Im Internet, heisst es, kann eine gute Idee Millionen wert sein. Sagt man halt so. Ist aber natürlich Blödsinn, weil eher die Gier und die Fantasie von zu viel Geld an den Börsen jeden Pinguin in Gold aufwiegen. Und dessen grösster Teil existiert einfach nicht, ist also nie wirklich in Porsches und Champagner umzusetzen. Es gibt allerdings EIN Netzhandelsgut, auf das diese Chat-Tischweisheit wirklich zutrifft: "com" Top Level Domains (TLD). Wieviele Adressen kann es im Netz geben? TLDs sind die wirklich letzten Endungen einer WWW-Adresse und trotz orginelleren TLDs wie "cc" oder "fm" brauchen auf absehbare Zeit alle, die einen ernsthaften ...
Text: ed aus De:Bug 33

OHNE MUSIK Brüssel + TMRX aka TEA? MR. X aka MARC MANCHA aus Brüssel kam gerade neu mit “Never Going Back” (tmrx@hotmail.com). Mit Vorwärtsdrang mausern sich hier niedlich-schreckenserregende Frequenzballungen neben Staubsauger, Hammer und Kindgeplapper, und alle beieinander verhalten sich gemäss der strikten Eigenvorgabe “difficulté de comprendre dans le bruit?”. Hier sitzt Ohne Musik massgeschneidert und perfekt. Auf JONATHAN COLECLOUGHs “Windlass” (Korm Plastics Introductionary Paperback) wobbelt die Musik im langsam-repetitiven TiefDrone in viel pralles Schönes hinein, wo man sich gern mit warmem Honig besudelt und Winnie The Pooh mit Kiffklötzen über Rinde reflektiert – neben ChHeemann und AChalk definitiv eine der wichtigsten Ambientarbeiten letzten Jahres. In der selben Riege, aber um einiges trockener, präsentiert sich TOSHIYA TSUNODA. Im “Bottle at Mountain Road” z.B. antizipiert Tsunoda mit seinem Mikro in der Flasche von aussen auftreffende NoiseWellen der Vögel, Zikaden und tieffliegenden Helikopter, die wiederum unüberschaubare ReNoiseWellen im Innern seiner Hohlräume bewirken. Acht dieser mikroskopischen Gratwanderungen zwischen Flux und Statik im hörbar anfälligen Raum wurden auf “Extract from Field Recording Archive #2: The Air Vibration Inside a Hollow” (Häpna) uneditiert festgehalten. Am trockensten und nach viel Edition erscheint FRANCISCO LOPEZ’ “Untitled #89” (Or). Nach allem, was der Spanier über seine Sounds im Booklet zu La Selva geäussert hat, sollte man meinen, es wäre bereits alles gesagt; dem ist so. Zu betonen und bedauern bleibt, dass diese CD niemand live kaufen wird, da sie trotz kraftvollem Weissen Riesen im Rauschen im 78. TransparentCover unsichtbar bleiben wird. Auf Versteck spielen haben BASTARD NOISE mit “The Analysis of Self-Destruction” im schicken shit brown Card Stock Gatefold CD-Cover mit Bastard Noise Trademark Skull Logo auf alien8 aus Montréal keinen Bock. Wie also Cover und Titel vermuten lassen, stimmen die Kalifornier mit Sicherheit in keinen Lobgesang auf das ausgereifte Individuum ein. Vielmehr brodeln acht stinkende Noise-Tumore aus selbstgebasteltem BilloLoFi-Instrumentarium und unerbittlichen Field Recordings (auf verdammt hohem Atze-Niveau), die allesamt mit ihrem versotzten Kratz-Ambient den perfekten Soundtrack zu Kickballs in Zeitlupe liefern könnten. Bastard Noise präsentieren den Sound des Geschmacks einer triefenden Klobürste mit Landalarm. Auch wenn SACHIKO Ms neuer Offspring namens “Debris” im Titel den Geisteszustand der Bastarde trifft, machen sich in Ms beiden 9-Minütern eher andere Frequenzen breit: ein feingliedriges, gläserzerschmetterndes Bit-Bündel, deren Macht im subtilen Müll einzig dekadenter Verschwendung zu verdanken ist, und ein nach Kapotte Muziek anmutendes Half-Moon Pic-up Mic solo, das aalglatt den Punkt höchster, flexibler Entropie aus blossem Untergrund quetscht. Die nett ausschauende 3″CD erscheint auf F.M.N. im fernem Japan, in dem Land, wo vielleicht nichts nach abgeschmackter Westkultur stinken kann. Zurück nach Brüssel: “Bruxelles Parall?les: Fragment” von MATTHIEU HA. Der erste Release auf Firstcask bildet Teil Eins des Dreiteilers über eine unendliche Reise von fünf Jahren in der Heimatstadt (on dit: saga musicale). Hier wird mit acht prachtvollen Aufnahmen aus dem Choeur de l’église de béguinage oder am Kiosque du Parc Royal vorgegeben, dass die Stadt fernab vom lokalen Politikersumpf um Molke und Kinderpopo als vielleicht letzte europäische Zufluchtsstätte vor dem sonst üblichen Durcheinander funktionieren kann …. – gleich den Aufnahmen Justin Bennetts oder Claude Schryers findet auch M. Ha in jedem Auszug die klare Magie des Augenblicks, eben da, wo selbst die ständig drängelnde Zeit von draussen im Repeat-Modus doch irgendwie Spass verspricht.

