Er spielt Bass bei Stella, releaste als Glühen4, Panthel und Teil von Gaze and Duma. Auf DIAL wählt Hendrik Weber sich mit Diamond Daze ein in die heitersten Blütenträume des noch schlummernden Frühlings. Nur komisch, dass die aussehen wie ein Rorschachtest ...
Text: Johanna Grabsch aus De:Bug 80

An der Elbe sprießen die Knospen
Pantha du Prince

DIAL klingt wie DIAL. Egal, wer das behauptet und wie er dem Label gegenübersteht, ich finde, er hat Recht. Auch wenn die Zutaten bei jeder Platte anders sind und die Köche unterschiedlich, das Endprodukt hat immer diesen einen typischen Geschmack, den Dial-Flavour. Das soll nun nicht bedeuten, dass alles nach Einheitssuppe klänge – ganz im Gegenteil – jeder Release überzeugt durch Einzigartigkeit, der Dial-Flavour manifestiert sich eher in einem gewissen Glanz, einer Art minimaler Eleganz, die jede Platte dieses Labels zu einer Platte dieses Labels macht. Das mag am vielleicht einzigartigen Geschmack der beiden Labelbetreiber liegen, oder tatsächlich daran, dass alle Beteiligten irgendwie immer in Hamburg verwurzelt sind. Fest steht jedenfalls: Dial gehört zu den Trüffeln unter den Elbgewächsen. Und das melancholische Regenwetter dieser Stadt scheint ein guter Nährboden für diese Edelpilze zu sein, besonders für die Band Stella.
Hendrik Weber alias Pantha du Prince jedenfalls spielt dort Bass. Und auch Mense Reents spielt dort, allerdings meist Schlagzeug. Auch der ist schon seit längerem fester Bestandteil der Dial-Familie.
Während Mense auf seinem auf Ladomat veröffentlichten Solo-Album immer mal wieder zur Gitarre griff und auch sonst gerne mal in Richtung Rock tendierte, ist das Debütalbum dieses Projekt von Hendrik Weber ein eher zartes, rein elektronisches Pflänzchen.
Ein wunderschönes Gewächs, das schon Ende Winter erste euphorische Verliebtheitsgefühle aufblühen lässt. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Bis auf die letzten beiden Stücke, auf die eher Letzteres zutreffen könnte, ist diese Platte die bis dato vielleicht fröhlichste Veröffentlichung des Labels. Eine Frühlingsplatte. Hendrik, der schon als Glühen4, Panthel und Teil von Gaze and Duma releast hat, hat ein Jahr an diesem Album gearbeitet. Diamond Daze verbindet seine ganze Techno-Sozialisation mit tagträumerischer Entrückung für den Club – um “neue Furchen in den Klang der Zeit zu ziehen”.

EIN INSTRUMENTALIST BAUT ELEKTRONIK

Musik, die so klingt, als würde er schon seit Jahren solche Musik produzieren und uns hier mal eben mit Links wieder einen seiner sanftmütigen Hits vor die Füße knallen. Seine Releases als Glühen4 winken weit entfernt, Pantha du Prince – eine Großstadt-Version dieses Sounds. Musik für Clubkids mit Köpfchen, die gerne mal im Wald spazieren gehen oder zur After Hour ans Elbufer fahren.
Einfache Strukturen dominieren die Tracks fast wie eine Rhythmusgitarre, und darauf baut sich dann das Zaubergerüst von verspielten Knistersounds, melancholisch knarzenden Bassläufen, variantenreichen four to the floor Beats und hintergründig verhallten Geräuschstrukturen auf. Ein bisschen, als hätte Hendrik Weber sich einfach eine Band nach elektronischem Muster nachgebaut.

Debug:
Wie kamst du zur Produktion elektronischer Musik, und hat Dial dabei als Umfeld eine Rolle gespielt, oder war es eher so, dass du dort deine musikalischen Vorlieben besonders vertreten fandest?

Hendrik Weber:
Irgendwann stand der Synthie da und dann auch noch Atari und Sampler. Los ging’s wahrscheinlich vor fünf oder sechs Jahren, da hab ich die ersten Sounds gemacht. Anfangs habe ich nur mit Mischpultrückkoppelungen gespielt. Irgendwie hat sich das weiter entwickelt. Dial hatte damit erstmal überhaupt nichts zu tun.

