Knöpfchendrehen, fast analog
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 109


Die neuen Controller von Novation sind direkt auf die Standard-Software-Programme vorbereitet. Dem entspannten Schrauben steht nichts im Wege. Bonus: eine gute Tastatur.

Midicontroller mit einer großzügigen Menge an Drehreglern, Buttons und Knöpfen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, bleibt also nur noch das Kernproblem zu lösen: die Zuweisung sämtlicher Parameter der benutzten Software auf die Bedienelemente. Das kann eine sehr mühselige Arbeit sein und führt oft dazu, dass man dann doch lieber mit Tastatur und Maus arbeitet. Mit dem Automapping-Feature will Novation dieses Problem gelöst haben: Alle unterstützten Apps und Plugs sollen direkt beim Öffnen schon von der Hardware erkannt und direkt bedienbar sein.

Übersicht
Das erste Anfassen macht richtig Spaß: Ungewohnt solide und gut verarbeitet sind sowohl Knöpfe, Fader und Drehregler als auch die sich luxuriös anfühlende Tastatur, die deutlich Widerstand bietet. Die Aufteilung der Bedienlemente ohne Tastatur ist bei allen Remote SL gleich: 8 Endlosdrehregler, 8 Drehregler, 8 Triggerpads, 8 Fader und 32 Buttons plus ein Transportfeld sowie ein klickbarer Endlosdrehregler zur Navigation. Nicht zu vergessen das hintergrundbeleuchtete LCD-Display, über das die gerade aktiven Parameter gut lesbar angezeigt werden. Die Remote SLs können alle über USB oder auch Batterien mit Strom versorgt werden, ein Netzteil kann man optional kaufen. Unterstützt werden bisher Cubase 3 (in allen Versionen), Nuendo 3, Logic 7.2, Ableton Live (ab 5.05) und ProTools, weitere Anpassungen, wie zum Beispiel für Tracktion, sind in Arbeit.

Reason
Reason 3 hat den Vorteil, dass es einerseits keine Fremd-PlugIns unterstützen muss und andererseits von vornherein mit dem Remote-SL-Protokoll programmiert wurde. Daher ist die Integration hier auch am besten und die Parametrisierung am durchdachtesten: Wo immer man hinklickt … schon sind die Parameter des entsprechenden Geräts in den Displays zu sehen und mit den Reglern zu bedienen.

Live
In Live ist der rechte Teil für Transport und Mixer zuständig, links kann man neben den Buttons zum Durchschalten der Spalten das jeweils angeklickte Instrument bedienen. Dabei sind einige der Drehregler und Buttons nicht vergeben, so dass man sich selbst die passende Kombination stricken kann.

Cubase
Cubase 4.01 hat bei mir mit dem Remote SL gar nichts anfangen können, dafür aber die älteren 3er Versionen und Nuendo. Wie schon bei Live ist der rechte Teil vornehmlich für Mixer- und Transportfunktionen gedacht, links lässt sich zwischen den aufgerufenen VST-Instrumenten hin und her wechseln. Die meisten bekannten haben schon eine extra Anpassung bekommen, aber auch alle anderen sind in irgendeiner Weise sofort über die Hardware bedienbar. Das liegt daran, dass das Automapping sich bei Cubase ähnlich wie Kore an den Automationslisten orientiert, die aber in den seltensten Fällen in einer sinnvollen Reihenfolge liegen. Da muss man sich dann selbst ans Anpassen machen.

Logic
Wie bei Cubase orientiert sich das Automapping bei Logic an den Automationslisten der Instrumente, allerdings sind deutlich weniger Instrumente wirklich angepasst, wodurch man zuweilen ziemlich sinnlose Parametrisierungen vorfindet. Aber mit ein wenig Handarbeit lässt sich das lösen, außerdem arbeitet Novation bereits an einer verbesserten Anpassung.

Wie schon oben gesagt, sind sämtliche Bedienelemente angenehm robust und allgemein gut benutzbar, allzu dicke Finger sollte man jedoch nicht haben, da der Platz zwischen den Drehreglern etwas knapp bemessen ist. Das gilt auch für die größeren Modelle, weil das Controllermodul bei allen gleich ist. Die Trigger Pads sind auch ein wenig zu nahe beieinander, so dass man schon gut zielen muss, außerdem sind sie an den Seiten abgerundet, was mir ein bischen unpraktisch scheint. Das Spielgefühl ist aber ebenso gut wie schon bei der Tastatur: Wer viel mit Dynamik arbeitet, wird die gute Steuerbarkeit und Auflösung der Pads mögen.
Alles in allem ist das Remote-SL-Automapping-Konzept, je nach verwendetem Host, schon ziemlich überzeugend in der Funktionalität. Dort, wo die Anpassungen noch nicht ganz stimmen oder den eigenen Bedürfnissen nicht entsprechen, kann man sie recht unproblematisch mit dem Softwareeditor oder auch direkt an der Hardware anpassen. Allgemein vielleicht ein bisschen zu teuer, aber das stressfreie Rumschrauben an Software macht schon viel Spaß.

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Elektronische Lebensaspekte.