlichkeit.

Aber Popstar wolltest du schon sein?

Adam Sky: Ja, das schon. Aber nicht so. Als ich mit Diskord Datkord auf diesen großen schwulen Avantgarde-Fashion-Parties gespielt habe, ging es auch darum, sich aufzubrezeln, arrogant zu sein und zu performen. Aber als Acid House explodierte, ging alles so wahnsinnig schnell, dass ich mit der Entwicklung gar nicht mitkam. Ich hatte nicht die Zeit, mir ein paar clevere Statements zu überlegen. Innerhalb eines Wimpernschlags war plötzlich alles nur noch Promotion und ich ließ mich in dem Hedonismus, den diese aufregende Zeit mit sich brachte, treiben. Irgendwann hab ich mich darin ein wenig verloren.

Und dann kam ”Killer“.

Adam Sky: Dieser Typ, Seal, kam gerade aus Asien zurück, wo er erst mit einer Jazz-Funk-Band auf Tour war und dann ein paar Monate in Thailand am Strand verbracht hatte. Ein Freund nahm ihn mit auf einen Rave, Sunrise 5000, wo ich live spielte. Danach wollte Seal unbedingt mit mir arbeiten und ließ mir ein Demo von ihm zukommen. Ich mochte seine sehr eigene Stimme sofort und als wir uns dann in meinem Londoner Lieblingsclub zu der Zeit, Solaris, kennen lernten, fand ich, dass er auch sonst ein interessanter Kerl war. Er kam in mein Studio und ich fragte ihn, zu welchem Track er singen wollte. Er wählte ”Killer“, den ich damals schon auf Ibiza oder in der Hacienda in Manchester als Instrumental spielte. Zu dem Zeitpunkt war ich schon auf einem Majorlabel und Fotos von mir waren in der Bravo und all diesen Teenie-Magazinen. Wie gesagt, es ging damals alles sehr schnell. Ich war jung und konnte mit den Ereignissen nicht Schritt halten, geschweige denn genauer reflektieren, was vor sich ging. Außerdem war ich sehr naiv und hab eine Menge von dem Scheiß, den mir all diese Plattenfirmen-Heinzeln erzählt haben, geglaubt.

Die klassische Geschichte des Jungstars, der von der Industrie verheizt wird also?

Adam Sky: Ja. Erschwerend kam hinzu, dass mein Manager, der mit dem Restaurant, der sich wirklich um mich gekümmert hat und dem es wirklich um die Musik ging, zu der Zeit verrückt wurde. Er war immer schon ein wenig seltsam, aber zu der Zeit fing er an zu glauben, dass er eine zweihundertfünfzig Jahre alte Hexe wäre. Er rannte in der Gegend rum und verfluchte alle möglichen Leute und dachte, er könnte zaubern. Da wurde es immer schwieriger, mit ihm zusammenzuarbeiten. An seine Stelle schickte mir mein Label diese ätzenden amerikanischen Anwälte als Manager, die im Endeffekt nur daran interessiert waren, so schnell wie möglich so viel Geld wie möglich zu machen.

Nach ”Killer“ hast du dann ein zweites Album aufgenommen, das floppte.

Adam Sky: Diese Typen, meine neuen Anwälte, lockten mich nach Los Angeles, um dort im Studio von Peter Gabriel ein Album aufzunehmen. ”Killer“ war so ein großer Hit gewesen und sie wollten so schnell wie möglich ein Album nachlegen. Aber ich war noch gar nicht so weit. Sie drängten und überredeten mich, dass es zwingend notwendig wäre, schnell ein Album hinterherzuschieben. Rückblickend würde ich sagen, haben sie mich damals nach Los Angeles verfrachtet, um mehr Kontrolle über mich zu haben, um mich von meinen Freunden und all den Leuten zu isolieren, die mir hätten sagen können, dass ich mich nicht so hetzen lassen solle. Dass ein gutes Album Zeit braucht. Aber im Endeffekt, wenn ich so zurückschaue, ich, der Junge vom Land in Hollywood vollgestopft mit Drogen, dann würde ich zwar heute vieles anders machen, aber ich kann die Entscheidungen, die ich damals getroffen habe, nachvollziehen. Ich war einfach zu jung, zu naiv.

Kannst du eigentlich von den Royalties für ”Killer“ leben?

Adam Sky: Nein. Ich habe Geld bekommen, aber nicht sehr viel. Das war alles sehr windig damals. Ich kann aber nicht im Detail drüber reden, sonst verklagen mich diese Typen noch. Einer von meinen damaligen Managern ist jetzt der Anwalt von Suge Knight von Death Row Records. Lass uns lieber das Thema wechseln.

Gab es zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden, der versucht hat, ein bisschen bei dir auf die Bremse zu drücken?

