Numark hat ein DJ-Pult für iPods entwickelt. Nur den Pitch haben sie scheinbar vergessen. Wir sind kuriert.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 96

Pitch den Pod
Als ich das erste Mal einen iPod gesehen habe, dachte ich mir: funky, Drehrad, Plattenspieler, kann man damit auch pitchen? Irgendwie ist das Interface so DJ, dass ich bis heute nicht verstehe, warum die Software des iPod einem nicht erlaubt, Tracks zu pitchen. Wie einfach wäre das? Umschalten auf DJ-Mode und das Clickwheel als Pitch benutzen. Oder zum Scratchen. Das sollte doch nun wirklich gehen, das hätte schon immer gehen müssen, dann wäre dieses ganze Gerede von iPod-DJ-Revolution nicht nur Geschwätz und man könnte nahtlos vom Podcasting zum Pod-DJ werden und würde sich vielleicht sogar damit anfreunden, digitale Systeme zum Auflegen mitzunehmen, die nicht auf Vinyl basieren. Möglich ist es, schließlich kann man auch Audiobooks auf dem iPod langsamer und schneller abspielen, die Prozessorleistung der Kiste reicht sogar dafür aus, die Tonhöhe bei +- 25% wieder anzugleichen. Einen Hack dafür aber sucht man vergebens. Man kann seinen iPod als Fernbedienung für den Fernseher benutzen, via Bluetooth streamen, Linux draufbooten, Dockingstations für Motorräder, Fernbedienungen fürs Lenkrad, jeden Scheiß kann man damit machen und sich totkaufen an Zubehör, aber auflegen?
Es gibt Leute, die es tun, und man bekommt jedes mal Angst. Wer mit einem iPod auflegt, konnte sogar eine Zeit lang Artikel in seriösen Tageszeitungen bekommen, so eng sind die Ideologeme DJ und iPod verbunden. Aber ein Pitch! Pfffft. Eigentlich weiß man sofort, wenn man irgendwo ein iPod in DJ-Nähe sieht, dass hier Greatest Hits aus der Musiksammlung gespielt werden sollen: iPod und DJ, das bedeutet Retro pur. Warum nur? Das könnte genau umgekehrt sein. Das letzte Gadget in dieser eigenwilligen Scheinehe ist das iDJ-iPod-Mischpult von Numark. Gott mach, dass sie einen Buffer eingebaut haben, der einem erlaubt, die Tracks zu pitchen, dachte ich zuerst. Aber, nein, haben sie nicht. Dafür kann man es (wegen einem kleinen Loch untendrunter) frevelhaft thronend auf einen Technics platzieren. Regler für Mitten, Höhen, Bässe, Gain, Crossfader, ja sogar das komplette Interface des iPods ist noch mal abgebildet, damit man ihn vom Mischpult aus bedienen kann, aber einen Pitchregler? Nope. Wir würden Numark genauso anflehen, wie im Netz flehentliche Aufrufe an Apple zu starten, dass sie doch ihre API öffnen sollen, denn Entwickler würden sich drum reißen, Pitch und Ähnliches in die nächste Version einzucoden. Aber vermutlich gibt es eher einen Pitch in Podzilla (dem Linux für iPods) als von der sonst so musikaffinen Company Apple. Am wahrscheinlichsten aber sollten wir uns alle besser vom iPod-Wahn kurieren lassen, schließlich gibt es so viele andere Möglichkeiten, mit MP3s aufzulegen, dass man sich schon wirklich wundern muss, warum man überhaupt einen iPod zum Auflegen haben will. Ach, und ja, es gibt pitchbare tragbare MP3-Player. Aber versucht mal rauszufinden, ob es auch DJs gibt, die damit auflegen …

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Elektronische Lebensaspekte.