Normalerweise treffen wir an dieser Stelle ja gerne auf Patente, die sehr überflüssig sind, nahezu banal, beinahe lächerlich. Dinge, von denen man glaubt, nein, das würde sich doch niemand patentieren lassen, der bei klarem Verstand ist. Diesmal ist das nicht so. Diesmal ist alles anders.
Text: sascha kösch aus De:Bug 95

Diesmal widmen wir das Patent dem neulich auf der Suche nach Bombenlegern mit fünf Schüssen in den Kopf getöteten Brasilianer. Fünf Schüsse, das ist in England legal, wenn die Polizei die Befürchtung hat, es handelt sich um einen Selbstmordattentäter, deren größte Bedrohung, abgesehen mal davon, dass sie als lebende Fackel zum Einsatz kommen – ja, ich denke immer noch, dass sie ganz Marvel-mäßig “Flame On!” rufen statt Allah – ist, dass sie noch zucken können, bevor man sie erlegt. (merke: Konjunktiv und Selbstmodattentäter sind das, was man ein Post-9/11-Paradoxon nennen sollte). Ein ähnliches Problem liegt wohl auch dem “Security Device” zugrunde, der – etwas, dass einem immer schon den Magen umdrehen sollte – im Spirit der “Homeland Security” entwickelt wurde. Aussen sieht es aus wie ein ganz normaler Scanner am Flughafen, mit dem die Sicherheitsbeamten einem immer über den Po und durch die Achseln streichen. Drinnen aber ist ein kleiner Sniffer, der explosives Material riechen kann, natürlich auch ein Metalldetektor, und ein kleiner Buzzer, der – unbemerkt vom Selbstmordattentäter, oder sonst wie mit explosiven Gerüchen behafteten Fiesling, Attentäter, Sprengexperte etc. – dem Sicherheitsbeamten via Vibrationsalarm mitteilt, dass da gleich ein paar Eingeweide in sein Gesicht fliegen könnten. Dann gibt es einfach einen Elektroschock mit 50-400.000 Volt aus eben diesem Scanner, und fertig ist – ohne allzu bleibende Schäden – der zuckende Attentäter. Zuckende Selbstmordattentäter? Ouch, das kann schief laufen. Eigentlich gilt die Maxime: Magazin so schnell wie möglich ins Stammhirn entleeren, damit da auf keinen Fall aber auch gar nichts mehr zuckt. Gefährlich an solcher Art Homeland Security Device – das gibt das Patent unumwoben zu – ist natürlich auch der Stromschlag an sich, der eventuell eine Explosion auslösen könnte, weshalb im Patent auch die Empfehlung steht, direkt in den Nacken oder das Gesicht zu elektroschocken. Die Gebrauchsanweisung würden wir gerne mal lesen. Den Einsatz aber weniger gern beobachten, aber vielleicht sollte man Patente auch weniger als mögliche Bedrohung lesen, sondern als akribische Analyse des Geisteszustands einer Generation.

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Elektronische Lebensaspekte.