Text: anton waldt aus De:Bug 23

Pan Sonic haben in Rom spektakulär ihre Tour abgebrochen, denn Finne zu sein ist schon ein Päckchen für sich. Es sei denn, man arbeitet für amnesty oder die UNO. Tourmanager von Finnen zu sein ist wirklich schlimm, vor allem wenn man aus der Schweiz kommt, ein gespaltenes Verhältnis zu rohem Fisch hat und Auto fahren muss, während die betreuten Nordmänner ihrer regulären Tätigkeit nachgehen: Trinken. Nach 10 000 Kilometern in 20 Tagen war Schluss, die letzten 3000 km wurden dem Geist der Flasche geopfert, damit hat das neutrale Gespann aber sowieso alle Erwartungen übertroffen, selbst wohlgesonnene Beobachter hatten spätestens für Tag-14 das Ende der Fahrtüchtigkeit prophezeit. In der Folge überschwemmten Groupies aus Düsseldorf, Marseille und Köln analoge Klangerzeuger mit ihren Tränen, drei Tage war in NRW Wodka ausverkauft. Die Ereignisse, die letztendlich zum Abbruch des Himmelfahrts-Kommandos führten, haben sich höchst wahrscheinlich in Rom zugetragen, jedenfalls behaupten das die Überlebenden und finnische Zeitungen einstimmig. Nachdem ein Teil des Equipments schon länger nur noch als Deko auf der Bühne stand, war Mika-Sonic zu betrunken zum Stehen, also fing Ilpo-Sonic allein an, arme Loops zu verwunden. Das fand Mika-Sonic aber Scheisse, mit der Wut kehrte auch wieder die Fähigkeit zum Laufen zurück, sogar um Ilpo-Sonic mit Schwung in den Arsch zu treten reichte es. Der Getretene verliess die Bühne, worauf Mika-Super-Sonic keine andere Wahl mehr hatte als beim Equipment mit dem Treten weiterzumachen. Als eine erkleckliche Anzahl analoger Käfer zermatscht italienischen Staub geschluckt hatte und es gerade wieder anfing lustig zu werden, besannen sich die römischen Bodybuilder ihrer Bouncer-Ehre und wollten kurzen Prozess mit “dem Lappen” machen. Am Ende war dem wohl auch so, aber die Rausschmeisser haben auch ganz schön einstecken müssen. Inzwischen erholen sich die beiden in ihrer spanischen Homebase. Dort ist es warm, und die Nächte sind kürzer als ein halbes Jahr, perfekter Platz zum Trinken und täglich mindestens zwölf Stunden Schlaf. Wenn noch Zeit übrigbleibt, wird ein gutes Buch gelesen, und falls jemand wirklich betrunken ist, steht ein Abend Luftgitarre auf dem Programm. In Österreich sagt man übrigens Schattengitarre dazu, auch ganz schön blöd. Der Wiener Gig drei Tage vor dem römischen Drama war Dank der Monster-PA im Flex der dezibelstärkste, fand blöderweise aber schon am frühen Nachmittag statt, noch nie eine gute Tageszeit, schon gar nicht für laute, tiefe Scheisse. Das Puplikum verhällt sich dementsprechend demütig, jede Menge Jungs starren auf die Bühne, niemand starrt zurück, denn Pan Sonic starren auf ihre Knöpfchen. Prinzipiell wird Lärm strukturiert. Angemessen wäre dieser Sound nach drei, vier Stunden Gabba unter Tarnnetzen, wenn die zweite Pille gerade richtig kommt. So bleibt aber alles beim andächtigen Lauschen innerhalb eines Raketentriebwerks, also ein todlangweiliger Haufen, der sich wirklich guten und hypermodernen Klangsituationen ausetzt. Backstage ist es nicht sooo laut, der Kühlschrank quillt Bier, dazu wird alles interessant gefunden. Eigentlich dieser Tage ein gewohntes Bild in Discos, demnächst auch den USA, und Japan ist schon wieder gecancelt.

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Elektronische Lebensaspekte.