Text: Sascha Kösch aus De:Bug 08

Nucleus Sascha Kösch bleed@de-bug.de Was genau denkt man eigentlich von Reinforced? Warum ist das nicht nur ein für die gesamte Drum and Bass Geschichte wichtiges Label, ein Zusammenschluß von Leuten unter der immer wieder überraschend streetwisen Leitung Mark, Dego, Gus und ???, sondern vor allem auch ein kleiner Pool von Genialität die sich nicht aufdrängt. Jede Platte von Reinforced hat immer grade deshalb etwas zum Stand von Drum and Bass zu sagen, weil sie keinen Stil verfolgen, weil sie nicht den Insound produzieren, sondern (way out) neue Bereiche klar machen, die in der Konzentration auf ein alles verbindendes Element immer wieder untergehen. Während andere “große” Label sich dagegen eher wie Profilneurotiker verhalten, Prototype und Metalheadz eigentlich nur noch große Namen einkaufen, und damit eigentlich nur etwas bewirken, weil sie glücklicherweise grade genug Geld haben um Optical und Matrix Tracks auch schon mal schnell rauszubringen, arbeitet Reinforced am Nachwuchs und an der Nachbearbeitung. Es gibt kein Label auf dem soviele neue Namen auftauchen die einem auf einmal um so mehr sagen, als daß man nichts über sie alle weiß. Nucleus, Paradox, Torus, Sonar Circle, Seiji, Leon Mar, Procedure 769, Chris Energy: wer weiß schon wer diese Leute sind. Und wer weiß wie sie zusammenhalten. Enddreißiger mit Schnurrbart, merkwürdige Inder wie Leon Mar, Streetkids wie Nucleus, Rudeboys wie Stretch, und Yuppiekokser wie J.Magick, das scheint alles überhaupt nicht zusammenzupassen, und doch schaffen es 4 Hero dem ganzen eine Einheitlichkeit zu geben, die für die Basis von Drum and Bass steht. Die ersten, wichtigsten und immer wieder, und auf keinem anderen Label so sehr, hochgehaltenen Prinzipien einer Musik die auch Lebensinhalt ist. Reinforced halten sich aus allen Politics der Szene raus und sind doch die einzigen die sagen können, und es wie sellbstverständlich auch tun, daß wir alle Drum and Bass sind. Und wir wollen ab dieser Ausgabe in einer kleinen Reihe viele der Unbekannten Acts auf Reinforced vorstellen, denn sie werden entscheidender für die Zukunft von Drum and Bass sein, als die ganze Liga der auf Majorlabeln weggesigneten großen Namen. Nucleus ist vielleicht 24. Ein Freund hat ihm einen Gig hier in Berlin besorgt, und, ganz anders als man es von englischen DJs gewohnt wäre, ruft er gleich noch in anderen Clubs an, ob er nicht dort auch etwas auflegen könnte, wo er doch schon mal da ist. Er ist DJ seitdem er zwölf Jahre ist, und hat es nie wirklich professionalisieren wollen. Schulhof, HipHop, Breakdance, Mixen, Elektrokidjugend kurz vor London, House, Raver, DJ, und dann Producer, ein paar logische einfache Schritte. Ein halbes Leben. Wie soll man das noch genau beurteilen. ”Ich habe mit Paradox ein paar Tracks auf 9 Bar gemacht, als Noise & Paradox, und da kommt noch eine LP nach, aber jetzt machen wir, neben je einer 12″ für Nexus und 720 nur noch Tracks für Reinforced. Sie haben direkt angerufen als sie ein Demo hatten. Paradox, Mike, der auch als Alaska veröffentlicht hat schon eine längere Geschichte. Er war früher Mixrace auf Moving Shadow, hat schon irre viel gemacht. Er ist OK. Reinforced sind ziemlich down to earth. Ich lege jetzt in ihrem monatlichen Club auf, “Our Solution”. Ein Floor Drum and Bass, einer Funk, Gilles Peterson Stuff. Wir versuchen uns anders zu halten, ich weiß das sagt jeder, aber wir nehmen andere Breaks, aber versuchen immer noch die Balance zu halten, damit man die Tracks spielen kann. Der Twobeatstuff ist auf die Dauer doch auch nur wieder das gleiche. Es gibt ein paar gute Tracks, aber das meißte ist Schrott. Wenn es anders ist ist es aber immer gut. Ich hatte neulich schon das Gefühl, daß ich den ganzen Abend den gleichen Track höre.” Aber wohin soll es gehen, was hält ihn in dieser Gemeinde von Reinforclern. Wie versucht er an die neuen Bewegungen zu kommen? “Es geht mir sehr viel um Funk und Jazz. Ich suche immer nach neune Samples. Man hat das bisher vielleicht noch nicht so bemerkt, aber ich mag sehr gerne ruhigere Sachen. Da ist ein großes Potential. Eine zeitlang gab es irre viele ruhige Tracks, aber das scheint zur Zeit keinen zu interessieren, und ich weiß gar nicht warum. Es wird wieder kommen. Den Sound den jetzt alle hören wird es verändern. Ich will es Basic halten, aber dort alles machen was zu machen ist. Gut daß ich auf Reinforced bin, weil sie alles rausbringen was ihnen gefällt. Musik ist das einzige was sie kümmert.” Check out Enforcers Tour mit Stretch und Sonar Circle: 5. 02. im Pavillon, Wuppertal, 07. 02. im Conne Island in Leipzig, 12. 02. Cafe Kesselhaus in Darmstadt, 13. 02. Clima.X, Stuttgart, 14. 02. Ultraschall, München, 20. 02. Markthalle, Hamburg und 21. 02. Icon, Berlin.

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Elektronische Lebensaspekte.