Weck den Tiger in dir. Apple hat OSX komplett überarbeitet und konsequent weiterentwickelt. Sascha Kösch findet es prima.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 92

Eye Of The Tiger
OSX, ganz neu

Heilige Beta! In der Vorbereitung zum Start von Apples neuer Betriebssoftware (gestatten, OS X Tiger) fingen die Nerds und Tester schon an Kurven zu malen. Je schneller die Builds aufeinander folgten, desto wahrscheinlicher das Releasedate. Jetzt steht es endlich fest, 29. April. Immer noch knapp vermutete 1 1/2 Jahre vor dem größten Konkurrenten Loghorn. Man kann sich als Apple-User endlich wieder vorne fühlen und dürfte einen ähnlichen Abstand zu Windows-Systemen wahrnehmen wie zu den Zeiten von System 6 oder beim ersten Erscheinen von OS X, denn die Unterschiede waren lange nicht mehr so sichtbar. Und – nicht wie vielleicht von einigen befürchtet – funktioniert Tiger mit allen Rechnern, die einen Firewire-Anschluss haben bis runter zum schranzigsten iBook. Puh. Noch mal Glück gehabt.
Am wichtigsten ist wohl die durchgängige Benutzung einer Indizierung der Festplatte mit angeschlossener Searchengine namens Spotlight, denn in den letzten Jahren wurde einfach jeder Rechner immer unübersichtlicher. Kein Wunder, dass Google et al sich dran machten, Desktopsearchengines zu basteln. Ein Wunder eher, dass man es so lange mit der Suchfunktion bisheriger Macs ausgehalten hat, die seit X ja irgendwie zu Recht in Vergessenheit und in die Unixabgründe geraten war. Rechner sind – auch wenn kaum noch einer ohne Netz leben mag – immer mehr zu einem geschlossenen Informationsgrab geworden, in dem man dank Spotlight jetzt willenlos und programmübergreifend plündern kann. Und als wäre OS X nicht eh schon einfach genug zu bedienen, kann man über die Suche jetzt auch mittels visueller Spots das Icon finden, das man eh anklicken wollte. Dinge wie smarte Postfächer, Adressbücher etc, all den Service, den man von iTunes gewohnt war, erscheinen dann nur noch als Dreingabe.
Tiger befreit einen aber auch von einer Menge anderer Software. PDF-Freunde werden endlich davon erlöst, immer noch nebenher Adobe zu benutzen, denn sowohl die PDF-Printfunktionen (komprimiert, encrypted, als Fax, Mail, etc. etc.) als auch die Ansichtsfunktionen (Volltextsuche, Text kopieren, Formulare ausfüllen) sind ebenso grundlegend upgedated, genau wie die (adieu, Suitcase) FontBook-Funktionen, die sich nahtlos mit einer der weiteren überfälligen Neuerungen des Systems verbinden lassen: Automator. Wer gelegentlich Dinge tut, von denen er sich denkt, hey, für solche stupiden Fleißarbeiten sind doch eigentlich Computer erfunden worden, aber immer zu faul für Shellscripts oder AppleScripts war, für den wird Automator bald zum täglichen Freund. Und da man die Automatisierungen nicht nur im Office sharen kann, sondern Entwickler auch immer neue hinzufügen können, dürfte sich dadurch die Arbeitsweise eines jeden Tiger-Büros grundlegend verändern. Ab zur Kaffeemaschine.
Die CoreI-Image-Funktionen machen Video, Graphik etc. noch flüssiger als eh schon und Quicktime 7 unterstützt H.264, wodurch streamen noch bitärmer wird. 64Bit wird zur Selbstverständlichkeit, selbst Gridcomputing (bei der Serveredition) gehört zu Tiger. Die Entwickler, die seit über einem dreiviertel Jahr schon dran sitzen und den Übergang zu Tiger damit wohl schnell vollziehen werden, haben es jetzt mindestens ebenso leichter wie der alltägliche User, weshalb die Share- und Freeware-Entwicklung für OSX wohl einen gewaltigen Satz nach vorne machen wird. Und ich brauche mich nicht mehr darüber ärgern, dass es nie eine gute RSS-Software für Mac gab, denn die ist jetzt in Safari. Ich veranschlage für die Woche nach Release jedenfalls erst mal eine Sabbatical-Woche für alle MacUser. Mehr Grund, sich noch mal intensiv mit seinem Rechner zu beschäftigen, gab es jedenfalls schon lange nicht mehr.

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Elektronische Lebensaspekte.