Text: heiko h. gogolin aus De:Bug 57

Pong-Emulation mit Schocktherapie

Mein Vote zum Spiel des Jahres 2001 geht nicht etwa an G.T.A. 3 oder Conker’s Bad Fur Day, sondern an die PainStation: Eine schmucke stand-alone Tischkonsole von Tilman Reif (Software) und Volker Morawe (Hardware) von der Kunsthochschule für Medien zu Köln, leider ein Einzelstück. Zwei Spieler stehen sich Face-to-Face gegenüber und spielen eine modifizierte Version vom guten alten Ur-Pong; hinter den Kulissen fein von einem Mac mit Director gesteuert.
Die einzige Instruktion, die man 1972 auf dem ersten Pong-Arcade Prototyp lesen konnte, war “Avoid missing ball for high score”. Bei der PainStation wäre es sinngemäß “Avoid missing ball to avoid pain”: Die rechte Hand eines Spielers bedient den bekannten Drehknopf, mit dem man seinen Schläger auf dem Screen nach links und rechts steuert. Die linke Hand muss dabei derart auf der sogenannten Pain-Execution-Unit (PEU) platziert werden, dass sich ein elektrischer Kontakt schließt. Bei Loslassen der Taste zählt ein sich vermindernder Balken den Spieler binnen weniger Sekunden aus, was die Niederlage für den Loslasser markiert. Schafft man es nicht, den heraneilenden Ball zu retournieren, kriegt man mitunter eine von drei physischen Schmerzarten zugefügt, jeweils in verschiedenen Power Up-Stufen: eine Rotlichtbirne erwärmt das PEU bis auf maximal 80° C oder Stromschläge und Peitschenhiebe malträtieren die Spielerhand. Wen das an James Bond in Sag Niemals Nie erinnert, liegt von der Grundidee her gar nicht mal falsch.

Das “Neuzeitliche Duellierungs-Artefakt” feierte sein Debüt beim “Hyperkult X” in Lüneburg, wo regelmäßig selbst während der Vorträge im Hintergrund Schreie der Duellanten zu vernehmen waren. Zuletzt durften u.a. die Besucher der Profile Intermedia in Bremen spielen. Das Game funktioniert einfach und straight wie das Vorbild. Einsatz ist wie beim beliebten Pausenhof-Kartenspiel “Fingerkloppe” der Schmerz, den man durch Skills nicht spüren muss. Der Gewinn die Schadenfreude. Sonisch begleitet vom Schreien und Fluchen des Gepeinigten und einer ironisch-martialischen Stimme, die an 3D-Shooter erinnert. Trotz stark masochistischen Flairs steht der Spaß am taktilen Duell mit haptischer Rückkopplung im Vordergrund. War Pong noch eine Badmintonpartie zwischen Snoopy und Woodstock, so bespielt man sich an der PainStation wie die Simpsons in der Familientherapie mit den elektrischen Stühlen. Bart gegen Homer, Maggie gegen Marge: Allein der Bock am Knopf regiert.
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Elektronische Lebensaspekte.