An einem warmen, frühlingshaften Aprilwochenende in Paris öffnete "Numer 02" ihre Pforten. Die Organisatoren der Design-Konferenz hatten unter dem Motto "Look Ahead" eingeladen, um aktuelle Anwendungen und zukünftige Entwicklungen auf dem Gebiet der Interaktions- und Designtechnologien vorzustellen.
Text: jonah brucker-cohen aus De:Bug 60

Das Eröffnungspanel widmete sich den kreativen Arbeitsweisen bei der Entwicklung von interaktiven Projekten. Der kanadische Designer Stuart Butterfield machte den Anfang mit einer von einem schwerwiegenden Jetlag geprägten Rede über den Mangel an Navigationsmetaphern in interaktiven Anwendungen. Viel zu oft und zu leicht verliert man in Informationsräumen die Orientierung, allein entsprechende Kontextualisierungen könnten den Benutzer an sein Ziel bringen. Arnaud Mercier, Gründer von Elixirstudio ist, stellte anschließend die langweilige Frage “Ist Webdesign tot?” und suchte nach entsprechenden Qualitätskriterien dieser Branche, die sehr wohl immer wieder überprüft werden müssen.

RENNEN MIT SODA
Während bis hier nur die Interaktion visueller und grafischer Mittel betrachtet wurden, näherten sich die Beiträge des zweiten Tages dem Verhältnis von “Kreativität und Formalisierung”, um u.a. die Beziehung zwischen Audio und interaktiven visuellen Systemen von einer etwas anderen Perspektive her zu beleuchten. Jean-Jacques Birg begann die Lektion mit seinen Screenbirds, die musikalische Kompositionen in Relation zu den Cursorbewegungen kreieren. Ed Burton, Designer bei Sodaplay, machte mit seinem Soda-Constructor-Applet das Publikum so richtig munter. Er zeigte Projektbeispiele, die mit eben dieser Software erstellt wurden: von wilden Tieren im Zoo bis zu einem Memorial für den Rennwagenfahrer Dale Earnhardt. Zum Schluß verriet er den Anwesenden den Launch von Sodarace (ab Winter 2002), einer Online- Plattform für Leute, die dort ihre persönlichen Sodaplay-Wesen kreieren und sich untereinander jagen können.

EINGABE – AUSGABE
Das durchgängige Konferenzthema schien “Keep it simple” zu sein. Es wurde von Golan Levin fortgesetzt, einem Abgänger der am MIT Media Lab ansässigen Aesthetics and Computation Group (ACG). Er präsentierte einfache Interfaces und Interaktionen, die Punkte, Linien, Flächen, Pixel und Sounds benutzen. Außerdem stellte er seine viel gelobte “Audio/Visual Environment Suite” vor und wies darauf hin, dass Sound und Bilder in interaktiven Interfaces gleichermaßen zu formen sein müssen. Ben Fry und Casey Reas, ebenfalls Ex-ACG Studenten, erklärten ihre neuste Programmierumgebung “Proce55ing”, das dem klassischen Vorläufer „Design By Numbers” von John Maeda ähnelt. Ihr Hauptkonzept sollte zeigen, wie Computer völlig neue Darstellungen und neuen Ausdruck ermöglichen und wie einfache Tools und Interfaces zu komplexeren Tools und Interfaces führen.

DESIGNMETAPHERN
Das französische Duo Electronicshadow zeigte eine flotte Vision eines hybriden Netzwerkraumes mit mehren Projektionsscreens, modischen Schaltelefonen und einer neuen Interpretation der Internetzeit als globaler “25th Time Zone”. Am Ende der Konferenz wurde der Ausblick in die Zukunft des interaktiven Designs gewagt. Werden schnellere Computer unsere Vorstellung übertreffen? Sind die Metaphern von Interfaces zu groß, um überwunden zu werden? Eine Veranstaltung wie “Numer 02” hält diese Fragen und die Diskussion darüber, wie Technologie, Gestaltung und Handeln auf individuellem und sozialem Level geformt werden kann, am Leben.

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Elektronische Lebensaspekte.