Pascal Schäfer lebt in Köln und bastelt sich als Multiinstrumentalist und Jazzliebhaber die bewegendsten Soundtracks, die die Domstadt gehört hat. Und auch wenn ein Solo von Charlie Parker noch immer der Maßstab aller Dinge, die sich deep und genial schimpfen, ist, wühlt er sich auf seinem Album für Karaoke Kalk in schwebende Flächensounds.
Text: Sascha Kösch, Pascal Schäfer aus De:Bug 83

Pascal Schäfer
erzählt …

Das mit den Bildern und Filmen beim Hören meiner Musik spielt schon eine wichtige Rolle … Doch zunächst mal der Reihe nach. Ich hab als Kind Geige gespielt, dann Gitarre, dann Saxofon und Querflöte. Mit letzterem von ’93-’97 ein Musikstudium in Holland absolviert. Bin seit dem 11. Lebensjahr ein großer Jazzliebhaber, vor allem aus der Zeit der Bigbands und ersten Modern-Ensembles, 30er bis 50er Jahre, du weißt. (Mit dem Wort “Jazz” wird ja seit Jahren viel Mist betrieben.) Hab dann als Teen in den 80s viele Jazzkonzerte besucht, die alten Meister noch gesehen und original Vinyl gesammelt, war ein absoluter Purist, bin nur in Anzügen rumgelaufen, tried to be a Hipster … Ein Solo von Charlie Parker oder Bud Powell ist nach wie vor das Tiefste und Bewegendste und gleichzeitig Genialste im Jazz. Da gibt es natürlich noch viele mehr aufzuzählen: Duke Ellington, Thelonius Monk, Sonny Rollins, Miles …. Gerade Jazz hat meine Ohren ab den späten 80ern schließlich für viele neue Musiken geöffnet, eben auch elektronisch erzeugte Musik.

Seit Beginn der 90er lege ich Platten auf, und das regelmäßig in Köln, da kann man alles von Morricone bis Moodyman hören, (aber ich hasse diesen pseudo-jazzy Mist …) Ich habe in den verschiedensten Bands als Musiker gearbeitet. Um davon zu leben, musste man viel Bullshit spielen. HORROR. Hab alles geschmissen und mir eine MPC, später noch Logic gekauft, dazu ein alten VFX Synthesizer und ein Hohner Pianet usw. Mein Ziel war, endlich mal auf ein komplettes Arrangement Einfluss zu haben und meine ganz eigene Musik zu komponieren, das war ca. 2000!(… spät …) Aus der Hochschulzeit ist viel an Wissen aus Harmonielehre und Arrangementtechnik geblieben, was ich nutze. Natürlich benutze ich auch Samples, für Farbe, als kleine Zitate. Meine Blasinstrumente benutze ich nur, um deren Klang zu verändern.

Ich liebe Soundtracks, gerade die deepen des Film Noir, die schönen und minimalistischen des Neorealismus, die obskuren Sounds irgendwelcher Spacefilme der 50er und 60er Jahre, oder die Konzeption rarer Libraryproduktionen (mein neuer Sammeltick). Irgendwie höre ich das alles, wenn ich Musik mache, meine Bilder dabei sind aber sehr persönliche: Trauer, Glück, Benommenheit, meine Familie, meine Liebste … Mein Ziel ist irgendwie schon ein kompletter eigener Soundtrack. Mal schauen.

Karaoke Kalk ist ein Label mit viel Farbe und Möglichkeiten. Das habe ich schon länger beobachtet und meine Sachen auch direkt dem Thorsten geschickt. Das ganze Labelkonzept war entscheidend: Tradition und Experiment, alles nebeneinander. Meine nächsten Releases sind “gerade” Tracks auf Karaoke, die ich seit längerem produziere und sammle, so zwischen Parrish und Klang. Näheres von Thorsten. Übrigens bin 35 und lebe seit fünf Jahren in Köln.
http://www.karaoke-kalk.net

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Elektronische Lebensaspekte.