Die finnische Op:l-Bastards-Crew hat den ersten Longplayer am Start. Das De:Bug-Expeditons-Team ergründet den Zusammenhang zwischen Bratz, Funk, Bäumedurchsägen und nordischer Autokultur.
Text: anton waldt aus De:Bug 46

Op:l Bastards
Funky Bratzen aus dem Sägewerk.
Der Nachthimmel über der Tankstelle von Kiihtelysvaara im Nord-Osten Finnlands ist weitgehend klar, nur drei einsame Wolken, deren fahle Nuancen Creme-Variationen durchspielen, zuckeln verhuscht in Richtung Russland. Der Tankwart verkauft dem De:Bug-Expeditons-Team zahllose Tillikka-Sixpacks und Nortti-Kippen und muntert auf: Die kommen noch, die Op:l Bastards. Die kommen nämlich sowieso immer. Und wenn wir verabredet sind, werden sie aber ganz bestimmt auftauchen, weil die Bastards sind wirklich gute Jungs. Weder Schnösel, die unbedingt in einem Wireless-Start-Up arbeiten wollen, noch welche von denen, die sich mit Polnisch-Kompott weghauen. Im Reiseführer stand: Mitzunehmen sind ein dicker Pulli, eine warme Jacke, gutes Schuhwerk, eine Regenjacke. Diese Angaben sind allerdings für die Tankstelle von Kiihtelysvaara ungenügend. Endlich ist zu den Scheinwerfern eines Wagens, der die Zapfsäulen ansteuert, bassiges Bratzen zu vernehmen, das schon brutal laut ist, als der pinkfarbene Spoiler am türkisen Heck des Kadett zu erkennen ist. Als die Fahrertür aufschwingt und der erste Bastard aus dem Schalensitz klettert, sind alle Zweifel ausgeräumt, und es bratzt enorm, tönt aber gleichzeitig funky, und die Tankstelle von Kiihtelysvaara groovt wie Drecksau. Der andere Bastard, der mit seiner dünnen deutschen Armee-Jacke mit eingeschwärztem gelben Streifen sofort ins Schlottern kommt und auch sonst etwas schwindsüchtig wirkt, winkt linkisch und verschwindet hinter der Werkstattbaracke. Der dritte Bastard entschuldigt die Verspätung, Vergasermucken und eh schon wissen, alles klar. Dann versorgt der erste Bastard sein Baby mit Super, der andere Bastard erklärt uns, dass Tillikka nach Rentierpisse schmeckt, und der dritte Bastard besorgt eine Palette Lapin Kulta. Auf der Fahrt zum Sägewerk, in dem das O:pel-Bastards-Studio untergebracht ist, erklärt uns der erste Bastard, dass die Anwälte des Automobilkonzerns es als eine Zumutung für ihre Arbeiter betrachten, wenn die Marke für elektrischen Distortion-Groove benutzt wird, dass aber bei einem Lokaltermin in einer deutschen Werkskantine eigentlich niemand beleidigt war und dass die Sache mit den “:” sich trotzdem irgendwie eingeschliffen hätte. Jetzt träumt die Bastard-Gang von einem Op:l-Opel nach dem Rolling-Stones-Golf-Schema. Die Technik-und Design-Details liegen im Büro des Sägewerks. Dort selbst werden überraschender Weise Überstunden gemacht. An eine Unterhaltung im Bastards-Studio ist deshalb nicht zu denken und wir fahren wieder los. Die beiden Kneipen Kiihtelysvaaras sind heute heftig frequentiert, weil am nächsten Tag das traditionelle Ruderboot-Rennen im Höytiänen-See stattfindet, deshalb ist dort auch wieder nur Trinken und kein Informationsaustausch drin. Am nächsten Morgen treffen wir die Bastards deshalb am Start des Rennens, zu dem tausende Teilnehmer in altmodischen Holzbooten antreten. Der Sieger braucht fast sechs Stunden für den Rundkurs um die Insel Kiihtelystiänen, so dass wir endlich mit den Bastards beim Punschstand über ihren ersten Longplayer reden können. Der ist funky und bratzt. Im Pack an den Op:l gelehnt, die Anlage auf Sub-Bratz-Boost feingetuned, hängen die Bastards ab und beeindrucken die Supermarkt-Kassiererinnen und Friseusen Kiihtelysvaaras. Das De:Bug-Expeditons-Team wird allerdings investigativ und bringt in Erfahrung, dass die Bastards in echt ganz liebe Kerle sind. Das Büromädchen aus dem Sägewerk geht oder exakter fährt nämlich mit dem dritten Bastard, und der hält demnach vornehmlich Händchen. Nur wenn seine Kumpels dabei sind, bratzt auch das Posing. Aber funky.

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Elektronische Lebensaspekte.