Adam Sky: Nicht wirklich. Wäre ich in London gewesen, wäre das wahrscheinlich passiert, aber all diese neuen, hübschen Menschen, die mit mir im Studio in Los Angeles rumhingen, haben immer nur gesagt: Adam, was du machst, ist großartig. Komm, zieh noch eine Line. Aber hey, es hat natürlich auch Spaß gemacht, dieser Film in L.A. Ich hab mit den Happy Mondays gespielt und rumgehangen, als sie dort waren, und spielte in all diesen legendären amerikanischen Clubs wie dem Whisky-A-GoGo und dem Palladium, in denen The Doors und Jimi Hendrix gespielt hatten. Als fanatischer Musikfan sind da natürlich auch Träume für mich wahr geworden. Ich konnte das gar nicht fassen. Ich habe sogar Donnie Osmond, der in einem benachbarten Studio arbeitete, zu der Show mit den Happy Mondays eingeladen. Es war lustig, weil Donnie Osmond Mormone ist und nicht mal Kaffee trinkt und dann kam er dorthin und schon auf dem Parkplatz vor dem Palladium lagen überall verstrahlte Körper herum.

Kam irgendwann die Einsicht, dass die Party vorbei war?

Adam Sky: Das Album floppte fürchterlich. Und meine Plattenfirma ließ mich fallen. Danach hab ich es jahrelang nicht auf die Reihe bekommen, mir ein neues Label zu suchen. Ich reiste viel herum, feierte viel, wurde Vater. Die Erinnerung an diese Zeit ist etwas verschwommen. Etwas kunterbunt.

Wann endete diese ”kunterbunte“ Zeit?

Adam Sky: Ende der Neunziger, als ich für Trevor Horns Label ZTT eine Platte machte. Ich hab damals auch ein paar Remixe für Seal gemacht. Ich weiß noch, es gab einen Mix, mit dem ich sehr zufrieden war, und als ich den Mix dann im Radio hörte, hatte Trevor all diese hässlichen, ausladenden Streicher und Harmonien dazugespielt. Zum Kotzen. Auf jeden Fall habe ich in der Zeit aufgehört zu Trinken und Drogen zu nehmen. Ich dachte mir, dass das irgendwie cleverer ist, als daran zu sterben oder für den Rest meines Lebens in einer Anstalt zu verbringen. Außerdem hatte ich ja auch meine Tochter, um die ich mich allein kümmern musste.

Wie alt ist deine Tochter?

Adam Sky: Sie ist jetzt vierzehn und wohnt mit mir in Berlin. Sie denkt, sie wäre meine Mutter.

Hast du nie daran gedacht, als Produzent für andere Pop-Acts tätig zu sein?

Adam Sky: Trevor Horn lockte mich zu ZTT und versprach mir, dass ich der neue Inhouse-Produzent von ZTT werden sollte. Das ich für das Label auch A&R-Aufgaben übernehmen und neue Acts signen könnte. Aber am Ende stimmte nicht viel davon. Ich hatte damals diesen Song produziert, ”One Of The People“, der wirklich gut ankam. Pete Tong hatte ihn drei Wochen lang als Song of the week in seiner Radioshow. Aber als die Platte in die Läden kam, zog Trevor sie wieder zurück, weil er noch ein neues Video drehen wollte und die Hype-Maschine erst noch einmal richtig anfeuern wollte. Dann sollte der Track noch mal veröffentlicht werden. So ein Bullshit. Sie haben Anton-Corbijn-Fotos von mir machen lassen. Und die Fotosession war teurer als das Budget, das sie mir für das ganze Album gegeben hatten. Idioten. Für Trevor war die Musik vollkommen zweitrangig. Aber auf diesen Track bin ich immer noch stolz.

Wann hast du dich in Adam Sky umbenannt?

Adam Sky: Das war in etwa zu der Zeit. Das Album hatte ich noch unter dem Namen Adamski veröffentlicht. Und der Track, von dem ich gerade gesprochen habe, kam in Italien sehr gut an. Es gab Lizenzierungsanfragen und alles mögliche. Ich reiste dann oft nach Italien, um Promotion zu machen und auch um aufzulegen. Ich hatte mir in der Zwischenzeit mixen beigebracht und legte mit zwei Pioneer-CD-Playern auf. Und aus irgendeinem Grund haben mich die Italiener immer mit Y am Ende geschrieben. Ich sah die Flyer und mochte diese Schreibweise. Ich hatte immer noch an der Erfahrung von Anfang der Neunziger, als es diesen Hype um mich gab, zu knabbern und ich dachte, dass es eine gute Gelegenheit ist, meinen Namen zu modifizieren. Einen neuen Anfang zu starten, ohne alles, was gewesen war, zu verneinen.

Wie bist du dann mit Crosstown Rebels und Kitsuné in Kontakt gekommen?

Adam Sky: Durchs Auflegen.

Was war der Grund, nach Berlin zu ziehen?

