Kein Fleckchen auf dem Elektronika-Globus soll leer bleiben. Heute: Kopenhagen, Dänemark. Dort ist in den letzten Jahren um die dubbige Supergroup Future 3 eine frische Elektronikaszene entstanden. Mit eigenem Label (Hobby Industries) und eigener Website (systemf3.com), inkl. Mp3 Of The Month Club. Trinkjoghurt aufgemacht und Überblick verschafft.
Text: rene margraf | thecrashkid@gmx.de aus De:Bug 48

Kopenhagen Massive
Opiate / DubTractor / SystemF3.com

Auch in Kopenhagen lautet die Devise mittlerweile wieder ‘selber machen.’ Träumten noch vor einem Jahr alle dänischen Elekroniker von einem Deal mit April Records, dem einzigen Label im Land mit ein paar verstreuten internationalen Kontakten, hat man inzwischen genügend Kontakte geknüpft, um unabhängig und kompromisslos Platten zu veröfffentlichen, selber oder auf befreundeten Labels. Reset in Kopenhagen also, wir präsentieren: die Verdächtigen. Mit Future 3s neuem und finalen Album und Thomas Knak als neuem Björk-Produzenten ergibt sich der Rest von selbst.

Future 3
Anders Remmer (solo veröffentlicht er als ‘Dub Tractor’), Thomas Knak (er ist ‘Opiate’) und Jesper Skaaning (Acustic) fanden sich vor einigen Jahren und gründeten Future 3. Das Konzept “relaxen!” kam anfangs noch in Form von sehr weichen Downbeatstücken daher. Inzwischen sind jegliche anfangs von Future 3 noch hervorgerufene Assoziationen zu Triphop oder gewöhnlicheren Downbeatsachen aus dem Sound verschwunden. Wozu auch das Haus verlassen, wenn daheim Bleiben so ausschaut… Anders Remmer (Dub Tractor) erklärt das Konzept hinter Future 3: “Wir drei treffen uns in meinem Wohnzimmer, Jesper bringt Gebäck, wir machen etwas Kaffee und versuchen zu relaxen. Wenn wir dann ein Stück machen, dauert dieses Treffen schon einige Stunden.”

Dub Tractor
Nur die Ruhe bewahren… Denn Stress gab es früher genug, zumindest bei Anders. Er spielte in den späten 80ern Drums bei der von Jesus and Mary Chain beeinflussten Noiseguitarpopband How do i. “Das war immer sehr laut und verschwitzt… Wir veröffentlichten vier Alben auf vier Labels, die alle unseretwegen pleite gingen (lacht).” Doch es ging weiter mit Dub Tractor. Inzwischen sind auch dort Gitarren in Anders musikalisches Schaffen zurückgekehrt, denn auf der neuen Split EP, die er zusammen mit Opiate füllt, gibt es diesen wunderbaren Abschlusstrack, ‘Tall’. Eine Gitarrenmelodie eingepackt in Rauschen und Knistern… Magie, oder was? “Ich habe mir gerade eine Gitarre gekauft, so einfach ist das. Früher habe ich für meine Rockband Stücke komponiert, nun habe ich mir meine erste eigene E-Gitarre gekauft. Als nächstes kaufe ich mir einen Bass. Ich mag diese analogen Sounds. Es fällt mir auf der Gitarre leichter, eine Melodie zu komponieren. Viel leichter… Außerdem lassen sich mit einer Gitarre wunderbare Geräusche machen, für die du am Sampler Stunden brauchst.”

System F3
Anders Remmer resampelt als Dub Tractor also Gitarren. Währendessen hält er auch die Onlinecompilation System F3 in Schuss. Dort gibt es immer zehn Stücke zum Download. Allerdings nicht ohne Hintergedanke… Welchen? Klein ist fein und mehr als 3 MB ist arrogant! Kleine Perlen im Dreiminutenformat lassen die Menschen hinter Future 3 hier einfach so und kostenlos ins große WWW kullern. Dabei haben die Acts Acustic, Dub Tractor und Opiate auch schon einen beachtlichen Backkatalog, was “echte” Releases anbelangt. Doch Schenken bereitet ihnen scheinbar Freude und es schafft auch neue Freunde. Zum Beispiel ~Scape, das Label von Pole. Nach Morr Music und CCO das dritte Label aus Berlin, das mit den Kopenhagenern anbandelt.

Opiate & Hobby Industries
Thomas Knak wird hoffentlich bald berühmt, arbeitete er doch am kommenden Björk-Album mit. Doch da werden andere mehr drüber schreiben. Wenn Thomas Knak nicht gerade mit eigener Musik, System, Future 3 oder mit dem Remixen für andere Künstler (Piano Magic, Bomb the Bass) beschäftigt ist, macht er sein eigenes Label Hobby Industries. Dass Labelmotto ‘Enjoy your hobby!’ fällt denen, die ihr Geld in die Vinylplatten anlegen, recht leicht. Bisherige Veröffentlichungen von Manual, Orchard, Goodiepal, .h (aka .snd) und Acustic wachsen einem sofort ans Herz und kleben auf den Plattenteller fest. Hier klingt alles immer etwas anders… Etwas, dass auch auf die Musik von Opiate zutrifft. Anders klingen. Allerdings lässig. Es gibt schon so etwas wie einen Opiate-Sound. Knisternd und mit viel Feinarbeit bei den Beats. Wie wichtig ist es für Thomas denn nun, anders zu klingen? “Es hat für mich keine große Bedeutung. Man wird immer irgendwo inspiriert. Es gibt viele Leute, die ‘fx clicky sounds’ machen, und die meisten benutzen die gleichen Programme und Effekte. Aber solange du einen gewissen Stil oder eine besondere Stimmung magst, ist es egal, ob viele Leute so produzieren. (…) Wenn ich als Opiate arbeite, denke ich nicht, ich müsste diesen oder jenen Sound benutzen, um es zu etwas Besonderem zu machen. Für mich ist es sehr natürlich, mit Fehlern, die beim Sampeln passieren, zu arbeiten und sie beizubehalten. Oft sind diese Sounds Reste von ‘Clicks and Cuts’. Manche Menschen mögen denken, dass das, was ich tue, typisch für Elektronika ist, während andere es für etwas Spezielles halten. Ich hoffe immer nur, dass sie es mögen, weil es gute Musik ist.”

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Elektronische Lebensaspekte.