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Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 30

Nord Micro Modular Das Modularsystem zum Mitrumtragen Übersicht Der Nord Micro Modular ist die kleine Version des Nord Modular: so gross wie eine VHS-Kassette, knallrot, drei Tipptasten zum Navigieren und vier Drehregler sowie eine zweistellige LED-Anzeige für die Patchnummern. Zwei Audioausgänge und zwei Audioeingänge stehen zur Verfügung, dazu kommen noch ein Midi-In und ein Midi-Out sowie ein zusätzlicher Midiport für die Kommunikation mit dem Rechner. Genauso wie die Luxusversion wird er komplett über eine Editor Software editiert, die es mittlerweile auch für den Mac gibt und kommt mit 100 Sound- und Effektpatches. Im Unterschied zum Nord Modular gibts allerdings eine eingeschränkte Polyphonie: abhängig von der Aufwendigkeit des Patches kann der Nord Micro Modular nur eine bis vier Stimmen erzeugen. Module Wie schon gesagt wird der Micro Modular über einen Software Editor editiert, wozu man ihn per Midi an den Rechner anschliesst. Das Programmieren von Patches, seien es Effekte, Synthsounds oder Drumsounds, erscheint zunächst ein wenig unübersichtlich, wenn man sich ein paar von den mitgelieferten Patches ansieht, gehts aber schnell locker von der Hand. Beim virtuellen Strippenziehen verbindet man einzelne Module miteinander, die bei Clavia in zehn Gruppen gegledert wurden: Oszillatoren, LFOs, Hüllkurven, Sequencer, Filter, Audio Modifiers, In/Out, Logic Modifiers, Controller Modifiers und die Mixer Group. Zur Erstellung von Synthesizersounds ist eigentlich alles da, was in den letzten zwanzig Jahren soundtechnisch eine Rolle gespielt hat: sechzehn verschiedene Oszillatoren, vierzehn LFOs, sechs Hüllkurven und elf Filter. Damit lassen sich sowohl klassische Analog- und FM-Sounds in allen erdenklichen Variationen realisieren, als auch speziellere Sounds, zum Beispiel mit Hilfe des Spectral Shape Oszillator mit seinem eingebauten Obertongenerator oder dem Formant Oszillator. Ein spezieller Percussion Oszillator ist auch da, bei ihm können sowohl die Amplitude als auch der Pitch von einem externen Signal, das am Audioeingang anliegt, moduliert werden. Für rein analoge Drumsounds ist der Drum Synth Oszillator da, der mit Tune, Decay, Level, Cut-Off Frequency, Resonanz, Sweep, Hochpass, Tiefpass oder Bandpass, Bend, Click und Noise eine mehr als breite Parameterpelette liefert. Auch die vierzehn LFOs haben einige Spezialisten zu bieten, mit denen Zufallspatterns oder sich gegenseitig modulierende LFO-Kombinationen erstellt werden können. Dazu kommen noch die Hüllkurven: neben der Standard ADSR Hüllkurve gibts zusätzlich AD, einen Hüllkurvenfolger, die sogenannte Multistage Envelope sowie AHD und ADRS (!) mit Modulation. Was braucht man noch? Genau, einen oder mehrere der elf Filter, die mit dem (sechzehnbandigen!) Vocoder und verschiedenen Equalizern (darunter auch eine vierzehnbandige Filterbank) den fliessenden Übergang zu den möglichen Effekten bilden, denn schliesslich ist der Micro Modular auch ein vollwertiges Effektgerät. In der Audio Modifiers Group finden sich unter anderem verschiedene Verzerrer (Clip, Overdrive), Sample & Hold, Shaper, Phaser, Ringmodulator, Kompressor, Expander und Delay. So weit, so vollständig, aber es kommt noch was: die Sequenzermodule, vier an der Zahl. Mit Ihnen lassen sich Makrosequenzen erzeugen, wahlweise in Trigger-, Event-, Control- oder Note-Charakteristik. Damit wäre das Angebot an sounderzeugenden und modulierenden Modulen kurz angerissen, die anderen Modulgruppen dienen dem Routing von Midi und Audio (In/Out) und dem Zuweisen von Controllern (Control Modifier Group). Bedienung Ist man erstmal ansatzweise durch das Prinzip des virtuellen Strippenziehen durchgestiegen, gibt es kein Halten mehr. Die Kombinationsmöglichkeiten sind schlicht unglaublich und für den Preis einfach einmalig. Natürlich gibt es eine kleine Einschränkung: Nur drei Parameter können direkt über die frei definierbaren Drehregler editiert werden, ist der Micro Modular erstmal vom Rechner abgekoppelt. Wer mehr Parameter zur Hand haben will, muss sich einer Midi-Box bedienen, denn die können Controllernummern zugeordnet werden. Der Editor ist vom Interface her logisch und übersichtlich gestaltet. Performance und Sound Angesichts der vielen Verschaltungsmöglichkeiten stellt sich die Frage, wieviel davon gleichzeitig genutzt werden können. Zunächst ist die Polyphonie davon betroffen: je komplizierter und damit datenreicher ein Patch ist, desto geringer wird die Polyphonie, bis schliesslich nur noch eine Stimme drin ist. Für extrem komplexe Patches braucht man also nach wie vor den grossen Bruder Nord Modular, aber auch wenn mehr als 50% des für ein Patch vorgesehenen Speicherplatzes benutzt werden, können trotzdem noch externe Signale verarbeitet werden. Der Sound ist extrem druckvoll und variabel.

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Elektronische Lebensaspekte.