Adam Sky: Zum einen lebe ich einfach gerne in Städten, die mit B anfangen. Bologna, Barcelona, Berlin. Als nächstes ist wahrscheinlich Bangkog dran. Zum anderen langweilte mich meine selbst gewählte Isolation in Barcelona. Einen Strand vor der Haustür zu haben, war auch irgendwann nicht mehr so spannend. Die Vorstellung, in einer Stadt zu wohnen, in der ich auf der Straße jemanden treffe, dessen Musik ich liebe und man einfach zusammen einen Kaffe trinken geht, war sehr verlockend. In vier Jahren hab ich in Barcelona nicht eine wirklich spannende Platte gehört und ich wollte, dass sich das ändert. Letzte Woche, auf dem Konzert von The Slits, habe ich zum Beispiel Khan und Boy From Brazil getroffen. Zwei Musiker, deren Sachen ich wirklich mag. Solche Dinge sind mir Barcelona einfach nie passiert.

Hast du jemals bereut, nicht einen ähnlichen Weg gegangen zu sein wie dein ehemaliger Partner Seal?

Adam Sky: Nein. Ich mache keine Coffee-Table-Yuppie-Musik. Das war nie eine Option für mich. Es entspricht auch nicht meiner Persönlichkeit. Ich brauche keine Roter-Teppich-Sonderbehandlung. Die kurze Zeit, in der ich von Fotografen belagert und verfolgt wurde, war ich davon vollkommen verängstigt und genervt. Ich hab mich immer so viel besser gefühlt, wenn ich irgendwo war, wo mich keiner kannte. Wo ich wieder einer der Lads war und ich einfach eine Zeitung kaufen gehen konnte, ohne von Mädchen gejagt zu werden. Obwohl heutzutage werde ich gerne von Mädchen gejagt. Von manchen. Ein oder zwei.

Wie sehen deine Pläne aus?

Adam Sky. Ich bin dabei, mein eigenes Label zu starten. Prostitute Records. Ich will junge Künstler aufbauen und hab selber eine ganze Menge eigene Sachen, die ich veröffentlichen will. ”Ape-X“, der Track auf der Kitsuné-Compilation, steht exemplarisch für meinen heutigen Sound. Allerdings will ich ab jetzt vor allem mit Sängern arbeiten und ”Ape-X“ ist noch instrumental. Das Logo meines Labels ist an das Virgin-Logo aus den Siebzigern angelehnt. Ich will der Richard Branson des Acid Psychobilly Electro werden. Da kommt auch das Ape in Ape-X her. Ich kreiere mein eigenes Genre. Das Dogma ist folgendes: Jeder Track muss ein Acid-, ein Psychobilly- und Electro-Element haben. Sonst veröffentliche ich es nicht.

Dann solltest du mit irgendwem von The Meteors oder Demented Are Go zusammenarbeiten.

Adam Sky: Ich hab schon mit Nigel Stewart von The Meteors gesprochen. Kann gut sein, dass wir wirklich zusammen etwas machen werden. Aber ich bin nicht wirklich an reinem Rockabilly oder Psychobilly interessiert. The Cramps und das erste Alan-Vega-Soloalbum waren wie schon gesagt ein sehr großer Einfluss auf meine Musik. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum ich auf der Nachfolge-Single zu ”Killer“ einen Elvis-Song gecovert habe. Pure Selbstsabotage. Damals war ich wirklich deprimiert, weil ich dachte, ich hätte mir meine Karriere damit versaut. Alle haben diesen Song gehasst. Heutzutage bin stolz darauf, dass ich den Mut hatte, diesen Song aufzunehmen und keine ”Killer“-Klone produziert habe. Das wäre wirklich das Einfachste gewesen. So entsprach es einfach mehr mir. Aber ich habe vor kurzem meinen alten Sequencer entstaubt und eine alte Floppy-Disc gefunden, auf der einen ganze Menge von meinem Frühneunziger-Kram drauf ist. Im Sommer werde ich in London auf diesem großen Festival spielen. Mit The Slits, The Buzzcocks und De La Soul. Sie wollten mich schon letztes Jahr buchen, aber nur unter der Bedingung, dass ich als Adamski auftrete. Darauf hatte aber ich keine Lust. Im letzten Jahr war das Ganze eine hundertprozentige Rave-Revival-Sache. Mit den Happy Mondays in Originalbesetzung und so. In diesem Jahr gefällt mir das Line-Up aber noch besser. Ich freue mich richtig drauf.

Das heißt, dass du als Adam Sky spielen kannst?

Adam Sky: Nein, ich konnte die Veranstalter nicht davon überzeugen. Und dann musste ich an das Gesicht von meiner Tochter denken, wie sie mir sagt, anstatt mich so in meiner bescheuerten Künstler-Ehre gehen zu lassen, sollte ich lieber den Kühlschrank füllen.

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Elektronische Lebensaspekte.