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Text: ed aus De:Bug 32

OHNE MUSIK Klein, dann königlich. Beginn macht der Nullinger schlechthin: *0/0.0 (meme) Sein gefühlvoller ‘bie(b)’ bleibt und geht (der Rest stört recht schnell) schick und fett im Bass oder fies und supermini. 0.0 ist ein grosses Silber, das sich als Gegengewicht zu Vainios intimen Onko entblösst und aufs Unschuldigste und Edelste die Suche nach der perfekten Digitalität vollendet. Wesentlich reisserischer präsentieren sich Justin Bennett (VinylMuslimBreakbeatGewitter), Vibrosonic (SlurpyDelayMatsch), Mutant Data Orchestra (MonsterGlitchDigitalia), Edwin van der Heide (Hausswolff mit neuer Feinmotorik) und Ver Licht (loopySlowJoeNoises) auf reCONSTRUCTIES (Cell – initiators of incidents). JBennett erweist sich beiweiten als grossartigster Initialzünder; der Rest ist befriedigend, kommt im 3″-Format und parallel zur gleichnamigen Ausstellung in Den Haag. Besser, geschmeidiger und ebenso niedlich schliddert ERIK M mit Frame daher und erweitert Metamkines Reihe blinden Kinos um ein weiteres Juwel (nach u.a. LFerrari, JORourke, DPetitgand, RLW, LMarchetti). M reizt in der Tat die Rahmen der musique concr?te bis zum porösen Leck, aus dem sich fenneszke Melodien ihren Weg erkämpfen, in dem sich stolze Raben im Kurzwellensumpf spannend zukrächzen und dadurch der beschauliche mego-knzzz M-scher Färbung seinem eigenen halbwahren Abstraktum entkommt. Frame setzt eine neue Möglichkeit vor, und so soll’s weitergehen. Auf der Split-7″ von DRAGIBOS et TOKI-MEKI SCIENCE (Childisc) präsentieren Dragibos französiches WortBrodeln und japanische Kinderchöre begleitet vom unsympathischen Babyorchester aus der MuppetsShow. Hier handelt es sich offenbar um die Aufnahme kleiner NervBolzen zwischen drei und vierzehn Jahren, die meinen, dem deutschen ToyGepoppe eine neue surreale Art KinderzimmerPunks entgegensetzen zu müssen. “Kono-Michi” von T-Mscience wirkt ebenfalls nicht wie ein Stück, das wir uns unserem kleinen Nachwuchs wünschen. Zu unverständlich bleibt der in französisch abgehaltene Monolog, zu aufreibend die PianoBegleitung des NerveNetNoiseMitglieds Tagomago, bis dann doch schliesslich gegen Ende hin eine reizende Japanerin eine zauberhafte Melodie anstimmt und im Effektmodus umgestülpt eine MiniArie vorträgt, dann aber rasch verschwindet. Eine wahrhaft seltsame Platte. Mehr Split auf der Split-7″ von CHRISTIAN MARCLAY & OTOMO YOSHIHIDE auf Gentle Giant, wo die beiden bekanntesten TurntableMagier seit Cage alte und neue Schlager von Ikeda (~478x bei Yoshihide) oder ungewohnte Kitsch- und KlassikBrocken aufsaugen, um diese in Echtzeit im Stachelgewitter ihrer gebogenen Nadeln locker und unflockig auszuspeien. Nach den vorangegangenen Splits von Liminal/TV Pow und KEndo/Incapacitants steigt diese Single in den TurntableIismHimmel für Turntables auf, nimmt mit höchstem Anspruch um den ThronPuck platz und tritt aus Spass jegliche Existenzansprüche der ach so mageren Niedelichkeiten üblicher Epigonen krumm – weniger seltsam, mehr Muss. Nun zum homogenen Pomp: Entgegen vergeblicher Animierungsversuche leboser Gegenstände dringt LEIF ELGGREN auf Pluralis majestatis (Firework Edition) in ein Bettgestell ein und durchsucht es auf verborgene und vergessene Geräusche, auf sonische Überbleibsel königlicher Kopulationsgepflogenheiten oder Anfänge einer möglichen Konversation. Das Ergebnis ist ein phantastisch voluminöses Bettgeflüster, gleichmässig brodelnd im UrDrone des Gerippes. Nach des Musikers Behautung, “wir wurden alle als Jesus Christus geboren”, (artefakt5) vermag die CD im ehrwürdigen Cover vielleicht erst unter globaler Perspektive ihren Namen rechtfertigen. Das erinnert mich an… Ja, es wurde Weihnacht.