Debug:
Aber hat dich der Sound des Labels nicht beeinflusst? Oder ist es einfach nur die Stadt – Hamburg – als Produktionsstätte und Lebensumfeld, im engeren Kontext auch ein Kreis, in dem du dich, wie alle anderen auf Dial releasenden Künstler, gemeinsam mit den Betreibern Pete und Dave bewegst. Oder denkst du, dieser Sound könnte auch überall anders entstehen?

Hendrik Weber:
Ich finde die Platten auf Dial sehr unterschiedlich und diese Schublade Dial-Sound gibt es für mich überhaupt nicht. Ich beziehe mich, glaube ich, auf ganz andere Musik, auch meine musikalische Entwicklung hat nur sehr wenig Überschneidungen mit der anderer Artists, mit der z.B. von Pete und Dave noch weniger. Was uns aber tatsächlich verbindet, ist die Stadt und ihre Atmosphäre sowie das, was wir uns als Musik zur Zeit vorstellen.

ZWISCHEN DEN POLEN

Und da scheint es dann doch tatsächlich einige gemeinsame Vorlieben zu geben. Denn Diamond Daze spielt, vielleicht unterbewusst, mit allen Klang-Facetten, die auf den Dial Releases bis dato eine Rolle gespielt haben. Die Tracks marschieren mal auf Zehenspitzen, mal tänzeln sie in Springerstiefeln. Während die anfänglichen Stücke des Albums noch tendenziell nach einer Kling-Klang-Knusper-Pop-Variante von Lawrence klingen, steuert die Platte immer mehr in Richtung C. Jost, um mit einer Hymne zu enden, die Köln in den Arsch tritt und Hamburg zur Trancehauptstadt erhebt. Hendrik Weber singt in endlosen Delayschleifen – Nachtigall, ick hör dir trapsen – zwischen Turner, Phantom /Ghost und Kotai und führt das Wort “fuck” in ansonsten eher Poe-esk anmutende Post-Lyrik ein.
Auch der Beilagezettel zum Album mutet sehr poetisch an. Aber obwohl ich unter allen anderen Umständen beim kleinsten Trance-Beigeschmack eine Gänsehaut bekomme, muss ich zugeben, dass auch hier die Spreu vom Weizen getrennt wird und der Prinz selbst in diesem Bereich noch breitbeinig auf dem schmalen Grat des guten Geschmacks steht und sich überhaupt nicht wundert, dass er nicht hinunterfällt. Bei dieser musikalischen Sozialisation vielleicht kein Wunder – Musik scheint Hendrik Webers Leben gänzlich auszufüllen, ab und zu ist auch noch mal ein bisschen Zeit für Kunst, oder in Nord- und Ostsee zu schwimmen, bald ist damit aber Schluss, munkelt man …

Debug:
Ich habe gehört, dass du auch mit Stella wieder im Studio bist, wird es bald etwas Neues von euch geben, und glaubst du, dass die Soloreleases von Mense und dir musikalisch einen Einfluss darauf haben werden?

Hendrik Weber:
Im Mai kommt ein neues Stella Album raus und die Soloprojekte werden in gewisser Weise auch Einfluss auf die Platte haben, aber das wird schon was ganz anderes als Pantha du Prince.

Debug:
Woher kommt eigentlich dieses Pseudonym?

Hendrik Weber:
Das hat mir mal ein Freund auf der Straße hinterher gerufen, Pantha kommt allerdings von Panthel, das ist der hugenottische Mädchenname meiner Mutter.

Die weibliche Inszenierung tut Herrn Weber gut – seine Musik prägt etwas Fragiles, und wenn diese Portion an feminin Konnotiertem auch in das neue Album von Stella gelangt, können wir uns auf einen musikalisch grandiosen Mai freuen. So wie Diamond Daze melancholisch den Frühling einleutet, heißt Stellas Album vielleicht euphorisch den Sommer willkommen. Dann geht der Tourstress los. Und solo live spielen will er auch noch. Das Leben als Musiker ist verdammt hart.

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Elektronische Lebensaspekte.