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news aus De:Bug 30

OHNE MUSIK STRINGS AND STINGS: A 100% GUITAR COMPILATION (FBWL/Tow) bringt die Gitarrenmusik, die, falls überhaupt, hier erwartet werden kann: vertrackt und barock, schlagerhaft oder sphärisch in Schwebe, so geben sich Tracks von NAkchoté, JPlotkin + DFench, ThMoore + UMilkmaids, LMCConnors, JKBroadrick, Micro:mega, AFournier etal. Der Standardsatz: Ein weiteres mal müssen wir ElektronikNerds eingestehen, daß die Gitarre noch nicht völlig ausgedient hat. macht viel Sinn. Daß dem aber sowieso niemals so sein wird, haben bereits jahrzehntelang Motörhead bewiesen und beweisen bis auf den heutigen Tag die einizigartigen, die großartigen und unschlagbaren BRAINBOMBS. Die Schweden strotzen vor intensiv gelangweilt wirkendem Determinismus und kommen trocken in wenigen, todgerockten Akkorden präzis auf den Punkt: “you’re a sexy bitch .. and you stink”, “I’m a sick fuck, I came for pleasure” oder noch simpler: “eat the pooh.” Die CD streitet sich mit den Freemixes um die Musik für den madigsten HinterhofKacker. Die gehören auf Tour geschickt, mit Costes! Sympathisch und humorvoll dagegen präsentiert sich die Schweizer low-fi Garde ums Label K:U:K Industrie. HIER ENTSTEHT EIN SUPERMARKT heißt der Frischling, der mit illustren und erfrischenden LieblingsHits auffährt von: Kleingebäck, Ministudio, Die Ministranten, Jakob Apfelböck, Jungunternehmer Kurt Köhler, No Fun, Christine lacht dazu, Klotz & Kugel etal. Sie singen über Thomas Mann in Prag oder abgeknickte Absätze, in deutsch, mal französisch oder in leicht mißverständlichem KauderSchweiz, ihr Equipment kostete allenfalls 40,-, und wäre die CD auf Kitty-Yo erschienen, hätte der Labelname aufm Cover die organische Form garantiert. Auf TRICKBEATs letztem Album Musik Wird Überflüssig – The Freemixes (Human Wreckords) bretzeln 13 Projekte um den großen RatzundRübePokal. Wie wir wissen, standen Trickbeat von Beginn an dem Ekel in jeder Hinsicht am nächsten und dieser breitet sich selbst in den Neuinterpretationen solch ansonsten stilsicherer Künstler wie BGöring, MBanana, CDBabalon, Vivacide, NilsP, PCatani, Stilluppsteypa (vertreten durch “Ackerbau und Fickzucht”) und DRPLIKhan etal. facettenreich aus. Meine Hochachtung vor so viel Säuen im Dreck, vor vollbrachten Tribut an SuperAtze Rösner und Vivacides Bester Vietnamstimmung. Tja… Trickbeat sind leider kürzlich verschieden. ANIMA~SOUND – Musik für Alle von ’71 wurde hingegen gerade wieder zugänglich, allein durch Alga Marghens hartnäckiger Suche nach hinterlassenen Artefakten. Bei Anima~Sound handelt es sich um eine Paul und Limpe Fuchs entsprungene JazzGeburt nach konsequentem TabulaRasaAnspruch. Musik für Alle wächst irgendwo zwischen NWW, Eve Libertine und SäuglingsMerz und findet im ausgehenden RetroJahrzehnt einen Platz ganz vorne im Regal der Überbleibsel einer steten Modernität. Das ganz lecker Schmankerl am Ende nach gewagtem Rückblick: 1991 hauchten uns My Bloody Valentine mit Melodien aus Noise oder Nichts angeblich lieblos die Ohren breiig. Acht Jahre später folgt Christian FENNESZ’ +475637-165108 (Touch) und perfektioniert den längst überfälligen Diptych zur hmmm… Erotik im Pop: durch Fennesz erheben sich Melodien aus digitaler Ursülze, sein laptop bäumt sich versteckt zum Herrscher über Ungehörtes auf und reduziert mit Bravour natürliche Markanz zu hitverdächtigen Nannokeimlingen. Verdammt sexy und mit prallem MonatsMußStempel.

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